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Medien

27. Dezember 2012

Medienmogul Murdoch: Murdoch geht auf Einkaufstour

 Von Thomas Schuler
Rupert Murdoch ist nicht als einziger an der Los Angeles Times interessiert. Foto: dapd

Der Medienmogul Murdoch will die Los Angeles Times und die Chicago Tribune kaufen. Die Mitarbeiter beider Zeitungen befürchten Schlimmes.

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In Los Angeles nimmt Rupert Murdoch gerne die Los Angeles Times und einen Stift zur Hand und zeichnet. Er malt dann auf, wie er das Blatt gestalten würde, wenn es ihm gehörte, erzählen Mitarbeiter. Gut möglich, dass sie tatsächlich bald so aussehen wird, denn Murdoch will die L.A. Times und die Chicago Tribune kaufen. Mitarbeiter des Medienunternehmers verhandelten darüber mit dem Verlag Tribune, berichtete die L.A. Times im Oktober. Sechs weitere Blätter stehen ebenfalls zum Verkauf; in diesen Tagen soll das Geschäft konkreter werden.

Mitarbeiter beider Zeitungen reagierten besorgt auf die Aussicht, dass sie bald Murdochs konservativer Ideologie und seinem fragwürdigen ethischen Verständnis ausgeliefert seien, berichtete das Medien-Blog mediamatters.org. Ein Journalist der Times habe die Aussicht als „unfassbar erschreckend“ bezeichnet; andere betonten, dass Murdoch das Wall Street Journal nach der Übernahme nicht zerstört habe.

Der Kaufpreis für die Times wird auf 400 bis 600 Millionen Dollar geschätzt. Der Milliardär David Geffen hatte vor sechs Jahren zwei Milliarden Dollar geboten – vergeblich. Heute ist er angeblich nicht mehr interessiert. Mit dem Kauf würde Murdoch mit einem Schlag vier der zehn auflagenstärksten Zeitungen der USA verlegen, darunter mit dem Wall Street Journal in New York (mehr als zwei Millionen) die auflagenstärkste Tageszeitung. Die Auflage der L.A. Times ist von mehr als einer Million auf rund 600.000 Exemplare gesunken; die Zahl der redaktionellen Mitarbeiter sank von einst 1000 auf heute 500.

Rettende Spende

Die gemeinnützige Ford Foundation spendete der Zeitung im Mai eine Million Dollar, damit sie fünf neu eingestellte Reporter zwei Jahre lang auf Recherchen ansetzen kann, für die sie davor kein Geld hatte – etwa über die Situation in kalifornischen Gefängnissen. Dank der Spende der Stiftung kann sich die Times nun zeitintensive Recherchen in Brasilien leisten und verfügt endlich über einen eigenen Korrespondenten in Phoenix, Arizona.

Es ist ungewöhnlich genug, dass eine gemeinnützige Stiftung eine gewinnorientierte Zeitung direkt unterstützt. Noch ungewöhnlicher wäre es, wenn diese Zeitung nun von Murdoch gekauft und ausgerechnet der schwerreiche „Medienmogul“ von der großzügigen Stiftungsspende profitieren würde.

Die Tribune Company beantragte 2008 Gläubigerschutz wegen drohender Insolvenz. Die Schulden waren den Managern über den Kopf gewachsen. Gescheitert war damals der Versuch des Immobilienmaklers Sam Zell, den Verlag wieder von der Börse zu nehmen. Seine Schulden bezifferte der Verlag damals auf 13 Milliarden Dollar, sein Vermögen auf siebeneinhalb Milliarden Dollar. Tribune besitzt neben Zeitungen wie der LA Times und der Chicago Tribune auch zahlreiche TV-Stationen. Der Verlag befindet sich seit 2008 in einem Insolvenzverfahren, bis Ende des Jahres sollte das Unternehmen neu geordnet und aus dem Insolvenzverfahren entlassen werden. Dann könnten ihn die Eigentümer, eine Bank und zwei Investmentfirmen, verkaufen.

Murdochs News Corporation trennt gerade das wenig gewinnbringende Zeitungsgeschäft vom profitablen Film- und Fernsehgeschäft. Falls Murdoch die beiden Blätter tatsächlich erwirbt, könnte er versuchen, Synergien und Einsparungen zu erzielen, indem er Teile des Verlagsgeschäfts zusammenlegt. Ob es ihm gelingt, ist keineswegs sicher.

Hürden auf dem Weg

Murdoch ist nicht der einzige Kaufinteressent, berichtete die Los Angeles Times über sich selbst. Und er müsste Hürden überwinden, denn eigentlich dürfen in den USA Verlage in Städten nur in Ausnahmefällen Zeitungen und zugleich Fernsehstationen besitzen. Murdoch betreibt aber bereits zwei Fox-Sender in Los Angeles und zwei in Chicago. Tribune selbst erhielt eine Sondergenehmigung für den Betrieb eines Senders in Los Angeles neben der L.A. Times.

Zwischen News Corporation und Tribune Company bestehen bereits heute zahlreiche Geschäftsbeziehungen: Mehr als 100.000 Exemplare des Wall Street Journal für Südkalifornien und Chicago werden in den Druckereien von Times und Tribune gedruckt. Neun der 23 TV-Stationen von Tribune senden das Programm der Fox-Networks. Sender in San Diego, Sacramento und fünf weiteren Städten gehören zu Fox.

News Corporation dementierte die Berichte über Kaufverhandlungen, aber die Los Angeles Times berief sich auf mehrere Mitarbeiter und Insider und trieb ihre Berichterstattung weiter voran. Interesse am Erwerb der Zeitung haben demzufolge auch der Immobilienunternehmer Doug Manchester aus San Diego und der Verleger Aaron Kushner, der vor Monaten den Orange County Register und weitere sechs kleine Zeitungen für 400 Millionen Dollar gekauft hat.

Austin Beutner, ein ehemaliger stellvertretender Bürgermeister von Los Angeles, habe mit möglichen Käufern gesprochen und gesagt, er sähe die Zeitung gerne wieder im Besitz eines ortsansässigen Eigentümers, der ernsthaft über Relevantes in Los Angeles und Kalifornien berichten lässt.

Ortsansässig? Relevantes?

Der in Australien geborene Murdoch hat zwar die US-Staatsbürgerschaft und einen Wohnsitz in Los Angeles, aber es ist nur einer seiner zahlreichen. Und dass Rupert Murdoch als Besitzer der L.A. Times ein Gespür dafür haben würde, was relevant ist, scheint Beutner auch zu bezweifeln. Dafür hat er vielleicht einfach zu lange Murdochs Propaganda-Sender Fox News gesehen.

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