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Medien

27. Januar 2009

Medienwissenschaftler Jeff Jarvis: "Presse muss von Google lernen"

Jarvis empfiehlt den traditionellen Medien das Rezept von Google zu übernehmen. Die Frage müsse lauten: "Wie können wir andere darin unterstützen, erfolgreich zu sein."

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München. Medien wie die Tageszeitungen können ihre wirtschaftlichen Probleme nach Ansicht des amerikanischen Medienwissenschaftlers Jeff Jarvis nur lösen, wenn sie sich konsequent die Erfolgsrezepte von Google zu eigen machen.

"Die Nachrichtenanbieter hätten längst versuchen müssen, zu verstehen, was Google tut", sagte Jarvis der Deutschen Presse-Agentur dpa am Rande des vom Verleger Hubert Burda veranstalteten Medienkongresses "Digital Life Design" (DLD) in München.

Die wirtschaftliche Rezession werde die Krise von Tageszeitungen, aber auch von Nachrichtenanbietern wie Radio und Fernsehen verstärken und zugleich den Umbruch in Richtung des Internets beschleunigen.

Google verfüge in diesem Prozess mit seiner Kombination aus Suchmaschine, Werbevermarktung und zusätzlichen Software-Angeboten über beispiellose Stärken. Während die klassischen Medien bis heute darauf vertrauten, die Verbreitung der Information und die Werbevermarktung zu kontrollieren, setze Google darauf, Information überall und frei verfügbar zu machen.

Anders als Zeitungen oder Zeitschriften warte Google nicht darauf, dass der Kunde wie einst zum Kiosk und damit zu den Medienanbietern komme. "Google will wissen, wo die Menschen sind." Der führende Internetkonzern der Erde habe es mit seinen vielfältigen Serviceangeboten verstanden, die Nutzer im Web nicht nur zu unterstützen, sondern sie auch wirtschaftlich erfolgreich zu machen.

Jarvis, der an der City University von New York Journalismus unterrichtet, verwies auf seinen Blog "Buzzmachine.com", einen der meistgelesenen Medienblogs der Welt. "Ich nutze dort Google Ads, Google Maps und andere Google-Anwendungen. Und Google gibt mir beispielsweise einen Erlösanteil für die dort platzierte Werbung. Es ist unglaublich, aber sie unterstützen mich."

Jarvis empfahl den traditionellen Medien, dieses Rezept zu übernehmen. Die Frage müsse lauten: "Wie können wir andere darin unterstützen, erfolgreich zu sein." Dies gelte ausdrücklich auch für den Umgang mit Werbe- und Anzeigenkunden. Google habe im Internet neue Maßstäbe für nachweislich wirksame Werbeformate gesetzt.

Regionalzeitungen sollten dem eigene lokale Werbeformen entgegensetzen, die "leicht zu platzieren und einfach zu machen sind, kostengünstig produziert und verkauft werden können, auf wirksame Weise hochgradig zielgenau sind und den richtigen Inhalt mit genau der richtigen Zielgruppe zusammenbringen." Google sei auf diesem Wege schon weit gekommen: "Aber wir können das besser machen als Branche."

Jarvis kritisierte in diesem Zusammenhang, dass die amerikanischen Verlage das Kooperationsangebot Googles, freie Anzeigenplätze in der gedruckten Ausgabe zu vermarkten, nicht angenommen hätten. Die Verlage hätten Google nur unattraktive und zum Teil unverkäufliche Anzeigenflächen überlassen. Der Internetkonzern hatte in der letzten Woche mitgeteilt, seinen Anzeigenvermarktungsservice Google Print wieder einzustellen.

Der Wissenschaftler, dessen neues Buch "What Would Google Do" (Was würde Google tun?) in dieser Woche in den USA erscheint, betonte, er glaube nicht an das Ende von Presse und Rundfunk. Klar sei aber: "Dieser Wandel wird kommen, und die Medien müssen diesen Wandel verstehen." (dpa)

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