Wer das Wort "hyperlokal" zum ersten Mal hört, denkt womöglich, so bezeichne man im Szene-Jargon ein besonders gutes Restaurant. Tatsächlich handelt es sich um die Übersetzung eines Begriffs, den vor allem amerikanische Medienexperten derzeit gern benutzen. Unter "hyperlocal" verstehen sie eine Lokalberichterstattung, die es sich zunutze macht, dass sich im Internet viel kleinere Zielgruppen - in diesem Fall Nachbarschaften - als mit klassischen Medien erreichen lassen.
Die New York Times (NYT) etwa startete kürzlich zwei Nachbarschafts-Blogs - einer davon über Fort Greene und Clinton Hill, die zum Bezirk Brooklyn gehören. Das Prinzip dahinter: So genannte Bürgerjournalisten liefern das Material, jeweils ein Redakteur betreut den Blog.
Jim Schachter, bei der NYT Redakteur für "digitale Initiativen", sieht die Aufgabe der Blogs zum Beispiel darin, die Menschen zu animieren, "selbst zu berichten und ihre kreativen Beitrag zu leisten zu der Community, die wir online aufzubauen versuchen".
Ausgerechnet in Brooklyn hat nun die von Rupert Murdoch geführte News Corp. zu einem Schlag ausgeholt. Das Nachrichten- und Unterhaltungs-Imperium (Fox Network, Twentieth Century Fox, diverse Pay TV-Sender, Wall Street Journal) verleibte sich The Brooklyn Paper ein.
Auf den ersten Blick war das überraschend: Warum kauft der Mann für die ganz großen Mediendeals eine Wochenzeitung, die nur 62 500 Exemplare absetzt? Warum kauft er eine Zeitung in Zeiten, in denen anderswo im Land Zeitungen eingestellt werden? Die Entscheidung ist aber in zweierlei Sicht stimmig - nicht nur, weil derzeit viel von einem neuen Lokaljournalismus die Rede ist, sondern weil die News Corp. 2006 bereits den Courier-Life-Verlag gekauft hat, der in Brooklyn zwölf Zeitungen herausbringt.
Lokaljournalismus als Chance: Diese Hoffnung beruht darauf, dass man sich im Internet zwar umfassend über nationale Ereignisse, Weltpolitik, Sport und Entertainment informieren kann, über das lokale Geschehen aber nur unzureichend. Zahlreiche Qualitätstageszeitungen streben deshalb danach, Internet-Angebote zu schaffen, mit denen sie über Ereignisse an ihren Stammsitzen tiefergehend berichten können, als es in der Printausgabe möglich ist.
Auf dem relativ neuen Feld des hyperlokalen Journalismus erwächst den Medien aber auch Konkurrenz von Fernsehsendern. NBC arbeitet beispielsweise mit der Plattform outside.in zusammen, die Blogs unter orts- und themenspezifischen Aspekten bündelt. Wenn man auf den NBC-Seiten auf den Stadtplan von Chicago oder New York klickt, bekommt man einen Überblick über die Blogberichterstattung zu bestimmten Themen aus der eigenen Nachbarschaft.
Klassische Lokalzeitungen - und dies nicht nur in den USA - müssen sich schließlich die Frage stellen, ob es überhaupt noch sinnvoll ist, das eigene Blatt mit nicht-lokalen Inhalten zu füllen. Der Medienblogger Christian Jakubetz etwa ist der Meinung, eines der Modelle für die Zukunft sei die "hyperlokale Tageszeitung", die auf "jeglichen inhaltlichen Ballast" wie bundespolitische Leitartikel und Feuilletonseiten verzichte "und die nicht den Anspruch erhebt, auch in Berlin oder Kabul gelesen werden zu wollen. Sondern stattdessen einfach nur berichtet, was ist und was die Menschen in ihrem unmittelbaren engsten Umfeld interessiert".
Letztlich ist es also möglich, dass sich der 77-jährige Rupert Murdoch mit dem Kauf von The Brooklyn Paper nicht in erster Linie zum alten Geschäftsmodell Zeitung bekennen will, sondern einen bewussten Schritt in die Medienzukunft geht.
Der Blogger John Cook indes ist anderer Ansicht. Murdoch habe The Brooklyn Paper gekauft, weil er von einem irrationalen Hass auf die Konkurrenzblätter New York Times und Daily News getrieben sei. Die findet der konservative Mogul zu liberal.
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