Denkt er an Afrika in den Medien, bleibt Binyavanga Wainaina nur Galgenhumor. "Zeigen Sie nie das Bild moderner Afrikaner", rät der Schriftsteller aus Kenia. "Verwenden Sie stattdessen: Kalaschnikows, hervortretende Rippen, nackte Brüste." Auch auf dem Bildschirm regieren Krieg und Krankheit, Rhythmus, Riten, Tiere oder Tote. Afrika gibt es nur als Ort der Extreme, als ein Land, 48 Staaten zum Trotz.
Wenn Christine Neubauer heute "Meine Heimat Afrika" besingt, ist sie in Namibia. Wo, denkt sich wohl die Produktionsfirma Degeto, ist da schon der Unterschied? Katja Flint erlebte folglich gleich "Stürme in Afrika", obwohl ihr Film in der Kap-Region spielte. Dort rennt Wolke Hegenbarth bald für Sat.1 "Im Brautkleid durch Afrika". Und wenn das ZDF Namibia besucht, ist Soko Leipzig "Verloren in Afrika".
Der Kontinent ist die ideale Projektionsfläche für Fernweh. So weit, so schön, so wild. Abenteuerlich, exotisch, mit leichtem Grusel. Und immer wieder ist Christine Neubauer auf dem Kontinent unterwegs, mal als Farmerin, meist als Ärztin, stets als weiße Identifikationsfigur vor Sonnenuntergängen, auf Safaris und bei singenden Buschkindern.
Das Unterhaltungsfernsehen lässt aufgeblähte Babybäuche freilich ebenso außen vor wie Agrarprojekte äthiopischer Fraueninitiativen. Für Sachthemen gibts ja den "Weltspiegel", obwohl es den 28 verbliebenen Korrespondenten deutscher Medien auch immer schwerer fällt, differenzierte Afrika-Bilder zu zeichnen - sind sie doch oft für den ganzen Kontinent zuständig. Falls das doch mal im Spielfilm landet, macht es sich einer wie "Afrika, mon Amour" mit Iris Berben leicht, indem er die Ära wechselt. Unter dem Deckmantel historischer Chronistenpflicht kritisiert er etwa Rassismus in einer Zeit, als Farbige noch Neger hießen.
Christine Neubauer umgibt sich nur mit Ureinwohnern, die mit akzentfreiem Deutsch ihr Brauchtum als Gleichberechtigte pflegen und doch meist Tabletts halten oder Geister vertreiben.
Für Kolonialgeschichte bleibt so wenig Platz wie für den Fortschritt. Die Medien, klagt Matthias Mülmenstedt vom Auswärtigen Amt, "würdigen die positiven Entwicklungen zu wenig". Ein Teufelskreis, denn stets von Korruption etwa zu berichten, schrecke Investoren ab.
Oder Zuschauer. Den Autoren Blindheit, gar Konservatismus vorzuwerfen, ginge zu weit. Eher schon dramaturgische Elastizität zum Wohle amouröser Erzählstränge in toller Kulisse. Man kann nur den Rat des Schriftstellers Wainaina befolgen: "Stöhnen ist gut."
Meine Heimat Afrika; 20.15 Uhr, ARD
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Genau die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.