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Menschenrechte: Journalisten im Fadenkreuz

In keinem Land Lateinamerikas ist es für Reporter so gefährlich wie in Mexiko.

Das jüngste Opfer der mexikanischen Drogenmafia: Polizeireporter Armando Rodríguez.
Das jüngste Opfer der mexikanischen Drogenmafia: Polizeireporter Armando Rodríguez.
Foto: rtr

Mexiko ist nach Angaben der Interamerikanischen Pressegesellschaft (IPS) das gefährlichste Land für Journalisten in Lateinamerika. In keinem anderen Staat des amerikanischen Kontinents liefen Reporter größere Gefahr, bei der Ausübung ihres Berufs bedroht, entführt oder getötet zu werden, schreibt die Organisation in einem Bericht anlässlich der Jahrestagung der IPS in Madrid.

Auch nach Einschätzung internationaler Menschenrechtsorganisationen ist lediglich der Irak ein noch bedrohlicherer Arbeitsplatz für Journalisten als Mexiko. In den vergangenen acht Jahren sind 50 Medienvertreter getötet worden. Weitere acht Reporter werden noch immer vermisst.

Laut dem IPS-Bericht sind in den vergangenen sechs Monaten in Mexiko drei Journalisten bei der Ausübung ihres Berufs ermordet worden. Jüngster Fall ist der Polizeireporter der Zeitung El Diario, Armando Rodríguez, (40). Er wurde von einem Unbekannten erschossen, als er seine Tochter zur Schule bringen wollte.

Terror der Drogenmafia

Herausgeber und Chefredakteure machen das Organisierte Verbrechen und hier vor allem die Rauschgiftkartelle für die Gewalt gegen Journalisten verantwortlich. "Wir leiden in Mexiko, wie wir noch nie gelitten haben", sagte Gonzalo Leaño, Chef der Zeitung Ocho Columnas in Guadalajara, der zweitgrößten Stadt Mexikos. "Die Drogenmafias terrorisieren uns, damit wir nichts über ihre Taten und die Ausbreitung des Organisierten Verbrechens schreiben. Wenn wir nichts unternehmen, kann das noch Ausmaße annehmen, die ich mir im Moment nicht vorstellen will", warnte Leaño. Im laufenden Jahr hätten sich Drohungen und Einschüchterungsversuche gegen bestimmte Medien und einzelne Reporter deutlich erhöht, ohne dass die Behörden dem entscheidend nachgegangen wären oder Interesse an der Verfolgung gezeigt hätten, kritisierte Juan Fernando Healy, Direktor der Zeitungsgruppe Healy, der im Norden Mexikos mehrere Regionalblätter gehören.

Dass kaum ein Mord an Journalisten in Mexiko aufgeklärt wird, hängt mit der Verstrickung von Polizei und Justiz mit dem Organisierten Verbrechen in vielen Regionen zusammen. So fehlt bis heute jegliche Spur des Reporters Alfredo Jiménez Mota von der Tageszeitung El Imparcial aus Hermosillo im nordwestlichen Bundesstaat Sonora. Der Journalist ist seit fast dreieinhalb Jahren verschwunden.

Gleich vier Drogenkartelle streiten in Mexiko um die Vorherrschaft auf dem wichtigsten Umschlagsplatz für Kokainlieferungen in die Vereinigten Staaten. Dabei bekämpfen sie sich nicht nur aufs blutigste untereinander, sondern machen sich auch den Staat mit Geld oder Gewalt gefügig. Spätestens seit Präsident Felipe Calderón massiv gegen die Mafias vorgeht, gerieten auch Mexikos Journalisten ins Fadenkreuz der Rauschgiftkartelle. Sie wollen nicht, dass ihnen bei den Revierkämpfen über die Schulter geschaut oder über die Korrumpierung des Staates berichtet wird.

Inzwischen ist der Kampf gegen die Mafias völlig außer Kontrolle geraten. Dieses Jahr zählt Mexiko fast 4200 Tote und bald 7000 seit Calderóns Amtsantritt im Dezember 2006. Das bekommen auch die Journalisten zu spüren.

Autor:  KLAUS EHRINGFELD
Datum:  19 | 11 | 2008
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