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Gebühreneinzugszentrale: Mission impossible

Mit der neuen Haushaltsabgabe will sich auch die GEZ ein neues Image verpassen.

Wie eine Festung: Die Gebühreneinzugszentrale in Köln-Böcklemünd.
Wie eine Festung: Die Gebühreneinzugszentrale in Köln-Böcklemünd.
Foto: dpa

Kameras blicken dem Besucher entgegen. Von außen wirkt das Gebäude der GEZ wie eine Festung. Mit seiner verwinkelten Bauweise auch architektonisch. Nicht mal die Glasscheibe der Pförtnerloge hat eine Öffnung, durch die man sprechen kann. Doch ist man dann erst mal drin, ist all die Skepsis verflogen. Hell und freundlich nimmt Deutschlands größte Inkassoinstitution – eine Gemeinschaftseinrichtung von ARD, ZDF und Deutschlandradio – seine Besucher in Empfang.

Draußen ist die GEZ nicht selten die Projektionsfläche für eventuellen Unmut über das Programm oder schlicht über die Tatsache, dass einem alle ans Geld wollen. Drinnen wirkt man voller Selbstbewusstsein angesichts des täglich zu bewältigenden Arbeitspensums. Rund 100 000 Briefe erreichen die GEZ am Tag: An- und Ummeldungen, Anträge auf Gebührenbefreiung. Entsprechend groß ist die Poststelle. Rund 100 Mitarbeiter öffnen Briefe, die in einem ersten Bearbeitungsschritt nach 40 Kriterien sortiert werden, scannen die gesamte Post und kopieren Originalbelege, die den Befreiungsanträgen beigefügt werden. Ist erstmal alles im System, gibt es bis zu 280 Kriterien, nach der die Post schließlich zur weiteren Bearbeitung sortiert wird.

Durchsichtige Briefablagen

Hier in Köln-Bocklemünd ist alles durchdacht und auf Effizienz getrimmt – auch die durchsichtigen Briefablagen, die sich auf den Tischen stapeln. So sehe man auf einen Blick, ob alles erledigt wurde. Die Mitarbeiter, die die Briefe tatsächlich noch anfassen müssen, bekommen antibakterielle Paste. Mit roten Knöpfen an den Wänden lässt sich die Klimaanlage im Notfall sofort herunterfahren. Als Notfall gilt zum Beispiel, wenn sich in einem Brief ein Exkrement oder weißes Pulver befindet und aufgewirbelt wird. Auch das kommt ein paar Mal im Jahr vor.

Anders als in anderen Einrichtungen des öffentlichen Lebens gibt es keine Improvisation. Alles wirkt top in Schuss: Der Teppich nicht durchgelaufen, die Stühle nicht durchgesessen, die Hochleistungsscanner ohne Aussetzer. Die GEZ hat ja auch viel Geld zur Verfügung, denkt man. Das mag stimmen. Doch es kommt auf das Verhältnis an. Etwas mehr als 7,6 Milliarden Euro hat die GEZ im Jahr 2009 eingetrieben. Sie selbst hat davon rund 161 Millionen Euro bekommen. Die Aufwendungen pro Teilnehmerkonto lagen bei 3,85 Euro. Die Kosten für die GEZ machten im Jahr 2009, aus dem der aktuellste Geschäftsbericht stammt, 2,13 Prozent am Gebührenaufkommen aus. Der Anteil, den die Finanzämter von der Kirchensteuer einbehalten, liege bei rund 3,5 Prozent, erklärt GEZ-Geschäftsführer Hans Buchholz im Geschäftsbericht.

Ab 2013 ist die Rundfunkgebühr an die Wohnung gekoppelt. Die GEZ wird es dann nicht mehr geben, denn die Gebühr heißt dann Beitrag. Ein neuer Name muss her. Das ist auch die Gelegenheit, sich ein neues Image zu verpassen. Wird man sich komplett neu erfinden – oder will man im neuen Auftritt Teile der aktuellen Identität erhalten? „Das ist die strategische Frage, die von ARD, ZDF und Deutschlandradio entschieden wird“, sagt Pressereferentin Nicole Hurst. Schon jetzt ist klar: Für den Übergang wird die GEZ mehr Personal brauchen. Die Teilnehmer müssen neu taxiert werden. In Unternehmen muss die Mitarbeiterzahl, nach der sich dann die Beitragshöhe berechnet, ermittelt werden. Kürzlich trug Geschäftsführer Buchholz dem Medienausschuss im NRW-Landtag seine Pläne vor. Rund 250 zusätzliche Mitarbeiter sollten demnach für eine Übergangszeit von zwei Jahre hinzukommen und nach der Umstellung wieder abgebaut werden. Von 2015 an solle auch das Budget um 20 Prozent reduziert werden.

Es gibt offenbar einen Widerspruch zwischen Auftrag und Wahrnehmung in der Öffentlichkeit. „Alles, was wir tun, ist keine Willkür, sondern findet seine gesetzliche Grundlage im Rundfunkstaatsvertrag“, betont Pressereferentin Hurst immer wieder. Das leidige Thema der Gebührenbeauftragten kommt zur Sprache. Auf deren Vorgehen habe man keinen Einfluss. Die Menschen, die an Türen klingeln und nach Schwarzsehern fahnden, sind für viele das Gesicht der GEZ in der Öffentlichkeit. Dabei kommen sie gar nicht von dort, sondern von den Landesrundfunkanstalten, denen man lediglich zuarbeitet. Die GEZ stellt Lauflisten zur Verfügung, die Beauftragten gleichen die Klingelschilder ab.

Innerhalb der eigenen Mauern ist man sichtlich bemüht, alles richtig zu machen. Das Rechenzentrum hat man TÜV-zertifizieren lassen. Hier im Keller befinden sich die Daten von rund 42 Millionen Rundfunkteilnehmern. Die Schließsysteme erinnern an Mission Impossible. Ein bisschen ist es vielleicht auch so. Allein die Firewall nimmt einen ganzen Schrank in Anspruch. Da komme keiner durch, wird gesagt. Selbst so etwas wie Stuxnet nicht – ein gezielter Virus, der die Atomanlagen im Iran lahmgelegt hat.

Autor:  Jochen Voss
Datum:  22 | 5 | 2011
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