Im April bewarb die Bild-Zeitung ihren jüngsten kommerziellen Ableger: „So kommen Sie an die tollen Angebote im neuen Bild-Shop“, hieß es da. Eine „Top 100“ liefere „mit Testsiegern, Neuheiten und exklusiven Schnäppchen besonders empfehlenswerte Angebote auf einen Blick“. Suuuper, mögen sich die Leser da gedacht und prompt zugeschlagen haben. Die, die so agierten, mussten sich am Freitag bei der Lektüre ihres Stammblattes allerdings kräftig wundern.
Das Blatt selbst vermeldete prominent auf der Titelseite und zudem seltsam unaufgeregt Negatives in eigener Sache. Da schlagzeilte es in großen Lettern: „Verbraucherzentrale kritisiert Bild-Shop“. In zwölf knappen Zeilen hieß es unter anderem, in dem Online-Kaufhaus sei „manche Kaufempfehlung mit Vorsicht zu betrachten“: Was als „Preishämmer“ deklariert sei, sei schon mal anderswo günstiger zu haben.
Ein Anflug von Offenheit im Axel-Springer-Haus? Und so völlig ohne jede Angriffslust, ohne eine Zeile der Verteidigung? Wollen die Bild-Macher um Chefredakteur Kai Diekmann dem Kommerzwahn im eigenen Haus an den Karren fahren? „Das ist keine Distanzierung“, sagt Tobias Fröhlich, Sprecher der Zeitung. Die Redaktion sei „unabhängig von den kommerziellen Produkten“ des eigenen Hauses. Das alles sei zudem „eine Frage der Glaubwürdigkeit“ und die herausragende Platzierung – Bild hätte das auch kleinlaut weiter hinten melden können – Transparenz: „Wir wollten das nicht verstecken.“
Diekmann, der die Meldung abgesegnet habe, fahre diesen Kurs schon länger. Und so seltsam dieser Bericht gegen die eigenen Interessen auch wirken möge: Bild ist damit nicht allein. Die Süddeutsche Zeitung entlarvte Anfang des Jahres etwa, wie sich die hauseigenen Vermarkter Berichte über die iPhone-App der Zeitung in Blogs erkauften.
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Genau die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.