Und das soll die Zukunft der Zeitung sein? Wer das gestern gestartete eMag der Welt am Sonntag lesen wollte, musste sich durch Formulare klicken, Wohnort und Kreditkartendetails hinterlegen, und seine E-Mail-Adresse über einen Link im Postfach verifizieren. Am Frühstückstisch dürfte das kaum gut ankommen.
Doch für die Axel Springer AG ist das eMag ein erster Schritt in die richtige Richtung. 50 Prozent des Umsatzes könnten in zehn Jahren mit digitalen Angeboten erzielt werden, sagte Springer-Vorstandschef Matthias Döpfner gestern in Hamburg. Ob Online-Angebote künftig bezahlt werden, hänge von deren Gehalt ab. "Am Ende zählt das Charisma des Inhalts", sagte Döpfner.
Diesem Anspruch wird das erste eMag kaum gerecht. Die digitale Ausgabe für 1,50 Euro ist weder originell noch amüsant, sondern anstrengend und kompliziert. Wackelvideos und von den Autoren vorgelesener Fließtext wirken schlicht hilflos. Das eMag funktioniert zudem nur, wenn der Rechner online ist. Enttäuscht wird, wer es daheim öffnet und später im Zug durchklicken will.
Auch Medienmogul Rupert Murdoch plant, die Artikel seiner Titel im Netz kostenpflichtig zu machen. Erstes Blatt wird die britische Times sein, deren Website nur noch wird besuchen dürfen, wer ein Tagesticket löst. Das soll den Ankündigungen nach mit gut einem Euro so viel kosten wie die gedruckte Ausgabe und dem Leser für 24 Stunden Zugang zum Portal gewähren. Andere Murdoch-Blätter dürften folgen.
Solange sich viele Angebote im Netz nur unwesentlich voneinander unterscheiden und gängigen Newsbrei wiederkäuen, ist diese Strategie kaum erfolgsversprechend. Der Ausweg führt über Exklusivität: Nur wer bietet, womit andere nicht aufwarten, wird seine Leser zur Kasse bitten können.
Dieses Dilemma haben die deutschen Verlage offensichtlich erkannt. Hier plant niemand, für seine Portale ein Abonnement einzuführen. In der DuMont-Gruppe, die auch die Frankfurter Rundschau verlegt, heißt es etwa, man arbeite noch an der richtigen Strategie. Für die zuständige Chefin von DuMont-Net, Silke Springensguth, ist aber klar: "Wir werden sicher nicht Bezahlschranken vor ganze Internetseiten setzen. Alles, was nicht wirklich exklusiv ist, wird auch auf lange Sicht frei bleiben.", sagt Silke Springensguth.
Viele Verlage setzen nun erst einmal auf das Geschäft mit mobilen Inhalten. Während Lesern seit dem Beginn des Internetzeitalters antrainiert wurde, dass sie Nachrichten im Netz gratis bekommen, ist die Akzeptanz größer, für mobile Dienste zu zahlen. Handynutzer sind es schlicht gewohnt, dass es etwas kostet, wenn sie ihr Telefon benutzen."
New Yorker auf dem Tablet
Eine Hoffnung liegt in Anwendungen (Apps) für das iPhone von Apple. Der Axel-Springer-Verlag verlangt für die Apps seines Boulevardblattes B.Z. einmalig 79 Cent. Ab Frühjahr wird es das Programm nur noch im Abo geben, Bild und Welt sollen folgen. Auch die Süddeutsche Zeitung startet dieser Tage eigene Apps. Die Basisversion soll kostenfrei sein, die Version SZ Gold bis zu zwei Euro im Monat kosten, dafür aber zusätzlichen Komfort anbieten. Auch bei DuMont heiß es, man gehe "fest davon aus, dass Nutzer bereit sind, für Zusatzdienstleistungen zu zahlen". Digitalchefin Springensguth sieht Möglichkeiten etwa in der serviceorientierten Aufbereitung der Nachrichten oder bei lokalen Inhalten, "die unsere Redaktionen aktueller und tiefgehender recherchieren als alle anderen. Auch wir werden im nächsten Jahr mit iPhone-Apps auf den Markt kommen, die ebenfalls nur gegen Abo zu haben sein werden."
Eine andere Hoffnung ist der Tablet-Rechner, den Apple Gerüchten zufolge Mitte nächsten Jahres auf den Markt bringen soll: ein Gerät, das etwa so groß ist wie der Bildschirm eines Laptops und einen durchgehenden Touchscreen besitzt. Darauf ließen sich interaktive Magazine in der Größe der Printausgaben darstellen. Der US-Verlag Condé Nast entwickelt nach eigenem Bekunden bereits Versionen seiner Titel wie Wired, The New Yorker oder Vogue für dieses Riesen-iPhone - und das, obwohl Apple noch nicht einmal bestätigt hat, überhaupt an einem solchen Gerät zu arbeiten. Das Gerücht elektrisiert die Branche trotzdem, auch wegen der Frage nach dem Bezahlsystem. Mit einem "Mac Tablet" könnte der Leser Artikel im iTunes-Store von Apple mit nur einem Klick kaufen - so einfach, wie das bereits mit Musik klappt."
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.