Am morgigen Freitag um 9 Uhr mitteleuropäischer Zeit stehen für viele Unternehmer einige hochspannende Minuten an. Denn dann können sie sich auf neue Internetadressen bewerben, sogenannte Domains. Neu wird dabei sein, dass die Namen vor dem Deutschland-Kürzel ".de" künftig nur zwei oder gar nur eine Stelle haben können - oder einfach komplett aus Zahlen bestehen.
Begehrt dürften etwa Adressen sein, die nach den Telefonvorwahlen kommen, ob nun 069.de für Frankfurt, 089.de für München oder 030.de für die Hauptstadt. Und auch bei einigen Abkürzungen von Medienmarken wird es spannend: Schnappt sich etwa die "Sächsische Zeitung" die Adresse sz.de oder die "Süddeutsche Zeitung"? Sogar Wortspiele wie mo.de könnten für findige Unternehmer interessant sein.
Bisher waren weder deutsche Adressen mit weniger als drei Stellen drin noch Adressen, die sich nur aus Ziffern zusammensetzten. Das ändert sich morgen, weil das der Automobilkonzern VW so will. Der hatte gegen die in Frankfurt ansässige Denic geklagt, die Domain Verwaltungs- und Betriebsgesellschaft. Sie verwaltet alle Adressen, die auf ".de" enden.
Domainregistrierungen laufen über die Denic
Es gilt: Wer sich seinen Namen, den seines Vereins oder seiner Firma mit dieser Endung sichern will, muss das bei der Denic tun oder bei einem ihrer 274 Mitglieder, den Providern, bei denen die Web-Seiten liegen.
Die Denic, bei der bisher gut 13.152.000 deutsche Adressen registriert sind, argumentierte bislang, es sei doch viel sicherer, wenn sie kurze oder nur auf Zahlen lautende Domains blockiere. Damit würden technische Probleme ebenso verhindert wie Verwechslungen, etwa wenn Nutzer Seiten ansteuern oder E-Mails schreiben.
VW war das egal. Der Konzern klagte, und das Oberlandesgericht Frankfurt entschied (Aktenzeichen 11 U 32/04), das bisherige Minimum diskriminiere Firmen, deren gängige Abkürzungen kürzer seien. Die Denic, die als Zentralstelle marktbeherrschende Stellung habe und sich deshalb nicht uneingeschränkt auf unternehmerische Freiheiten zurückziehen könne, legte zwar Beschwerde ein. Der Bundesgerichtshof wies aber das Begehren der Gesellschaft ab, hinter der die Masse der Provider steht.
Bei denen sorgt jedoch für Unmut, wie schnell die Denic die Entscheidung umsetzen will: Sie kündigte ihren Mitgliedern erst vor einer Woche an, von morgen an auch kürzere Domains und reine Zahlen-Adressen vergeben zu wollen. Die Chefin des Providers Domainfactory, Tobia Marburg, sprach etwa von "absolutem Wahnsinn" und einem "Hau-Ruck-Verfahren". Sie mahnte, der Vorlauf sei womöglich zu kurz, um Schnittstellen zu schaffen, mit denen Privatleute und Firmen neue Domains anmelden können. "Wir sitzen ja nicht rum, drehen Däumchen und warten auf gute Gelegenheiten, um mal wieder was zu tun zu haben", maulte Marburg im Blog ihrer Firma.
Für "pizza.com" wurden 2,6 Millionen Dollar gezahlt
Sie warnte auch vor Domaingrabbern, die sich eine Adresse sichern, um sie irgendwann teuer zu verkaufen. Wie begehrt manche Adressen sind, zeigt das Beispiel "pizza.com". Die Domain hatte sich einst ein Software-Entwickler für 20 Dollar registrieren lassen. Vor einem Jahr konnte er die Adresse für 2,6 Millionen Dollar verkaufen. "Das ist verrückt", sagte er anschließend völlig überrascht, "einfach verrückt!"
In der Branche rechnen sie nun mit einem Rennen um die neuen deutschen Adressen. Der Provider 1&1, einer der größten der Republik, geht etwa von bis zu 10.000 Bestellungen allein in den ersten Stunden aus. Die Denic sorgt zumindest dafür, dass der Ansturm begrenzt wird: Jedes Mitglied kann nur vier Anmeldungen pro Minute an die Vergabestelle in Frankfurt schicken. So sollen sich Domaingrabber nicht auf ein Mal hunderte Adressen sichern können, um dann Filetstücke gewinnbringend zu versteigern.
Zumindest VW kann sich in Sicherheit wiegen. Die Denic hat den Wolfsburgern längst die Adresse vw.de gesichert. Und auch die Bahn hat das Glück der frühen Stunde. Wie die Denic der FR sagte, wurde db.de - wie auch die einzig beiden anderen zweistelligen Adressen ix.de und hq.de - vor 1993 angemeldet. Da waren die morgen wegfallenden Restriktionen noch nicht in Kraft. Die Bahn genieße so "Bestandschutz".
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