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New York Times: Sein Sohn kämpft für Israel

In der New York Times gibt es Streit um den Israel-Korrespondenten Ethan Bronner. Der Sohn des Bürochefs in Jerusalem dient in der israelischen Armee. Von Eva C. Schweitzer

Bill Keller, der Chefredakteur der New York Times, steht hinter seinem Israel-Korrespondenten.
Bill Keller, der Chefredakteur der New York Times, steht hinter seinem Israel-Korrespondenten.
Foto: afp

Streit um den Nahost-Korrespondenten der New York Times

In der New York Times ist ein Streit um den Israel-Korrespondenten Ethan Bronner ausgebrochen. Der Bürochef in Jerusalem hat einen Sohn, der in der israelischen Armee dient. Nachdem die Website Electronic Intifada darüber berichtet hatte, regte Times-Ombudsmann Clark Hoyt an, Bronner zu versetzen. Selbst der wohlmeinendste Leser dürfte einen Interessenkonflikt vermuten, meint er. Chefredakteur Bill Keller will Bronner indes auf seinem Posten belassen. Er findet, Bronner, der seit 27 Jahren über den Nahostkonflikt berichtet, sei professionell unparteiisch, zudem sei er nicht für seinen erwachsenen Sohn verantwortlich. Den Richtlinien der Times zufolge müssen Reporter Interessenkonflikte vermeiden - so dürfen Finanzreporter keine Aktien besitzen, Architekturkritiker nicht in Wettbewerbsjurys sitzen, und Artikel über Aktivitäten von Familienmitgliedern sind tabu. Was Bronner angeht, sind auch die Leser der Times geteilter Meinung. Viele von ihnen werfen Bronner vor, er sei anti-israelisch, berichtet Hoyt, da er nicht schreibe, dass der Konflikt allein die Schuld der Palästinenser sei. Andere meinen hingegen, er mache sich zum Papageien der israelischen Regierung. Einige Leser wiesen auch darauf hin, dass die New York Times noch nie einen muslimischen Korrespondenten in Jerusalem hatte und erst recht keinen dulden würde, dessen Sohn für die Hamas kämpfte. Bronner selbst sagte dem Ombudsmann, es sei schwer, in diesem Konflikt ausgewogen zu berichten. Aber er wolle nach seinen Artikeln beurteilt werden, nicht nach seiner Biografie. Die Israel-Berichterstattung der New York Times war schon immer umstritten, es gab deshalb sogar Boykottdrohungen jüdischer Organisationen. Arthur Hays Sulzberger, Großvater des heutigen Verlegers, war Antizionist. Er unterstützte die israelische Staatsgründung nicht und verbot, Israel als "jüdischen Staat" zu bezeichnen. Bis 1984 wurde kein jüdischer Journalist nach Jerusalem sandte. Davon berichten Susan Tifft und Alex Jones in ihrem Buch "The Trust". Auch Jones findet, Bronner solle besser den Posten wechseln. "Der Anschein eines Interessenkonfliktes sollte genauso ernst genommen werden wie ein Interessenkonflikt", sagte der Journalistikprofessor zu Hoyt.

Autor:  Eva C. Schweitzer
Datum:  9 | 2 | 2010
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