kalaydo.de Anzeigen

Öffentlich-Rechtliche in Österreich: Politisches Geschäft

Wenn der ORF etwas von der Politik will, kommt das den österreichischen öffentlich-rechtlichen Sender oft teuer zu stehen. Denn die Politik fordert üblicherweise Gegenleistungen. Nun diktiert die Regierung dem Sender harte Sparmaßnahmen. Bernhard Baumgartner

Wenn der ORF etwas von der Politik will, kommt das den österreichischen öffentlich-rechtlichen Sender oft teuer zu stehen. Denn die Politik fordert üblicherweise Gegenleistungen: Einfluss, Posten, ein bisschen Wohlwollen. Diesmal kam es für den ORF richtig dicke, war die Wunschliste an die Regierung doch gleich doppelt lang. Denn einerseits kommt der ORF mitten in der Wirtschaftskrise nicht ohne zusätzliches Geld vom Staat aus, andererseits muss das ORF-Gesetz verändert werden, um den Wünschen der EU Rechnung zu tragen.

Der Bittgang zur Politik war erfolgreich: Diese Woche wurde bekannt, dass die Regierung dem ORF in den kommenden vier Jahren insgesamt 160 Millionen Euro zusätzlich zur Verfügung stellt. Jeweils 50 Millionen in den kommenden zwei Jahren, dann zwei Mal 30 Millionen. Das ist nicht unerheblich: Der ORF hat ein Gesamtbudget knapp an der 900-Millionen-Euro-Grenze. Formal gilt der Geldsegen als Ersatz ("Refundierung") von Gebühreneinnahmen, die dadurch entfallen sind, dass immer mehr Menschen aus sozialen Gründen von der Rundfunkgebühr befreit sind. 60 Millionen Euro entgehen dem ORF dadurch pro Jahr. Ein Teil wird nun erstattet - vorerst. Denn in vier Jahren muss der ORF neuerlich zum Bittsteller werden, wenn er wieder Geld benötigt.

Zur Person

Bernhard Baumgartner ist Redakteur der Wiener Zeitung

Die Staatsgabe ist an Bedingungen geknüpft: Der ORF darf den Anteil an österreichischen Programmen nicht (wie angedroht) kürzen. Damit soll die österreichische Produktionsbranche gefördert werden. Zudem muss der ORF sein Orchester (das er gerne ausgegliedert hätte) weiter betreiben und sich harten Sparmaßnahmen unterziehen. Die ÖVP spricht daher nicht von "Refundierung", sondern von einer "zeitlich begrenzten Restrukturierungshilfe".

Tatsächlich hat der ORF in den vergangenen Jahren bereits einen Sparkurs gefahren: mehr als 400 Mitarbeiter wurden pensioniert, mit "Goldenem Handschlag" freiwillig verabschieden oder ausgelagert. Weitere sollen folgen. Im Jahr 2010 hat sich der Betriebsrat mit der Senderführung auf eine Nulllohnrunde verständigt - ein einmaliger Vorgang in der Geschichte des Hauses. Zudem wurden Dienstreisen gestrichen, Pensionszuschüsse gekürzt, Überstunden begrenzt und Jubiläumsgelder gestrichen. Die Führung verzichtete auf Bonuszahlungen

Wie konnte das passieren, zumal der ORF lange als Paradies für seine Werktätigen galt? Die Wirtschaftskrise trägt eine Mitschuld an der Misere. Schließlich finanziert sich der ORF nicht ausschließlich aus den Gebühren seiner Zuseher, sondern zu etwa einem Drittel aus Werberlösen. Diese sind von 300 Millionen Euro pro Jahr auf zuletzt etwas mehr als 200 Millionen gefallen. "PDas ist jedoch nicht nur der Krise, sondern auch wachsender privater Konkurrenz auf dem Werbemarkt geschuldet. Da auch die Quoten von ORF1 und ORF2 immer weiter sinken, musste der ORF seine Werbepreise nach unten korrigieren. Vor allem die österreichischen Werbefenster von RTL und ProSiebenSat.1 knabbern erheblich an den Umsätzen des ORF. Zudem hat der ORF seine Rücklagen am Kapitalmarkt angelegt. In guten Jahren brachte das Gewinne im zweistelligen Millionenbereich. Selbstredend war dem zuletzt nicht mehr so.

Mit dem neuen ORF-Gesetz streicht die Politik auch zwei Direktorenposten. Statt bislang sechs soll es nur mehr vier Direktoren neben dem Generaldirektor geben. Der kaufmännische Direktor wurde zudem gerade an dem Tag neu zur Besetzung ausgeschrieben, an dem die ÖVP der Finanzspritze für den ORF zustimmte. Der Neue gilt als Personalwunsch der ÖVP. Manche Dinge haben eben ihren Preis.

Autor:  Bernhard Baumgartner
Datum:  19 | 11 | 2009
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
World Press Photo
Das beste Pressefoto 2012: Eine jemenitische Frau hält einen verwundeten Verwandten in ihren Armen.

Beeindruckende Aufnahmen: FR-online.de präsentiert interaktiv die Pressefotos des Jahres.

TV-Kritik
Sieger: Der zehnjährige Marco gewinnt das Finale von DSDS Kids. Moderator Daniel Assmann (l.) und DSDS-Kandidat Thomas Pegram freuen sich.
DSDS Kids: Das Finale 
Indianer-Squaw in Türkis: Für Joan Franka und die Niederlande hat es nicht gereicht.
ESC 2012 Halbfinale 
Höhepunkt des 1. ESC-Halbfinales: der Auftritt der Buranowski Babuschki.
Eurovision Song Contest in Baku 
Jogger an der Außenalster in Hamburg.
TV-Kritik "Der adidas Check" 

Video

Quiz
Dezember 2006.

Thomas Gottschalk hat sich bei "Wetten, dass..." verabschiedet. Er bewegt die TV-Nation. Testen Sie Ihr Wissen.

Quiz
Tatort-Logo

Seit 40 Jahren gibt's fast jeden Sonntag im Fernsehen Mord und Totschlag. Mit dem Tatort beweist das öffentlich-rechtliche Fernsehen immer wieder seine Leistungsfähigkeit. Was wissen Sie über die Krimi-Reihe? Testen Sie's!

Fotostrecke
Meeresbewohner: Leuchtend grüne Quallen gleiten durch ein Aquarium.

Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.

Quiz
Der zurückgetretene Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg holt seine Entlassungspapiere im Schloss Bellevue ab (03.03.2011).

Guttenberg hatte einen guten Grund. Aber weshalb sind Horst Köhler oder Richard Nixon abgetreten?

Quiz
Wissens-Test.

Politik, Sport, Wirtschaft - wie gut sind Sie informiert? Machen Sie den Test mit dem unterhaltsamen Tagesquiz.

Film

Die Filmwoche: Was läuft wann in welchem Kino? Alle Neustarts, alle Filme, alle Kinos, alle Zeiten.

Meistgeklickt
Sieger: Der zehnjährige Marco gewinnt das Finale von DSDS Kids. Moderator Daniel Assmann (l.) und DSDS-Kandidat Thomas Pegram freuen sich.
DSDS Kids: Das Finale 
Das DFB-Bundesgericht mit dem Vorsitzenden Goetz Eilers hat entschieden: Das Relegationsspiel zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC wird nicht wiederholt.
Kein Wiederholungsspiel zwischen Düsseldorf und Berlin 
 Mely Kiyak
Kolumne zum neuen Umweltminister