Als jetzt die Nebenverdienste öffentlich-rechtlicher Moderatoren gerügt wurden, gerieten auch die der öffentlich-rechtlichen Entertainer ins Blickfeld. Gottschalk, Volksmusi, Spitzensport oder Soaps - was ARD und ZDF als leichte Kost verkaufen, steht für lukratives Cross-Marketing zwischen Sendung und Gesendeten, für CD-Reklame, Kinotrailer, Konzerttipps oder Eigenreklame. Kein Wunder, dass Oliver Pocher das duale System beidseitig beackert.
Denn seit das Showfernsehen bloß Teilaspekt drehender PR-Maschinen ist, rotiert einer besonders einträglich: der Brachialkomiker aus Hannover. Zählen Sie nur mal die Marken folgenden Satzes durch: Von heute an castet Oliver Pocher, derzeit mit seiner Liveshow "Gefährliches Halbwissen" auf Tour, bei Sat.1 Hobbykicker für ein Fußballspiel in der Veltins-Arena zu Schalke, die zu Gunsten der Bild-Aktion "Ein Herz für Kinder" neben Johannes B. Kerner und Bushido im Team des Fitnessdiscounters McFit gegen Bayern München spielen.
Es sind elf, die vom Quotenbringer Castingshow profitieren. Dass Geld fließt, zwischen Sponsor und Sender etwa, Presse und Pocher wird zwar dementiert. Doch abseits üppiger Honorare lebt die Präsenzökonomie des TV-Entertainments von Bildern pro Woche, Zeilen pro Seite, Klicks pro Homepage. So zahlt sich die allseitige Reklame für "Sportfreunde Pocher" auf anderen Ebenen als Überweisungsträgern aus: Zwischen Boulevardbericht und Bandenwerbung, Werbespotpreisen bei Sat.1 oder Mitgliederzuwachs bei McFit.
Jeder profitiert von jedem
Noch hat der kleine Oli nicht die Größe von Raab/Klum/Bohlen, seine Firma Pocher TV ging 2008 ein. Doch auch fremdproduziert ist er die Multifunktions-Chiffre moderner Boulevard-Bespaßung: Im Winter die medienwirksame Flucht von der ARD. Im Frühjahr ein Gastspiel auf der DSDS-Bühne. Kürzlich die Liaison mit Boris Beckers Ex Sandy. Im Herbst ein Auftritt beim RTL-Hit "Cobra 11". Nun seine Konsolidierung als Klassenclown der Fußballnation in "Sportfreunde Pocher". Erstellt von der Constantin Entertainment, einer Beteiligung der Constantin Film, die ihrerseits vom ehemaligen Sat.1-Vordenker Fred Kogel gelenkt wird, Mitinhaber von Kogel & Schmidt, die "Schmidt & Pocher" im Ersten verantworte.
An der Spitze von Constantin Entertainment wiederum steht neben Otto Steiner, Ex-Unterhaltungschef des wichtigen ProSiebenSat.1-Zulieferers Tresor TV, auch Ulrich Brock, einst Programmleiter bei Sat.1. Jeder profitiert von jedem - und mittendrin: Oliver Pocher.
"Sportfreunde Pocher",
Sat.1, 22.15 Uhr.
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