Lena, Sie müssen eigentlich gerade fürs Abi lernen. Kommt Ihnen der ganze Medienrummel da nicht furchtbar ungelegen? Er ist auf jeden Fall neu und ungewohnt, ich hätte nie damit gerechnet. Plötzlich sprechen mich Leute auf der Straße an und eine Achtklässlerin in meiner Schule wollte sogar ein Autogramm. Das habe ich aber gerne gemacht, weil sie auch Lena heißt.
Der Eurovision Song Contest ist inzwischen ein reines Trash-Event, musikalisch gehen daraus längst keine großen Erfolge mehr hervor. Wieso reizt Sie das? Zum Casting bin ich eigentlich nur gegangen, weil ich mal sehen wollte, wie mich Leute beurteilen, die Ahnung haben. Vorher hatte ich ja nur in der Schulband gesungen. Und mir gefällt die Grundidee von "Unser Star für Oslo", neuen Schwung und Enthusiasmus in die Veranstaltung zu bringen.
In den letzten Jahren waren die deutschen Teilnehmer eine solche Katastrophe, dass die ARD sich gezwungen sah, mit Stefan Raab zusammenzuarbeiten. Was kann er, was die anderen nicht können? Ich glaube, dass er durch seine Popularität viele junge Leute dafür begeistern kann, für ihr Land auf der Bühne zu stehen. Diese nationale Aufgabe ist in fast allen teilnehmenden Ländern Tradition, nur Deutschland steht bei jedem Song Contest als Loser da.
Castingshows wie DSDS haben deutlich bessere Quoten als "Unser Star für Oslo". Finden Sie das nicht schade? Dort hätte ich mich trotzdem nie beworben, weil die Musik zu kurz kommt. Bei "Unser Star für Oslo" steht das Singen im Vordergrund und nicht meine Lebensgeschichte, die mit dem Eurovision Song Contest nichts zu tun hat. Der Gedanke, dass einem Schicksalsschläge passieren müssen, damit man weiter kommt , ist mir unsympathisch.
Also verfolgen Sie solche Sendungen nicht? Doch, ich gucke das ab und zu, sonst könnte ich ja nicht darüber urteilen.
Die meisten fühlen sie sich gut unterhalten, wenn Dieter Bohlen Kandidaten fertig macht. Wirkt eine übervorsichtige Jury wie bei Raab dagegen nicht langweilig? So unkritisch fand ich die gar nicht, vor allem aber waren sie professionell. Ich denke, dass Stefan Raab mit seiner Sendung eher ein Publikum ansprechen will, das solche Beurteilungen zu schätzen weiß.
Glauben Sie nicht, dass früher oder später auch Ihr Privatleben in den Fokus rücken wird? Das will ich nicht hoffen, denn dann wäre ich raus. Ich gebe nur das von mir preis, was musikalisch relevant ist. Beim Shoppen lasse ich mich sicher nicht filmen.
Andere nehmen all das in Kauf, um zumindest für eine Weile berühmt zu sein. Was wollen Sie mit Ihrer Teilnahme erreichen? Ich habe gar keine Erwartungen, und das macht es sehr entspannt. Vor dem Auftritt habe ich zwar gefühlte 1 200 Mettklöpse im Hals vor Aufregung wegen der vielen Zuschauer. Aber es gibt keinen Druck, dass ich weiterkommen muss - ich mache das nur, weil es Spaß macht und ich dabei meine Kreativität ausleben kann.
Wer weiß, ob es die Gelegenheit in Form einer solchen Sendung im nächsten Jahr noch gibt. Dann überlege ich mir eben ein eigenes Format. Aber darin müsste man auch nett zu den Kandidaten sein.
Interview: Maike Schultz.
Unser Star für Oslo, 20.15 Uhr, ProSieben
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