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Medien

20. März 2013

Peinliches Riemann-Interview im NDR: Riemann kann jeder

 Von Jörg Hunke
Auf Augenhöhe: Herbert Wehner (l.) und ARD-Mann Ernst-Dieter Lueg.  Foto: dpa

Nicht nur Katja Riemann und Hinnerk Baumgarten können ein harmloses Interview in einen Albtraum verwandeln. Von den Momenten des Misslingens, wenn Journalisten in ihren Interviews auf missmutige Gesprächspartner treffen.

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Als der Versuch scheiterte, Katja Riemann gleich am Anfang der Sendung mit einem Kompliment zu locken, da ahnte Thomas Kühn schon, dass die Sendung nicht einfach werden würde. Seit zwölf Jahren ist er Abteilungsleiter für die Vorabendmagazine beim NDR, er hatte die Idee, in der Sendung „Das!“ die prominenten Gäste im Gespräch auf dem roten Sofa vorzustellen.

Sein Moderator Hinnerk Baumgarten fragte die Schauspielerin, wie sie das gemacht habe mit den blonden Haaren, denn im dem aktuellen Film „Das Wochenende“ wird sie mit dunklen Haaren zu sehen sein. Auf eine nicht sonderlich originelle Frage folgte eine kompromisslose Antwort. „Das ist eine Perücke“, antwortete Riemann. Hätte ein Witz sein können, war es aber nicht. Eher eine Kriegserklärung. „Gesprächskarambolage“, schrieb der Medienjournalist Stefan Niggemeier. Und weil die nächsten Fragen und Antworten nicht besser wurden, stellte er Ausschnitte des Interviews ins Internet. Die Klickzahlen sind noch immer enorm.

Gut gemachte Interviews, das ist die hohe Kunst im Journalismus. Zwei Menschen treffen aufeinander, die sich oft noch nie zuvor gesehen haben. Wenn es gut läuft, entsteht ein Dialog auf hohem Niveau, in dem sich beide mit klugen Gedanken befeuern. Wenn es schlecht läuft, haben sie sich nichts zu sagen, dann wird belanglos oder – noch schlimmer – ahnungslos geplaudert wie in so vielen Talkshows von Sonntag bis Freitag. Moderator Baumgarten schaffte es nicht, wegzukommen von der Rolle des netten Moderators. Er hätte nur fragen müssen, warum Frau Riemann so schnippisch antwortet.

Legendär: "Warum schweigen Sie?"

Extrem wird es, wenn sich die beiden Gesprächspartner nicht leiden können und das auch noch vor der Kamera zeigen. Die Fernsehgeschichte ist voll von solchen skurrilen Beispielen. Unvergessen aus der Schwarzweiß-Zeit, wie der Boxer Norbert Grupe im „Aktuellen Sportstudio“ im Interview nur auf die erste Frage antwortete und kein Wort mehr sagte, weil er sich über einen einige Tage zuvor gesendeten Bericht des Moderators geärgert hatte. „Warum schweigen Sie?“, fragte der Moderator Rainer Günzler irgendwann fassungslos, bekam aber keine Antwort.

Klaus Kinski brach ein Interview über sein Erlöser-Projekt mit wilden Gesten und üblen Beschimpfungen ab, weil er das Gefühl hatte, dass ihn die Interviewerin vom ZDF nicht ausreden ließ. „Sie haben überhaupt kein Recht, mir über den Mund zu fahren“, wütete der rauchende Kinski und hörte nicht mehr auf zu reden.

Noch gar nicht so lange her, da hatte Lena Meyer Landrut vor ihrem Auftritt beim Eurovision-Song-Contest in Düsseldorf keine Lust, dem schlecht vorbereiteten Frank Elstner mit ihren Antworten zu helfen. Er konnte nicht unterscheiden zwischen European und Eurovision Song Contest. Ihre Lieblingsantwort: „Ist nicht richtig.“

Die Brisanz der Interviews liegt auch darin, dass es eine Mischung ist aus Polizei-Verhör und Küchenpsychologie, Nähe und Distanz. Oprah Winfrey, die große Dame des Interviews, hatte im Januar ihren großen Auftritt, als Lance Armstrong über Doping sprach. 28 Millionen Menschen sahen weltweit zu, in 190 Ländern wurde das Gespräch übertragen, in 30 Sprachen übersetzt. Kein ernsthaftes Medium, dass darüber nicht berichtete. Winfrey begann wie eine Ermittlerin: „Ja oder Nein? Haben Sie verbotene Substanzen zur Leistungssteigerung verwendet?“, fragte sie. Armstrong antworte: „Ja.“ Und so ging es weiter. Allerdings war alles inszeniert, Juristen hatten Fragen und Antworten geprüft. „Kalkulierender Betroffenheitsschauspieler“, lästerte die FAZ über Armstrong. Die Redaktion von „Das!“ hatte vorher auch mit Katja Riemann gesprochen, geholfen hat das offensichtlich nicht.

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