Medien

10. Januar 2013

Plastik – Der Fluch der Meere: Verhungern mit vollem Bauch

 Von Lilo Berg
Plastikmüll an einem Strand  Foto: zdf/Robert Cöllen

Alarmierend: Eine beeindruckende Arte-Doku zeigt den Weg und die Auswirkungen von Müll im Ozean.

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Zerfetzte Mülltüten, geborstene Bierkisten, alte Zahnbürsten – über Plastikmüll am Strand hat sich jeder schon einmal geärgert. Und doch hätte kaum jemand für möglich gehalten, was vor wenigen Jahren bekannt wurde: Im Nordpazifik treibt ein gigantischer Teppich aus Kunststoffabfall, ein Strudel aus Plastik, das durch die Einwirkung von Sonnenlicht und Wellen in kleinste Partikel zerfallen ist. Auch im Nordatlantik gibt es eine solche schwimmende Deponie, drei weitere werden in den Ozeanen der Südhalbkugel vermutet.

Insgesamt, so schätzen Experten, driften Hunderte Millionen Tonnen Plastikmüll in den Weltmeeren – durch Strömungen und Winde in riesigen Strudeln verdichtet.Dass die hässliche Flut auch die entlegensten Inseln erreicht hat und welche Folgen für die Umwelt und letztlich auch für den Menschen drohen, zeigt diese beeindruckende Arte-Dokumentation.

Die filmische Reise beginnt am komplett mit Plastikschrott bedeckten Junk Beach auf Hawaii, sie führt weiter über Japan und Südamerika bis zur Nordsee. Das Filmteam begleitet Umweltaktivisten auf ihrer Suche nach einem Müllstrudel im Südpazifik und ist dabei, als tatsächlich die ersten Überreste der Wegwerfgesellschaft in den Netzen auftauchen. Ziel der Forschungsreise ist die Osterinsel, weit draußen im Stillen Ozean. Selbst dort sind die Strände übersät mit Kunststoffabfall.

Doch bei einer Inventur der Plastikflut bleibt die Arte-Produktion nicht stehen. Sie spürt auch den Folgen nach, den sichtbaren und den unsichtbaren. So hat nahezu jeder Eissturmvogel in der Nordsee Müllteile in seinem Magen, oft so viel, dass keine Nahrung mehr hineinpasst und die Tiere mit vollem Bauch verhungern. Seelöwen und Meeresschildkröten verfangen sich in synthetischen Fischernetzen und verenden darin.

Alarmierend sind auch die verborgenen Auswirkungen der Plastikschwemme. Viele Fische verwechseln den in Mikropartikel zerfallenen Kunststoff mit Futter. So könnte der Werkstoff der Moderne mitsamt seinen gesundheitsgefährdenden Inhaltsstoffen über die Nahrungskette auf unseren Tellern landen. Dieser Gefahr spüren Wissenschaftler in aller Welt nach. Das Arte-Team suchte einige von ihnen in ihren Labors auf. Ihre Berichte machen deutlich: Plastikmüll ist zu einem Problem geworden, das die ganze Menschheit betrifft. Denn das Meer schluckt nicht alles.

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