Berlin. Der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) hat Finanzrücklagen in großem Stil in riskante Wertpapiere investiert und damit möglicherweise Millionen verloren. Eine Sprecherin des sächsischen Rechnungshofes bestätigte entsprechende Medienberichte. Das Boulevardblatt Bild berichtete am Donnerstag, der öffentlich-rechtliche Sender habe Ende des Jahres 2005 knapp 537 Millionen Euro in Fonds angelegt und damit stille Rücklagen gebildet.
Dramatische Kursverluste
Wegen dramatischer Kursverluste sei der Wert der Rücklagen von knapp 625 Millionen Euro Ende 2000 auf knapp 465 Millionen Euro Ende 2002 gesunken. Erst danach hätten sich die Kurse wieder erholt. Allerdings seien sie dann durch die Finanzkrise betroffen worden.
Der Sender weigere sich aber, den aktuellen Wertverlust offenzulegen. Der MDR wies die Vorwürfe zurück. Es sei "nicht ein Euro der Rundfunkgebühren verloren gegangen", hieß es in einer Mitteilung. Zudem seien die Geldanlagen unverzichtbar, weil sie für künftige Verpflichtungen wie Betriebsrenten und andere Verbindlichkeiten benötigt würden. Der MDR wies zugleich Berichte zurück, er habe in "risikobehaftete Geldanlagen" investiert. MDR-Sprecher Stefan Mugrauer verteidigte die Finanzspekulationen. "Gelder werden angelegt, weil sie zur Bedienung zukünftiger Verpflichtungen wie Leasingraten, Betriebsrenten sowie anderer Verbindlichkeiten benötigt werden." Dies ist bei den Landesrundfunkanstalten "gängige Praxis".
Deutliche Kritik kam von den Oppositionsparteien im sächsischen Landtag. Rundfunkgebühren seien öffentliche Gelder, deren Verwendung "auf Euro und Cent" nachzuweisen sei, erklärte der medienpolitische Sprecher der Linksfraktion, Heiko Hilker. Der Medienexperte der FDP-Landtagsfraktion, Torsten Herbst, erklärte, öffentlich-rechtliche Sender seien keine Investmentbanken. "Die Rundfunkgebühren sollen den öffentlich-rechtlichen Versorgungsauftrag erfüllen, nicht aber hochriskante Geschäfte auf dem internationalen Finanzparkett, auf welchem nun offenbar auch der MDR ins Rutschen gerät", erklärte Herbst.
Das riskante Spiel mit Anleihen hatte schon im Jahr 2000 für Wirbel in der Chefetage des Mitteldeutschen Rundfunks gesorgt. Die Spekulation mit Anleihen in der ecuadorianischen Währung Sucre hatte Verluste in Höhe von 2,6 Millionen Mark zur Folge. Im Jahr 2002 passierte dasselbe Spiel mit argentinischen Anleihen. Durch Wertpapierspekulationen verlor die Rundfunkanstalt rund 9,35 Millionen Euro. ddp/afp/fr
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