kalaydo.de Anzeigen

Politische Kontroverse im ZDF: Kleber kritisiert Parteibuch-Taktik

Weil der Verwaltungsrat aus politischen Gründen gegen die Verlängerung des Vertrag von Chefredakteur Nikolaus Brender ist, regt sich Widerstand auf dem Lerchenberg.

Kleber betont: Es darf nicht sein, dass parteipolitische Seilschaften wieder versuchen, nach parteipolitischen Kriterien Journalistenposten im ZDF zu bestimmen.
Kleber betont: "Es darf nicht sein, dass parteipolitische Seilschaften wieder versuchen, nach parteipolitischen Kriterien Journalistenposten im ZDF zu bestimmen."
Foto: dpa

Mainz. Die Frage, ob ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender nach 2010 im Amt bleiben soll, sorgt für politischen Streit. ZDF-Intendant Markus Schächter wird dem Verwaltungsrat vorschlagen, den Vertrag zu verlängern, wie ZDF-Sprecher Walter Kehr der Nachrichtenagentur AP auf Anfrage mitteilte.

Das Aufsichtsgremium kommt am 27. März in Mainz zusammen. Gegen die Verlängerung haben sich nach AP-Informationen CDU/CSU-Politiker und unionsnahe Mitglieder ausgesprochen, die im Verwaltungsrat die Mehrheit haben.

Brenders Vertrag läuft bis April 2010. Er hat allerdings das Recht, ein Jahr vor Ablauf zu erfahren, ob der Vertrag verlängert wird. Gegen eine Verlängerung hat sich dem Vernehmen nach der stellvertretende Verwaltungsratsvorsitzende, der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU), ausgesprochen.

Vorsitzender des ZDF-Verwaltungsrats ist der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD). Sein Staatskanzlei-Chef Martin Stadelmaier wird in einer Vorabmeldung des "Spiegels" mit einer Parteinahme für Brender zitiert: "Brender ist ein herausragender Chefredakteur. Die CDU kann für ein Nein keine auch nur halbwegs nachvollziehbaren Gründe nennen." Weiter sagte Stadelmaier demnach: "Das Ansinnen der Union birgt die Gefahr, das Ansehen des Senders dauerhaft zu beschädigen."

Der Chef des "heute journals", Claus Kleber, sagte dem "Spiegel" laut Vorabmeldung von Freitag, eine Abberufung von Brender wäre "ein verheerendes Signal nach innen und nach außen". Kleber betonte: "Es darf nicht sein, dass parteipolitische Seilschaften wieder versuchen, nach parteipolitischen Kriterien Journalistenposten im ZDF zu bestimmen."

Links-Rechts-Parteienproporz

Brender habe die journalistische Unabhängigkeit des Senders stets "mit breitem Rücken verteidigt" und die Unsitte beendet, Pöstchen nach Parteinähe zu verteilen. "Das hatten wir hier hinter uns. Und so muss es bleiben", forderte Kleber.

Der Chefredakteur, der seit neun Jahren im Amt ist, gehört keiner Partei an. Er bezeichnet sich als politisch unabhängig, sein politischer Standort wird jedoch als "eher links" eingeschätzt.

Nach dem üblichen Parteienproporz bei den Führungsposten der öffentlich-rechtlichen Sender hat bisher Einigkeit darüber geherrscht, dass der ZDF-Chefredakteur dem SPD-Spektrum zugerechnet wird und der Stellvertreter der Union.

Laut "Spiegel" hatte Brender in einer Schaltkonferenz der Redaktionsleiter von einem "Aufstand der Schranzen" gesprochen. Unabhängig vom Votum des Verwaltungsrates werde er seinen Vertrag zu Ende erfüllen und damit auch während des Bundestagswahlkampfs Chefredakteur bleiben.

"Alle, die glauben, sie könnten hier unter dem Schutzschirm der Parteien wachsen, werden nicht reüssieren", zitierte ihn das Nachrichtenmagazin. ZDF-Journalisten berichteten laut "Spiegel", Einmischungsversuche der Politik seien unter Brender seltener geworden. Das liege auch daran, dass er Politiker immer gebeten habe, ihr Anliegen doch schriftlich vorzutragen.

DJV sieht Unabhängigkeit in Gefahr

Der Deutsche Journalisten-Verband wandte sich gegen jegliche Form der Einmischung von Parteien und Politikern in die Personalpolitik des ZDF.

"Für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Deutschland gilt das Prinzip der Staatsferne, das Politiker und Parteien in ausnahmslos jedem Fall zu beachten haben", sagte DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken. "Wenn journalistische Spitzenpositionen in einer öffentlich-rechtlichen Sendeanstalt Gegenstand parteipolitischer Geplänkel werden, ist die Unabhängigkeit des Senders in Gefahr." (ap)

Datum:  20 | 2 | 2009
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
World Press Photo 2011
Das Bild des Jahres: Die 18-jährige Afghanin Bibi Aisha   war auf der Flucht vor ihrem gewalttätigen Ehemann, als die Taliban sie aufspürten.  Der Urteilsspruch: Verstümmelung. Aishas Mann schnitt ihr Nase und Ohren ab, während dessen Bruder sie festhielt. Das Porträt brachte der US-Fotografin Jodi Bieber den World Press Photo Award 2011 ein.

Die Präsentation des besten Pressefotos des Jahres ist immer ein Anlass, genauer hinzuschauen: FR-online.de erklärt mit Hilfe von interaktiven Imagemaps die Hintergründe zu drei ausgewählten Gewinnerbildern.

FR-Fernsehkritik
Ornella de Santis (links) hat es ins Finale von
„Unser Star für Baku“ 
Moderator Günther Jauch.
Günther Jauch 
Ivy Quainoo ist die neue Stimme Deutschlands.
Voice of Germany 

Video

Quiz
Dezember 2006.

Thomas Gottschalk hat sich bei "Wetten, dass..." verabschiedet. Er bewegt die TV-Nation. Testen Sie Ihr Wissen.

Quiz
Tatort-Logo

Seit 40 Jahren gibt's fast jeden Sonntag im Fernsehen Mord und Totschlag. Mit dem Tatort beweist das öffentlich-rechtliche Fernsehen immer wieder seine Leistungsfähigkeit. Was wissen Sie über die Krimi-Reihe? Testen Sie's!

Fotostrecke
Zum Anbeißen: Der Zoo Hannover sorgt beim Füttern für die saisonal passende Deko. Das Erdmännchen hat offenbar seinen Spaß dran.

Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Genau die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.

Quiz
Der zurückgetretene Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg holt seine Entlassungspapiere im Schloss Bellevue ab (03.03.2011).

Guttenberg hatte einen guten Grund. Aber weshalb sind Horst Köhler oder Richard Nixon abgetreten?

Quiz
Wissens-Test.

Politik, Sport, Wirtschaft - wie gut sind Sie informiert? Machen Sie den Test mit dem unterhaltsamen Tagesquiz.

Film

Die Filmwoche: Was läuft wann in welchem Kino? Alle Neustarts, alle Filme, alle Kinos, alle Zeiten.

Meistgeklickt
Diskussionen: Bamba Anderson redet auf Schiedsrichter-Assistent Jan Hendrik Salver ein.
Eintracht Frankfurt gegen Fortuna Düsseldorf 
Ornella de Santis (links) hat es ins Finale von
„Unser Star für Baku“ 
Ist die Verwertung weggeworfener Kekse strafbar? Karsten Hilsen (vorne) muss sich wegen dieser Frage vor Gerichte verantworten.
Prozess wegen Containern 
Benjamin Köhler brachte Frankfurt in Führung
Klassenbuch Eintracht - Düsseldorf