So ungehindert geradeaus die tödliche Kugel offenbar durch einen angesehenen Warnemünder Fischer hindurch hinter ihm in die Holzpaletten geschossen worden ist, so geringelt muss sich der dazugehörige NDR-Ostsee-„Polizeiruf“ an ein halbwegs plausibles Ende heranarbeiten. Inklusive allerlei welt-erklärerischer Bemerkungen zu EU-Fangquoten und weltweiter Flüchtlingspolitik, teils vernünftig, teils unter aller Kanone. „Fische wird es immer geben“, brabbelt der Beamte Bukow, und kein Blitz geht hernieder.
Und so schlicht großartig Anneke Kim Sarnau und Charly Hübner die Figuren der einsamen Wölfin König und des Westentaschenproletariers, aber eigentlich schon nur noch herumschmollenden Kleinbürgers Bukow verkörpern, so tonnenschwer belastet sie auch diesmal der Familienkram. Inklusive eines gewissen Klartexts zu Frau Königs Herkunft, die seit sechs Folgen andeutungsweise spannend gemacht wird – und einer unterm Strich dubiosen Verkomplizierung & Ehrenrettung der Figur von Herrn Bukows halbseidenem Vater, eines Klein-stadtpaten, den Klaus Manchen mit sichtbarem Genuss spielt. Die moralische Integrität von Gaunern spielt eine Rolle, eine moralische Integrität, auf der sich normale Menschen nur ein Ei backen können.
Das Buch von Florian Oeller schrafft ans Melodram, die Regie von Alexander Dierbach verlässt sich zu Recht darauf, dass die Darsteller das einigermaßen herunterkühlen. Erfreulich gestaltet sich das Zusammentreffen Sarnaus mit Inga Busch als einmal nicht windiger, sondern fitter Journalistin. Sie spielen eine Weile Katz’ und Katze, bis es ihnen selbst auf die Nerven fällt.
Dem Zuschauer hat es jedenfalls gefallen: Den Kampf ARD gegen ZDF, Krimi gegen Melodram entschied der „Polizeiruf 110“ im Ersten klar für sich. 8,40 Millionen Zuschauer schalteten ein (Marktanteil: 22,4 Prozent), Das Katie-Fforde-Rührstück „Eine teure Affäre“ mit Ursela Monn interessierte zeitgleich nur 5,89 Millionen Menschen (15,7 Prozent). (mit erb)
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