Stolz führt Asgeir Lode durch das Medienhaus des Stavanger Aftenbladet. Die Niederlassung der norwegischen Tageszeitung kann sich sehen lassen: Beeindruckende Glasfassaden, moderner Newsroom, helle Konferenzräume, neueste technische Ausstattung.
Asgeir Lode kennt noch andere Zeiten. Der 58-Jährige ist Redakteur und Unternehmenssprecher beim Aftenbladet, seit 30 Jahren schreibt er für die Zeitung in der Öl-Stadt Stavanger. Er saß in engen und dunklen Büroräumen und an alten, knarrenden Konferenztischen. Doch das gehört der Vergangenheit an. Im Mai 2008 bezogen 450 Mitarbeiter des Aftenbladet die sechs Stockwerke des neuen Medienhauses. Doch einige von ihnen sind längst wieder ausgezogen. Sie mussten.
Denn während Lode fröhlich durch die Stockwerke führt und betont, dass man das modernste Verlagshaus in Nordeuropa habe, findet in einem Konferenzraum mal wieder eine Krisensitzung statt: Weitere Mitarbeiter werden gehen müssen. Von den ehemals 450 sollen nach dem Schrumpfkurs 350 verbleiben. Nach der Finanz- und Wirtschaftskrise hat Norwegen nun auch seine Medienkrise. "Viele Mediengruppen werden ihre Mitarbeiterzahl ähnlich beschränken müssen wie das Aftenbladet", sagt Knut Skaslien vom norwegischen Journalistenverband. Betroffen seien mit der Aftenposten und der Bergens Tidende auch die unter dem Aspekt der Verbreitung gesehen größte und drittgrößte Zeitung.
Das Unheil deutete sich beim Stavanger Aftenbladet, immerhin mit der sechstgrößten Auflage des Landes, bereits zu Beginn des Jahres an. Im Januar stellte die Zeitung ihren englischen Online-Nachrichtenservice ein - aus ökonomischen Gründen, wie der Multimedia-Redakteur Sven Egil Omdal schrieb: "Sobald sich die Zeiten geändert haben, werden wir die englische Webseite wieder aktivieren. Es handelt sich nur um eine vorübergehende Pause, die unserem knappen Budget geschuldet ist." Einige Leser vermuteten zwar eine neue Nationalismus-Welle, doch es war schlichter: Die zuständige Redakteurin verließ das Aftenbladet, ihre Stelle konnte nicht neu besetzt werden.
Asgeir Lode sagt, dass dem Aftenbladet in den vergangenen beiden Jahren gut zehn Millionen Euro entgangen sind, unter anderem durch ein schwächelndes Anzeigengeschäft. In den Jahren zuvor hatte der Verlag noch mächtig geklotzt: Für gut 35 Millionen Euro ließ er das neue Medienhaus bauen, finanziert aus Rücklagen und dem Verkauf des alten Gebäudes. Die Internet- und TV-Sparte wurde mit 60 weiteren auf 90 Mitarbeiter aufgebläht.
Dann kam die Krise. Anfang des Jahres bat die Geschäftsführung ältere Mitarbeiter, ihren Dienst zu quittieren. Die Entscheidung sollte ihnen mit Abfindungen zwischen 40.000 und 220.000 Euro versüßt werden. Doch die wenigsten gingen freiwillig. Nun laufen neue Verhandlungen, doch die in Aussicht gestellten Abfindungen werden kleiner.
Andernorts hat die Krise noch härter zugeschlagen. Ende März stellten mit dem Moss Dagblad und dem Halden Dagbald zwei Lokalzeitungen ihren Betrieb ein. Asgeir Lode befürchtet, dass es weitere kleinere Zeitungen erwischen und die Medienvielfalt leiden wird. Das Stavanger Aftenbladet mit einer Auflage von 66.000 Exemplaren sieht er nicht in Gefahr.
Ausländische Investoren sind alarmiert. Der angeschlagene britische Medienkonzern Mecom gab bekannt, norwegische Zeitungen beziehungsweise Beteiligungen im ersten Halbjahr 2009 abzustoßen. Im Vordergrund steht zwar die Schuldentilgung. Doch wird Montgomery erkannt haben, dass auf dem norwegischen Markt derzeit nicht viel zu holen ist.
Asgeir Lode hofft auf bessere Zeiten. Ein Abfindungsangebot hat er aber auch schon bekommen. Doch er will bleiben. Vorerst. Lode hat schon mehrmals die Reißleine gezogen. Als Musik-Redakteur berichtete er 1985 vom Live Aid in London und schrieb anschließend nie wieder über Musik ("Nichts hätte London toppen können"). Er wurde Politikredakteur, stieg aber 1994 nach dem norwegischen Nein zur EU aus: "Nach dieser dummen Entscheidung der Bevölkerung hatte ich keine Lust mehr auf Politik." Er wechselte in die Wirtschaftsredaktion. Vielleicht wird er 2009 wieder einen Schnitt machen. Derzeit befinde er sich in einem "Durchdenkungsprozess".
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.