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07. März 2016

Pressesprecher in Talkshows: Das einsame Klatschen der Pressesprecher

 Von Tobias Peter
Bundesjustizminister Heiko Maas in Anne Wills Sendung.  Foto: dpa

Der Sprecher von Justizminister Heiko Maas hat sich bei Anne Will blamiert, weil er zu laut für seinen Chef applaudiert hat.

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Klatsch, klatsch, klatsch. Als Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) in der Talkshow von „Anne Will“ spricht, ist vereinzelter, aber sehr entschiedener Applaus zu hören. Nicht einmal, nicht zweimal – sondern ganze drei Male. „Dann begrüßen wir hier auch noch mal den Sprecher von Herrn Maas, der hier immer am lautesten klatscht“, sagt Anne Will schließlich. Maas lächelt gezwungen, sein Sprecher hingegen lacht offensiv in die Kamera, als diese auf ihn schwenkt.

Dass Politiker in eine Talkshow einige Gäste mitbringen, ist nicht selten. „Wie bei anderen Talkshows auch ist es üblich, dass jeder Gast eine begrenzte Anzahl an Gästen mitbringen darf, bei Anne Will sind es maximal fünf“, sagt Nina Tesenfitz, Sprecherin von Anne Will Media. Das werde unterschiedlich genutzt. „Die Redaktion mischt sich nicht ein, ob das Berater, Presseleute, Freunde oder Verwandte sind“, fügt sie hinzu. Und: „Es ist nicht ungewöhnlich, dass mal ein Pressesprecher mit in der Sendung sitzt.“

Merkt der Zuschauer was?

Normalerweise merkt der Zuschauer nichts davon. Der Sprecher von Maas hat sich ja vor allem deshalb blamiert, weil er keinen oder kaum jemanden animieren konnte, in den Applaus einzusteigen. Claqueur zu sein ist in einem solchen Fall ein lautes, sehr einsames Handwerk.

Doch so peinlich die Geschichte auch ist, sie ist kein Einzelfall. Erinnert sei nur an einen Auftritt des bayerischen Finanzministers Markus Söder (CSU) Ende 2014 bei Wills Vorgänger auf dem Sonntagabend-Sendeplatz, Günther Jauch. In einem Einspielfilm wurde darauf aufmerksam gemacht, dass nicht nur der Berliner (Nicht-)Flughafen BER, die ewige Baustelle, den Steuerzahler teuer zu stehen komme, sondern dass auch der Flughafen in Nürnberg erhebliche Zuschüsse bekäme.

Söder rechtfertigte die Hilfe. Daraufhin war ein einsames Klatschgeräusch aus dem Publikum zu hören. „Ein Nürnberger“, kommentierte Söder. Günther Jauch konterte: „Das ist Ihre Pressesprecherin. Sie hat versucht zu klatschen, aber ihr sind ganz wenige gefolgt.“

Will-Sprecherin Tesenfitz erklärt, Anklatscher gebe es in der Sendung ihrer Chefin nicht. Das sind Menschen, die in Unterhaltungsshows mit dem Publikum vorab einige Minuten lang einüben, bei welchem Handzeichen die Zuschauer im Studio „spontan ausrasten“ sollen. Ein Anklatscher bei RTL gibt auch schon mal Ratschläge wie: „Setzen Sie sich gerade hin – die Brust raus. Nein, nicht so weit, wir sind nicht bei RTL 2.“

Aber zurück zum Politiktalk. Wäre es nicht klüger, Pressesprecher aus der Sendung auszuschließen? Oder ihnen das Klatschen zu verbieten? „Die große Mehrheit im Publikum ist ganz normales Publikum – die Begleiter der Gäste haben also keinen entscheidenden Einfluss auf die Stimmung im Saal“, sagt Tesenfitz. „Extra Regeln für die Begleiter, etwa ihnen das Klatschen zu untersagen, sind daher gar nicht nötig.“

Oder vielleicht doch. Um Sprecher vor sich selbst zu schützen. Und: Wenn diese sich die Sache am Bildschirm anschauen, hat das auch noch einen Vorteil: Sie können den Politikern hinterher sagen, wie sie im Fernsehen rübergekommen sind.

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