London. Journalisten zweier britischen Boulevardzeitungen sollen im großen Stil Handys von Prominenten angezapft haben. Mit Hilfe von Detektiven sollen sich Reporter der "Sun" und der "News of the World" in Mailboxen der Mobiltelefone eingehackt haben, um aus den Sprachnachrichten vertrauliche Informationen für ihre Geschichten zu ziehen. Das berichtete die Zeitung "The Guardian" am Donnerstag.
Der Verlag "News Group Newspapers" des Medienmoguls Rupert Murdoch habe einigen Betroffenen zur Entschädigung insgesamt eine Million Pfund gezahlt, um die Fälle beizulegen und die Machenschaften geheim zu halten.
Unter den bis zu 3000 ausspionierten Prominenten sollen auch das Supermodel Elle MacPherson, Sänger George Michael, Schauspielerin Gwyneth Paltrow und der frühere Vize-Premierminister John Prescott sein. Der "Guardian" bezieht sich auf einen Informanten bei Scotland Yard. Ein Verlagssprecher und Scotland Yard wollten sich zunächst nicht zu den Vorwürfen äußern.
Ähnlicher Fall schon 2007
Durch die Zahlung konnte dem "Guardian" zufolge dem Herausgeber der Zeitungen, News Group Newspapers, drei Klagen abwenden. Die Reporter der Boulevardblätter hatten dem Bericht zufolge Privatdetektive eingesetzt, um an Informationen wie persönliche Daten, Steuererklärungen und Kontoauszüge zu gelangen.
Es ist nicht das erste Mal, dass die von Murdoch kontrollierten Boulevard-Zeitungen juristischen Ärger wegen ihrer Recherchemethoden bekommen. Im Januar 2007 war ein Journalist der "News of the World" zu vier Monaten Haft verurteilt worden, weil er über 600 Handy-Nachrichten von drei engen Mitarbeitern der britischen Prinzen William und Harry geknackt hatte. Aufgrund des unbefugten Abfragens der Nachrichten erfuhr er zum Beispiel, dass Prinz William wegen Knieproblemen einen Arzt aufgesucht hatte. (dpa, afp)
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