Das Berliner Unternehmen CMK hat nach einem Bericht des heute erscheinenden Magazins Stern über Monate hinweg das Privatleben prominenter Politiker ausspioniert. Als Auftraggeber will das Magazin die Zeitschrift Bunte ausgemacht haben und belegt dies mit Unterlagen.
Bunte bezeichnet den Stern-Artikel als "diffamierend", als "Versuch einer Verleumdung eines erfolgreichen Mitbewerbers" und kündigt juristische Schritte an. In dem Artikel geht es um Bespitzelungen der privaten Liebesaffären von Oskar Lafontaine (Linke), Horst Seehofer (CSU) und Franz Müntefering. Im Fall von Lafontaine wurden sie vom Nachrichtenmagazin Der Spiegel, bei Seehofer und Müntefering von der Zeitschrift Bunte publik gemacht.
Dem Stern bestätigte Bunte-Chefredakteurin Patricia Riekel, CMK im Frühjahr 2008 den Auftrag erteilt zu haben, "eine angebliche Beziehung zwischen Oskar Lafontaine und Sahra Wagenknecht zu recherchieren". Die "Recherche" sei jedoch "ergebnislos" verlaufen.
Die Arbeit von CMK, so wie sie der Stern schildert, erinnert weniger an Recherche denn an professionelle Überwachung. Zu den Unterlagen, die dem Stern nach Angaben der beiden Autoren, Johannes Röhrig und Hans-Martin Tillack, vorliegen, zählen Protokolle und Fotos, die CMK auf einem Postfach bei Google-Mail hinterlegt habe und die frühere Mitarbeiter dem Stern zugespielt hätten.
Zusammenarbeit nicht bestritten
Aus Unterlagen der CMK-Buchhaltung gehe außerdem hervor, dass das Berliner Unternehmen dem Verlag von Bunte 2008 für Aufträge und Honorare rund 242 000 Euro abgerechnet habe. Riekel bestreitet nicht, mit CMK zusammenzuarbeiten, betont jedoch, CMK sei eine "Berliner Foto- und Presseagentur", deren Mitarbeiter überwiegend dem Deutschen Journalistenverband angehören. Über unseriöse Recherchemethoden sei Bunte nichts bekannt.
Der Stern schildert das ganz anders. Im Fall von Lafontaine soll ein Mitarbeiter der von Bunte beauftragten Firma CMK versucht haben, in der Linken-Fraktion des Bundestages einen Praktikumsplatz zu bekommen, um die "Zielperson" besser beobachten zu können. Zudem sei Lafontaines damaliger Wohnsitz in Berlin-Köpenick ausspioniert worden. Geplant gewesen sei, eine Kamera zu installieren, die auf Lafontaine Wohnzimmer ausgerichtet werden sollte.
Im Fall der damals noch nicht öffentlichen Beziehung von Müntefering zu Michelle Schumann sei CMK noch dreister vorgegangen. Ein früherer CMK-Mitarbeiter erzählte dem Stern, er habe Schumanns Briefkasten immer wieder mit Werbematerial zugestopft, um nachzuvollziehen, ob und wann sie zu Hause war. Schumann sei auch auf einer Zugfahrt von Berlin nach Bochum verfolgt worden sein. Ein CMK-Mitarbeiter sagt, er habe nur eine Reihe hinter ihr gesessen. Zudem sollte die Fußmatte vor Münteferings damaliger Wohnung mit einem Bewegungsmelder präpariert werden.
Weiterhin legt der Stern den Verdacht nahe, dass im Haus gegenüber eine Observationswohnung angemietet werden sollte. Bunte-Chefredakteurin Riekel sagt, sie habe sich von CMK-Chef Stefan Kießling versichern lassen, "dass seine Agentur die im Stern gemutmaßten unlauteren Recherchemethoden nicht angewendet hat". Weiter erklärte Kießling, dass er sich von zwei ehemaligen Mitarbeitern im April 2009 im Streit getrennt habe. Hinter ihnen vermutet er die Informanten des Stern.
Laut Eigenwerbung tritt CMK als Foto- und Rechercheagentur auf, die ihre Geschäftsbereiche "mehr und mehr ausgedehnt" und sich "als Verlagsdienstleister etabliert" habe. "Journalistische Informationsbeschaffung" wird auf der CMK-Webseite als besondere Leistung angepriesen. Interessant ist, was wegen eines angeblichen "Serverfehlers" am Mittwoch nicht mehr auf der Webseite von CMK zu lesen war: "Mit CMK i.R.S. können wir Sie bereits in der Entstehung einer brisanten Story unterstützen ( ) Wir garantieren Ihnen höchste Diskretion!"
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.