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ProSiebenSat.1: Alles muss raus

Der TV-Konzern ProSiebenSat.1 will an den Nachrichten seines Nachrichtenkanals N24 sparen. Von Daniel Bouhs

Zum Beispiel Inga Samtlebe und Andreas Leipziger: Wer gestern Nachmittag auf N24 erfahren wollte, was auf der Welt los war, wurde stattdessen von den beiden Kripo-Beamten in "gesellschaftliche Abgründe" geführt. Die Vereidigung der neuen Familienministerin Köhler und die Entwicklungen bei General Motors war dem Sender dagegen nur einen schnellen Überblick zur vollen Stunde wert. Immerhin war Köhler im Studio Ein klassischer Nachrichtenkanal ist N24 dennoch nicht.

N24 gehört zur ProSiebenSat.1-Gruppe. Deren Chef Thomas Ebeling überlegt derzeit, ob er N24 überhaupt noch braucht. Nicht, weil der Kanal längst weit mehr seichte, lustige und bisweilen auch primitive Dokumentationen statt harter Informationen zeigt, denn die locken tatsächlich Zuschauer an. N24 hat es mit diesem Mix immerhin geschafft, seit 2004 durchgehend den einstigen Marktführer n-tv (RTL-Gruppe) in der Zuschauergunst zu überholen, in diesem Jahr sogar bei aktuellen Ereignissen. Ebeling aber sind News zu teuer. Er nennt sie ein "wirtschaftliches Problem".

Sein größtes Problem aber ist: Ganz auf Nachrichten kann Ebeling nicht verzichten. ProSieben, Sat.1 und Kabel eins müssen ihre Zuschauer ein paar Minuten am Tag über das Weltgeschehen informieren. Sonst verlieren sie ihre Lizenz als sogenannte Vollprogramme.

Die ProSieben-Sat.1-Gruppe hat mehrere Möglichkeiten: Sie kann N24 so lassen wie es ist, als Nachrichtenkanal und Zentralredaktion, die ihre drei Schwestersender ProSieben, Sat.1 und Kabel eins mit Nachrichten versorgt. Dann müsste sich Ebeling überlegen, wie N24 mehr verdient. Etwa, indem er mehr Dokus zeigt, die mehr Zuschauer und somit auch Werbekunden locken könnten. Ebeling selbst sagt, er könne sich auch einen Verkauf oder eine "völlige inhaltliche Neuausrichtung" vorstellen, sprich: Einen Kurs weg von Nachrichten.

Oder aber, der Konzern schaltet den Sendebetrieb von N24 ab. Die N24 GmbH wäre dann nur noch eine Zentralredaktion, natürlich mit weniger Personal. Ebeling sagt indes, eine Schließung des Senders stehe zumindest "im Moment" nicht zur Debatte. Konzernsprecher Julian Geist sagt, das stehe "definitiv" nicht bevor.

Mitarbeiter, die am vorigen Dienstag auf der Betriebsversammlung waren, berichten indes auch von einer dritten Überlegung: Die N24 GmbH könnte abgewickelt werden. ProSieben, Sat.1 und Kabel eins könnten das Nötigste an Informationen extern einkaufen, etwa bei Agenturen wie Reuters, die seit Jahren fertige Nachrichtenbeiträge anbietet.

Schon unter Ebelings Vorgänger Guillaume de Posch prüfte die Konzernspitze, wie viel aus der durch die Übernahme mit 3,5 Milliarden Euro verschuldeten Senderkette möglichst herausgeholt werden könnte. Die Finanzinvestoren KKR und Permira, die Eigentümer von ProSiebenSat.1, sehen jeden einzelnen Sender als Profitcenter. Die Vorgabe: Jedes soll pro Quartal eine Rendite von 30 Prozent abwerfen. Zum Vergleich: Bei der RTL-Gruppe von Bertelsmann sollen es etwa 15 Prozent sein. "

Autor:  Daniel Bouhs
Datum:  2 | 12 | 2009
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