Johannesburg. Mit einer düsteren Schilderung "aus einem zerrissenen Land" hat sich der bisherige Afrika-Korrespondent des Magazins "Der Spiegel", Thilo Thielke, von dem Kontinent verabschiedet.
Thielke, der von 2003 bis zu seiner Versetzung nach Asien im Juli dieses Jahres in Nairobi lebte, zeichnet darin die turbulenten Monate nach der jüngsten Wahl in Kenia nach. Dem Titel "Kenia, Reportagen aus dem Inneren eines zerrissenen Landes" wird das Buch daher eigentlich nur bedingt gerecht.
Kenia: Reportagen aus dem Inneren eines zerrissenen Landes Brandes & Apsel, Frankfurt/Main 232 Seiten, 19,90 Euro ISBN 978-3-86099-868-7
"Dies ist eine Art Tagebuch der letzten Wochen, die wir in dem Land verbracht haben, ergänzt um gelegentliche Rückblicke", schreibt Thielke selbst. Es ist eine interessante Momentaufnahme, geschrieben zu einer Zeit, in der sich jahrelang aufgestaute Frustration gewaltsam Bahn brach und der ostafrikanische Staat von wochenlanger Gewalt als Folge einer manipulierten Wahl geprägt war.
Erschreckend viele Parallelen zu anderen afrikanischen Staaten drängen sich auf, wenn man liest, wie sich ein machtverliebter Autokrat den Platz an der Sonne sichert. Thielke beschreibt detailliert das rasante Abgleiten in brutale Aktionen. Es sind erschütternde Szenen voller Hass, Elend und Leid dabei, aber auch fragwürdige Versuche einer eigennützigen Tourismusindustrie, die Gewalt zu relativieren.
Etwa, als Thielke zwischen rauchenden Trümmern den Anruf eines Lodge-Besitzers aus Mombasa entgegennimmt, doch bitteschön etwas weniger häufig über Leichen zu schreiben.
Thielke galt in Afrika nicht nur als aufmerksamer, sondern mitunter auch recht unbequemer Berichterstatter; als einer, der das "diplomatische Gesäusel" wohlmeinender Afrika-Freunde als gefährliche Naivität brandmarkte und damit stets aufs Neue Widerspruch provozierte.
Beeindruckt zeigt der Autor sich vom stark ausgeprägten demokratischen Bewusstsein der Kenianer und der Ernsthaftigkeit der Menschenrechtler, die das "Projekt Demokratie in Kenia" mit aller Macht zu verteidigen suchen. Dennoch endet sein Buch mit einer pessimistischen Einschätzung: "Ich weiß nicht, aus welchen Erkenntnissen die vielen Statistiken genährt werden, die Afrika immerfort auf dem Weg der Besserung sehen. Ich kann diese Tendenz nicht erkennen." Der frühere Afrika-Korrespondent verlies Kenia mit einem "unguten Gefühl". (dpa)
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.