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Medien

19. Juli 2011

Reporter ohne Grenzen: 3 586 Tage Haft ohne Anklage

 Von Stephan Hebel
Dawit Isaak von der Zeitung Setit wurde 2001 verhaftet.  Foto: ROG

Seit fast zehn Jahren wird der Journalist Dawit Isaak in einem Gefängnis in Eritrea festgehalten - ohne Anklage. Dabei hat er nur versucht, sich am demokratischen Aufbau seines Heimatlandes zu beteiligen.

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Auf der Startseite läuft eine Uhr. Wer heute, am Dienstag, „www.freedawit.com“ eingibt, findet gleich die grausame Zahl: Seit 3586 Tagen sitzt der Journalist Dawit Isaak in Haft. 3586 Tage in einem Gefängnis irgendwo in Eritrea, seiner Heimat. Ohne Anklage, seit fast zehn Jahren.

An wie vielen dieser 3 586 Tage Dawit Isaak gefoltert wurde, ist nicht bekannt, Besuch darf er nicht empfangen. Dass er gefoltert wurde, ist anzunehmen, denn das ist laut amnesty international in Eritrea häufig der Fall.

Mit einer Reihe anderer europäischer Zeitungen hat sich nun die Frankfurter Rundschau einem Appell schwedischer Anwälte angeschlossen. Eritreas Oberster Gerichtshof, heißt es darin, möge die Rechtmäßigkeit der Inhaftierung und den Vorwurf, Isaak sei ein „Verräter“, prüfen.

Was hat Dawit Isaak getan? Er hat versucht, sich am demokratischen Aufbau seines ostafrikanischen Heimatlandes zu beteiligen. Eines Landes, das nach Annexion durch Italien und später Äthiopien Jahrzehnte lang um Unabhängigkeit kämpfte.

1987 war der heute 46-Jährige vor dem Krieg nach Schweden geflohen, dessen Staatsbürger er wurde. 2001, acht Jahre nach der Unabhängigkeit, kehrte er zurück nach Eritrea und arbeitete bei der unabhängigen Zeitung Setit.

Als eine Reihe von Dissidenten aus der eigenen Partei die Politik des autokratischen Staatspräsidenten Isayas Afewerki kritisierte und Reformen verlangte, berichteten Setit und andere unabhängige Medien. Afewerkis Antwort: Elf Politiker und zehn Journalisten wurden im September 2001 verhaftet, darunter Dawit Isaak.

Die Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG), die sich vor allem in seiner zweiten Heimat Schweden für Isaaks Freilassung einsetzt, führt Eritrea heute auf dem letzten Platz ihrer Rangliste zur Pressefreiheit. Wahlen gibt es nicht. Amnesty international berichtet, dass Häftlinge mit Peitschenhieben oder Fesselung in schmerzhaften Stellungen gefoltert werden. Immer wieder sollen Gefangene umgekommen sein. Das Regime beruft sich auf den Ausnahmezustand wegen der immer noch ungelösten Grenzstreitigkeiten mit Äthiopien.

Seit Jahren setzen sich in Schweden Zeitungen und Initiativen für Dawits Freilassung ein und kritisieren die wenig wirksame „stille Diplomatie“ ihrer Regierung. Die Antwort des eritreischen Diktators: „Es wird kein Gerichtsverfahren geben und wir werden ihn nicht freilassen“, sagte er 2009 einem schwedischen Fernsehsender. „Für mich ist Schweden irrelevant.“

Nun also der Versuch, mit Hilfe einer internationalen Öffentlichkeit das höchste Gericht Eritreas zum Handeln zu bewegen. Wie viel Zeit noch bleibt, weiß nach 3 586 Tagen niemand. Isaaks Folterer vielleicht ausgenommen.

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