Insgesamt 7.260.483.100 Euro hat die Gebühreneinzugszentrale allein 2008 den Bürgern genommen und an ARD und ZDF verteilt. Sieben Milliarden, die klein portioniert von den Konten der Hörer und Zuschauer abgingen, um in Gestalt von TV-Sendern, Radiowellen und Internetseiten wieder aufzutauchen. Was bis dahin mit dieser gigantischen Summe passierte, die manch einer als Zwangsabgabe bezeichnet, kann jeder, der will, detailliert nachschauen. Jetzt hat die Gebührenkommission KEF ihren 17. Bericht auf die eigene Webseite gestellt, in dem sie unter anderem Polit-Talkshows vergleicht. Prompt titelte die Bild-Zeitung am Mittwoch: "So werden unsere TV-Gebühren verpulvert!", und rechnete die Kosten für eine Sendeminute von "Menschen bei Maischberger" (1552 Euro) bis "Anne Will" (3164 Euro) vor.
Diese Zahlen allein sagen allerdings nur wenig aus. Denn auch wenn es im Bericht zu den Talkshows heißt, die teuersten kosteten "mehr als das Doppelte" der günstigsten, erkennt jeder, der sich die Sendungen auf dem Schirm und nicht nur zwischen Aktendeckeln ansieht: Das hat seinen Grund. Zwar gehören die fünf verglichenen Sendungen demselben Genre an, unterscheiden sich aber erheblich. Während Anne Will, vor allem aber Frank Plasberg ("Hart aber fair") in Einspielfilmen Fälle zur Diskussion stellen, verzichtet "Maischberger" darauf fast gänzlich. "Hart aber fair", die zweitteuerste Talkshow, setzt zudem auf die Beteiligung der Zuschauer, was eine größere Redaktion, mehr Technik und einen umfangreicheren Internetauftritt erfordert. Und auch für aktuellere Themen, wie sie Will und Plasberg behandeln, bedarf es mehr Mitarbeiter.
Hinter den Zahlen versteckt sich zudem, was ein Sprecher des NDR, der für "Anne Will" zuständig ist so erklärt: "Anne Will" sei eine Auftragsproduktion, während "Menschen bei Maischberger" in sendereigenen Studios mit eigener Technik produziert werde. Außerdem laufe Maischberger 75 Minuten, Will hingegen nur eine Stunde. "Die Fixkosten schlagen bei längerer Sendezeit naturgemäß geringer zu Buche."
Der Bericht gibt dennoch Interessantes her. Etwa, dass ARD und ZDF noch mehr für ihre Internetauftritte und Digitalkanäle ausgeben wollen. Doch auch hier ist die Erklärung einfach: Nach dem ZDF baut die ARD die Möglichkeit aus, Beiträge, Sendungen und Filme nach ihrer Ausstrahlung online abzurufen. Das ZDF wiederum haucht nach ZDF-Neo gerade seinen beiden digitalen Spartensendern ZDF-Theaterkanal und ZDF-Info Leben ein. Aus den bisher bloßen Wiederholungsschleifen des Zweiten werden Programme mit eigenen Sendungen. Und das kostet.
Natürlich darf diese digitale Expansion hinterfragt werden. Ebenso, wie viele Talkshows ARD und ZDF überhaupt brauchen. Und auch, ob jede Landesrundfunkanstalt eine eigene Webseite mit eigenen Redaktionen braucht oder ob die neun ARD-Anstalten nicht viel stärker kooperieren müssten.
KEF-Geschäftsführer Horst Wegner sagte am Mittwoch, seine Kommission fühle sich " ziemlich aus dem Zusammenhang gerissen". In dem Bericht stecke "gar nicht so viel Brisanz, wie sie manch einer meint zu erkennen". Von einem skandalträchtigen Papier könne "in jedem Fall" keine Rede sein.
Den ganzen Bericht gibt es auf www.kef-online.de
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