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Medien

04. Dezember 2012

Rupert Murdoch: Der Chef der Inhalte

 Von Thomas Schuler
Robert Thomson ist neuer Leiter von Rupert Murdochs Zeitungssparte. Foto: REUTERS

Rupert Murdoch veröffentlicht Details zur Teilung seines Medienimperiums und ernennt Robert Thomson zum Leiter seiner Zeitungssparte.

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In einem Schreiben an seine Mitarbeiter klang Rupert Murdoch am Montag fast nostalgisch: „Viele von euch wissen, dass der Glaube an die Kraft des geschriebenen Wortes in meinen Knochen steckt. Das begann, als ich meinem Vater zuhörte, wie er über seine Zeit als Kriegsberichterstatter und später als erfolgreicher Verleger erzählte.“ Es sind die Erinnerungen eines mächtigen Verlegers und Medienunternehmers, der sich in Folge des Abhörskandals und auf Drängen seiner Anleger gezwungen sieht, sein Unternehmen aufzuteilen.

Bis Mitte nächsten Jahres will er seine News Corporation in zwei Firmen teilen: in Zeitungen und Verlage einerseits und in Unterhaltung, Film und Fernsehen andererseits. Das Wall Street Journal, die New York Post, die Londoner Times, die britische Sun sowie der Buchverlag HarperCollins werden als Teil der Zeitungsgruppe weiter unter dem Namen News Corporation auftreten. Die Fernsehsender der Fox- und Sky-Gruppe sowie das Filmstudio 20th Century Fox firmieren künftig unter Fox Group. Der Chefredakteur des Wall Street Journal, Robert Thomson, wird News Corporation leiten; Murdochs Stellvertreter Chase Carey und Murdochs Sohn James werden mit ihm die Fox Group leiten. Murdoch selbst wird in beiden börsennotierten Firmen in leitender Funktion erhalten bleiben und so die Kontrolle über sein Medien-Imperium behalten.

Die Nachricht, dass Thomson die Zeitungssparte leiten wird, war am Sonnabend durch die New York Times bekannt geworden; am Sonntag berichtete das Wall Street Journal darüber. Noch am selben Tag nahm Tom Mockridge seinen Hut. Murdochs bisheriger Leiter des Zeitungsgeschäfts in Großbritannien hatte sich offensichtlich selbst Chancen auf die Spitzenposition erhofft und will nicht unter Thomson arbeiten. Der Neuseeländer Mock-ridge stand seit 1991 in Diensten Murdochs, arbeitete für ihn in Australien und in Italien, und hatte den Posten in London erst vor einigen Monaten übernommen, um den Schaden des Abhörskandals zu begrenzen. Vertraute von ihm hatten erwartet, dass Murdoch ihn als Dank zum Chef der neuen Zeitungsgruppe ernennen würde. Doch es kam anders.

Viele Gemeinsamkeiten

Murdoch und Thomson kommen beide aus Australien und beide haben eine Frau aus China; beide verbindet eine Liebe zu Zeitungen und beide kamen über London in die USA. Es war angeblich Thomson, der Murdoch riet, den Verlag Dow Jones und das Wall Street Journal zu kaufen. Murdoch zahlte 2007 fünf Milliarden Dollar dafür. Eine solche Investition konnte er sich nur dank seiner Gewinne aus Fernsehen und Film leisten. Murdoch betonte in seiner Presseerklärung am Montag, die Wahl für Thomson sei klar gewesen, seitdem er sich zur Aufteilung seines Unternehmens entschlossen habe.

Murdoch kündigte außerdem an, sein Experiment mit der im Februar 2011 gestarteten iPad-Zeitung The Daily Mitte Dezember einzustellen. Das digitale Ding war – obwohl als Experiment interessant – journalistisch nie relevant. Echte Nachrichten produzierte The Daily nur durch ihr Erscheinen und ihr Verschwinden. Das Ende folgt der Logik der Spaltung seines Unternehmens. In seiner jetzigen Konstruktion hatte News Corporation die Daily-Verluste locker tragen können; in seiner künftigen Form sind sie eine zu große Last für den Rest.

The Daily wurde von rund 100 Mitarbeitern erstellt und hatte rund 100.000 Abonnenten, die 99 Cent pro Woche oder 40 Dollar pro Jahr zahlten. Die Kosten lagen laut News Corporation bei rund einer halben Million Dollar pro Woche, insgesamt also 26 Millionen Dollar jährlich. Murdoch schrieb, die Zeitung habe nicht genügend Leser gefunden. Bereits im Juli war einem Drittel der Mitarbeiter von The Daily gekündigt worden. Nun sollen der Chef und seine Mitarbeiter zur New York Post zurück kehren und ihr Wissen und ihre Erfahrung dort einbringen.

Ein Experiment

Als am Montag die Nachricht von der Einstellung der iPad-Zeitung kam, war sie keine Überraschung mehr. Aber allgemein wurde auch anerkannt, irgendjemand habe den Versuch machen müssen, ob Tablet-Journalismus sich finanzieren lasse. Das sei (noch) nicht der Fall. Gut, dass Murdoch den Versuch gewagt habe. Allerdings könnte man fragen, ob das „kühne Experiment“, als das Murdoch es bezeichnete, nicht vielleicht doch erfolgreicher gewesen wäre, wenn die Umsetzung bei Thomson und seinen Mitarbeitern des Wall Street Journals gelegen hätte – und nicht bei Boulevard-Journalisten der New York Post.

Als Robert Thomson seinen Vorgänger als Chefredakteur des Wall Street Journal, Marcus Brauchli, 2008 rausdrängte, verband er das mit der guten Nachricht, der Verlag investiere sechs Millionen Dollar jährlich, um vier zusätzliche Seiten für internationale Nachrichten zu produzieren. Er trug damals zwar den Titel eines Herausgebers, musste aber kaum Aufgaben ausüben, die für diese Position üblich sind. Stattdessen kümmerte er sich um Inhalte – er war also ein Chefredakteur im Gewand eines Herausgebers. Ihm war es egal, wie man ihn nannte, solange er bestimmte, was gedruckt wird. Er selbst bezeichnete sich als Chef der Inhalte – das sei die einfachste Art, seine Position zu beschreiben. 2005, damals war Thomson Chefredakteur der Times in London, sagte er dem Konkurrenzblatt Independent: „Eine Zeitungsrevolution ist kein Kaffeekränzchen.“ Man wird von ihm hören.

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