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Medien

23. Januar 2013

Sat.1-Film: Kati Witt spielt Kati Witt

 Von Martina Ribbert
Die prominente Eiskunstläuferin Katarina Witt (Katarina Witt) wird verfolgt. Foto: sat.1

Aber eine Schauspielerin ist sie dann doch nicht: Der Stalking-Film „Der Feind in meinem Leben“ auf Sat.1

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Dass jemand sich mit einem prominenten Menschen so sehr verbunden fühlt, dass er seinen Star Tag und Nacht belagert, Liebesbriefe schreibt, in die Privatsphäre eindringt, sich also in eine persönliche Beziehung hineinphantasiert, die es in Wahrheit gar nicht gibt, ist für Außenstehende kaum verständlich. Denn Stalking ist eine psychische Krankheit. Es ergibt also für einen Fernsehfilm, der sich mit dem Thema beschäftigt, wenig Sinn, ausführlich zu motivieren, warum der Streifenpolizist Martin Breiler (Matthias Koeberlin) quasi über Nacht beschließt, der weltberühmten Eiskunstläuferin (Katarina Witt als Katarina Witt) aufzulauern.

Die Begegnung mit der Prominenten, die das Leben des Familienvaters so radikal auf den Kopf stellt, ist reiner Zufall: Breiler und sein Kollege (Martin Brambach) haben Nachtdienst und werden in den Grunewald geschickt, weil dort jemand zu laut feiert. Die Hausherrin Witt ist sofort einsichtig, und der Fall damit eigentlich erledigt. Nur Martin kann die Begegnung einfach nicht vergessen. Unter dem Vorwand, es gäbe Verdachtsmomente, dass Witts Stalker aus den neunziger Jahren (die Eisläuferin wurde tatsächlich in den USA von einem Verfolger derart bedrängt) in der Stadt sei, bietet er sich ihr als persönlicher Begleiter an. Mit seiner Realitätsflucht gefährdet er sein bescheidenes Alltagsglück: Vom Dienst suspendiert, von seiner Ehefrau rausgeworfen, von den Kindern unverstanden, sieht er in Katarina Witt nun erst recht die einzige Frau, die ihn zu einem glücklichen Menschen machen kann. Für alle sichtbar, wird aus Martins Schwärmerei eine gefährliche Obsession, aus dem Beschützer in Uniform ein Getriebener im Ausnahmezustand. Aus dem Psychodrama ein TV-Thriller.

Es ist die große Stärke dieses Films, das Phänomen Stalking aus der Perspektive des Täters zu erzählen, statt sich – was für die emotionale Temperatur des Films ja viel einfacher wäre – auf die Seite des Opfers zu stellen und auf einen Irren zu starren. Matthias Koeberlin ist der Garant, dass diese Rochade gelingen kann. Der Furor, der Martin aus aller bürgerlicher Existenz herauskatapultiert, hat durch Koeberlins intensives Spiel etwas so Lustvolles, dass man die überhasteten Handlungen der Figur, die das Drehbuch aus Zeitnot vorgibt, sogar nachvollziehen kann.

Dass Koeberlins Gegenüber mit Kati Witt keine Schauspielerin vorfindet, wird für den Schauspieler natürlich zur Bürde. Auch wenn Autor und Regisseur Bernd Böhlich der Eiskunstläuferin nur wenige Szenen zumutet, in denen sie glaubhaft Furcht und Bedrängnis auf ihrem Gesicht entstehen lassen muss, fehlt Koeberlin doch in allen Szenen mit ihr eine Partnerin, die ihm etwas von seinen Spielangeboten zurückspiegelt. Das ist der Preis für den Sat.1-Scoop, das relevante Thema mit einer so glamourösen und selbstbezüglichen Besetzung aufgeladen zu haben. Viele Zuschauer werden wohl einschalten, weil sie einmal sehen wollen, wie sich Katarina Witt als Schauspielerin so macht. Weil sie schön inszenierte Momente auf dem Eis erwarten, auf ein lang ersehntes Wiedersehen mit der Olympiasiegerin hoffen. Das alles hat „Der Feind in meinem Leben“ zu bieten. Aber viel mehr dann eben auch nicht.

Der Feind in meinem Leben, 20.15 Uhr, Sat.1. Im Anschluss läuft eine Dokumentation zum Thema Stalking.

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