Da saßen sie und präsentierten im edlen "Borchardt" ihre Pläne: Sat.1-Chef Guido Bolten, das ARD-Gesicht Sabine Christiansen und der ehemalige Chef des Spiegel, Stefan Aust. Und während sie davon sprachen, wie sich der kriselnde Privatsender wieder vorsichtig in den politischen Talk wagen will, durften die Sat.1-Mitarbeiter um die Ecke packen. Der Standort Berlin wurde gleichzeitig aufgelöst. Diesen zeitlichen Zusammenhang könnte man konsequent nennen. Dazu gehört auch, dass nicht Sat.1-Leute die Sendung planen, sondern Mitarbeiter von Christiansens eigener Produktionsgesellschaft TV21. Sie werden sich um Gäste, Themen und Zuschauer kümmern, nicht der Sender selbst.
Bei Sat.1 wird nach dem Umzug nichts mehr so sein, wie es einmal war. Das gilt auch für Christiansen und Aust. Denn Christiansen, die zehn Jahre den Sonntagstalk im Ersten moderierte, und Aust, der mit seinem Spiegel-TV ebenfalls in den letzten Stunden der Woche auf RTL präsent war, werden direkt gegen Anne Will antreten. Über diesen Mut sagen sie: "Wir treten gegen unsere Vergangenheit an."
Die Zuschauer können das vom 23. August an fünf Mal in der "Sat.1 Arena" verfolgen. Eine Stunde lang werden sie mit den üblichen Verdächtigen zusammensitzen: den Spitzenpolitikern, aber wohl nicht der Kanzlerin, wie sie selbst sagen.
Den Zuschauer wollen sie mit ihrer steilen Tribüne locken, aber vor allem mit großer Beteiligung: Ein SMS-Laufband, auf das sonst nur knallige Musiksender setzen, soll ebenso zur Ausstattung gehören wie permanente Call-Ins und E-Mails der Zuschauer.
Doch selbst wenn dieser Versuch klappen sollte, soll der Polit-Plausch bei Sat.1 nicht die Regel werden. Geschäftsführer Bolten kündigte an, er plane keine "Talkschiene", sondern bloß ein paar Experimente. Schade eigentlich.
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.