„Das Ernste“ soll, wie die „heute show“, mit den Mitteln einer Nachrichtensendung der aktuellen Politik zu Leibe rücken. Nachdem diverse Fremdkonzepte geprüft und verworfen worden waren – darunter eines von Olli Dittrich, der im Spiegel klagte, es habe sehr viel Ähnlichkeit mit dem jetzigen gehabt –, nahm die ARD Mitte des Jahres einen neuen Anlauf. „Wir wollen einen eigenen jungen Cast für die Zukunft aufbauen“, erläutert der verantwortliche RBB-Redakteur Gernot Binkle.
Das ARD-Pendant zum Oliver Welke, dem Anchorman der „heute show“, ist nun Florian Schroeder. Der 33-jährige Kabarettist ist schon seit Jahren Gast in diversen Satireformaten und unterhielt im Programm des SWR seine eigene Late-Night-Show. Im Gespräch legt er Wert auf die Abgrenzung zum ZDF-Kollegen. Da „Das Ernste“, anders als die „heute show“, nicht vor Publikum aufgezeichnet werde, will er als „Anchorman“ nicht Kunstfigur, sondern klarer Ankerpunkt für den Zuschauer sein.
Was aber nicht bedeutet, dass er ruhiger Anker bleibt – er bringt auch den Sturm. Denn wie seine Mitstreiter Antonia von Romatowski, Marti Fischer, Thomas Nicolai und Sara Kelly-Husain schlüpft Schroeder beim Parodieren in die Figuren hinein, im wahrsten Sinne des Wortes. Alle Akteure agieren unter „Vollmasken“. Florian Schroeder wird Joachim Gauck, Peer Steinbrück, Peter Altmaier, Günther Jauch, Reinhold Beckmann und Joachim Löw spielen und beschreibt das dreieinhalbstündige Stillsitzen unter einer Peter-Altmaier-Maske als „Künstler-Guantanamo“.

Florian Schroeder stammt aus dem baden-württembergischen Lörrach. Dort kam er 1979 zur Welt.
Im Alter von 14 Jahren hatte er seinen ersten Fernsehauftritt, als er in Harald Schmidts WDR-Sendung „Schmidteinander“ Prominente parodierte.
Im SWR hatte er von 2007 bis 2010 eine Kabarettsendung. 2008 kam auf 3Sat die Kabarett-Talkshow „Seitensprung“ (bis 2010) dazu. Seit 2009 ist er auf Radio Eins wöchentlich mit „Einfach Schroeder“ zu hören.
Schroeder hat Germanistik und Philosophie studiert.
Das Agieren unter den Masken unterscheide „Das Ernste“ von der „heute-show“, sagt Schroeder: „Die Vollmasken bringen einen tieferen, genaueren Zugang. Wir schauen nicht von außen, sondern von innen auf die Figuren.“ Angela Merkel, seine Paraderolle auf der Bühne, hat Schroeder dabei an Kollegin Antonia von Romatowski abgetreten: „Männer in Frauenkleidern wirken im Fernsehen schnell wie schlechter Karneval.“
Der Trick mit den Vollmasken weckt Erinnerungen an ein anderes Format – an die ARD-Serie „Hurra Deutschland“, die vor zwanzig Jahren lief. Florian Schroeder hat diese Puppenshow damals zum Parodieren animiert. Als 14-Jähriger schickte er eine Kassette an „Schmidteinander“ und durfte in der Sendung tatsächlich eine knappe Minuten lang Helmut Kohl, Norbert Blüm und Udo Lindenberg parodieren. Vom Medium Fernsehen ist er immer noch begeistert.
Erinnerungen an die Kindheit weckte auch der gemeinsame Auftritt mit Jo Brauner, der in „Das Ernste“ den Nachrichtenblock spricht: „Als ich neben ihm am originalen ‚Tagesthemen‘-Pult stand und seine Stimme hörte, dachte ich, ich bin wieder zehn Jahre alt.“
Wie jener kurzen Sketch-Parade zu entnehmen ist, die die ARD vorab in ihre Mediathek gestellt hat, wird „Das Ernste“ auch das eigene Programm aufs Korn nehmen. In einer „Ultimativen Talkshow“ werden alle fünf Talkmaster an einen Tisch gesetzt und darüber streiten, wer sich von wem welche Geste abgeguckt hat. Florian Schroeder selbst möchte auf keine dieser Talkshows verzichten: „Je mehr es sind, desto großartiger für mich als Satiriker!“
Ob „Das Ernste“ überhaupt weitergeführt wird und wenn ja, in welchem Rhythmus, steht allerdings noch nicht fest. Dabei ist es schleierhaft, welche Erkenntnisse die Programmverantwortlichen aus den mitternächtlichen Quoten gewinnen wollen. Allein die Herstellung der aufwändig gegossenen Masken spricht aber für die Weiterführung – das kann sich ja gar nicht lohnen für die eine Show.
Florian Schroeder jedenfalls kann sich eine „regelmäßige Taktung“ gut vorstellen, einfach, um am Puls der Zeit zu sein. Seine Bühnenshows aber will er auf jeden Fall weiterführen. „Da lernt und trainiert man schließlich sein Handwerk und erlebt die pure, unmittelbare Reaktion. Da müssen die Parodien noch im Kopf des Betrachters entstehen.“
Das Ernste, 0.00 Uhr, ARD
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