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Medien

13. Dezember 2015

Saudi-Arabien: Unwillkommene Umgebung für Terroristen

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Prinz Mohammed bin Salman, hier liebevoll gemalt von jungen Untertanen, soll dem saudischen Botschafter in Berlin eine PR-Kampagne befohlen haben, „um die Dinge richtig zu stellen“.  Foto: rtr

Das Königreich Saudi-Arabien wehrt sich mit einer Großanzeige in der FAZ gegen die Kritik des BND - und blamiert sich bis auf die Knochen. Gespart wurde offenbar beim Honorar für eine professionelle Übersetzung.

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Bewunderer nennen ihn auch den Julian Assange von Saudi-Arabien. Wer sich hinter den Twitter-Leaks von @Mujtahidd verbirgt, weiß niemand. Seit 2011 stellt der Online-Aktivist wie kein zweiter peinliche Details aus dem saudischen Königshaus und seinen endlosen Korruptionsskandalen ins Netz. Einmal bereits ließen die Mächtigen in Riad seinen lästigen Account blockieren, der fast 1,5 Millionen Follower hat. Nach einigen Wochen jedoch war der königliche Insider wieder online.

Und so bereicherte er vergangene Woche die spektakuläre deutsch-saudische Kontroverse mit allerlei pikanten Details. Danach soll der 30-jährige Vizekronprinz Mohammed bin Salman, auf den das BND-Urteil einer „impulsiven Interventionspolitik“ vor allem gemünzt war, wütend den saudischen Botschafter in Berlin angerufen und ihm eine PR-Kampagne befohlen haben, „um die Dinge richtig zu stellen“. Gleichzeitig ließ der ungestüme Königssohn – laut Mujtahidd – dem deutschen Botschafter in Riad durch Außenminister Adel al-Jubeir drohen, das Ganze werde Auswirkungen auf die Wirtschaftsbeziehungen haben – die übliche Reaktion saudischer Gewaltiger auf auswärtige Kritik.

Die Folgen des saudischen Kronprinzengewitters ließen nicht lange auf sich warten. Erst distanzierte sich das Berliner Außenministerium ungewöhnlich scharf von der Analyse des eigenen Bundesnachrichtendienstes, ein Wohlverhalten, was Vizekanzler Sigmar Gabriel kurz darauf mit seinem Vorwurf zunichte machte, Saudi-Arabien exportiere islamischen Extremismus, und man dürfe darüber künftig nicht weiter hinwegsehen.

Wer hat das übersetzt?

Der von Mohammed bin Salman befohlene innersaudische Gehorsamsakt dagegen ließ wegen der internen Entscheidungsprozesse in Riad etwas länger auf sich warten und erschien nun vergangenen Freitag in Form einer 66 000 Euro teuren, ganzseitigen Anzeige in der FAZ. Der eng gedruckte, sechsspaltige Text unter dem Titel „Das Königreich Saudi-Arabien – Initiativen und Aktionen zur Bekämpfung des Terrorismus“ gehört zu dem Merkwürdigsten, was seit langem in einer deutschen Tageszeitung zu lesen war. Beim Honorar für eine professionelle Übersetzung aus dem englischen Originaltext wurde offenbar geknausert. Stattdessen preist das Königreich nun in ungelenkem Übersetzungsroboter-Deutsch seine „anti-terroristischen Zielstellungen“ und „taillierten Strategien gegen Radikalismus“ sowie seine militärischen Operationen über Syrien „zur Besiegung des Terrorismus“ an. Der mörderische Krieg im Jemen, den vor allem Vizekronprinz Mohammed bin Salman zu verantworten hat, wird gerechtfertigt als „Unterstützung der Bevölkerung von Yemen und der legitimierten Regierung von Yemen“. Weiter streicht das konfuse Dokument die Rolle Saudi-Arabiens bei der „Demontierung der physischen Präsenz“ von Al-Kaida heraus. Auch im Königreich selbst hätten Sicherheitskräfte viele terroristische Pläne vereitelt und „eine unwillkommene Umgebung für Terroristen und Extremisten kreiert“. Schließlich heißt es: „Imame wurden verboten zu Anstiftungen und Gespräche über Intoleranz zu halten“.

Wer dieses PR-Desaster zu verantworten hat, auch dieses Geheimnis wird Twitterer @Mujtahidd wohl lüften. Der saudische Botschafter in Berlin, Ossama bin Abdul Majed Shobokshi, jedenfalls war es wohl nicht. Er hat in Erlangen Medizin studiert und spricht perfekt deutsch.

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