Oma is jetz online" steht auf der Website von Brigitte Kube. Dabei sei sie "überhaupt nicht technisch bestäubt worden", sagt die 65-jährige Rentnerin und lacht. "Aber ich hab immer gesagt, wenn es geht, dann mach ich es. Muss ja den Staubsauger auch einschalten können". Unter www.blogoma.de schreibt Brigitte Kube seit fünf Jahren über ihre Aktivitäten, von Spaziergängen über Besuche beim Hunde-Psychologen bis hin zum Geocaching mit dem Sohn. Sie gehört zur Generation der so genannten "Silver Surfer" - den Internet-Nutzern über 60 Jahren. Allein in Deutschland gibt es laut der ARD/ZDF-Online-Studie 2009 5,3 Millionen von ihnen. Damit bilden sie im World Wide Web eine größere Gruppe als die 14- bis 19-jährigen Teenager. Rund 27 Prozent der Über-60-Jährigen nutzen das Internet.
Weblogs sind unter den Silver Surfern dagegen wenig bekannt. Die meisten Über-60-Jährigen haben laut einer Studie von 2008 noch nie davon gehört. Nur ein Prozent geben an, Blogs zu nutzen. Dabei eignen sich Blogs gerade für Senioren, sagt Tine Nowak vom Museum für Kommunikation in Frankfurt. "Sie verfügen meist über Zeit und können sich in ihren Webprojekten individuellen Vorlieben widmen."
Die Themen sind vielfältig: "Das können Hobbys sein, das kann aber auch der Kleingartenverein oder das eigene Leben sein." Autobiografisch nutzte beispielsweise die im Alter von 97 Jahren verstorbene Spanierin Maria Amelia Lopez ihr Blog. Mehr als 1,5 Millionen Leser verfolgten ihr mehrfach ausgezeichnetes Blog, in dem Lopez ihre Meinung zu politischen Ereignissen kundtat, aber auch über ihre Erlebnisse aus dem spanischen Bürgerkrieg berichtete. Ebenfalls berühmt geworden ist der 82-jährige Peter Oakley. Unter dem Namen "geriatric1927" erzählt der Engländer über das Videoportal YouTube seine Lebensgeschichte in kurzen Episoden. Sein erstes Video wurde inzwischen über zwei Millionen Mal gesehen.
Tine Nowak setzt sich bei ihrer Arbeit am Museum für Kommunikation dafür ein, mehr Senioren ins Internet zu bringen. Insbesondere das Festhalten von Erinnerungen mittels Web sei sinnvoll, weil so "die Geschichten und Erfahrungen, die die Älteren gemacht haben, auch an andere weitergeben werden." Außerdem halte Bloggen geistig fit.
Auch Brigitte Kube rät ihren Altersgenossen, selbst zu bloggen. "Ich würde sagen, es ist eine schöne Sache, wenn man sich noch mit anderen austauschen kann. Es kommt ja immer Feedback." Sie überlegt einen Moment. "Was heißt das eigentlich? Ist ja auch egal, aber ich finde das schön."
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Genau die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.