Aktuell: Schicksal von Tugçe A. | Burger King | Polizeigewalt in Ferguson | Eintracht Frankfurt | Fußball-News

Medien

08. Januar 2013

Sesamstraße wird 40: Sesamstraße - 40 Jahre mit Ernie & Bert

 Von Katja Lüthge
Die Sesamstraßen-Puppen: Krümelmonster (unten, l-r), Finchen, Buh, Ernie, Bert, Feli Felu, sowie (oben, l-r) Tiffy, Grobi Samson, Elmo und Rumpel mit seinem Freund Gustav. Foto: dpa

Seit 40 Jahren toben Ernie, Bert und ihre Freunde von der Sesamstraße über den Bildschirm. Dabei war der Start in Deutschland nicht leicht: Das Programm wurde als zu banal, zu schlicht und zu amerikanisch gesehen.

Drucken per Mail

Gute Nacht Ernie.“ – „Gute Nacht Bert.“ – „Hmm.“– „Du, Bert, schade, dass du heute nicht mit im Park warst.“– „Hmm.“ Es ist dunkel im Zimmer, nur durch ein Sprossenfenster fällt etwas Mondlicht auf die Einzelbetten, in denen Ernie und Bert liegen. Die beiden tragen Schlafanzüge, offensichtlich ist Zeit für die Nachtruhe.

Es würde vielleicht auch gleich dazu kommen, doch dann macht der schläfrige Bert den entscheidenden Fehler: „Ja, Ernie, ich kann mir vorstellen, dass es schön war.“ Eine Steilvorlage für Ernie, der nun für Bert die Geräuschkulisse des Parks nachempfindet, bis sich das unter den Füßen raschelnde Laub, der bellende Hund, das dudelnde Transistorradio, die singenden Vögel, der rufende Eisverkäufer und die trappelnden Pferdehufe zu einer Kakophonie verdichten. „Ernie!“ schreit Bert gereizt seinen Freund an, und glaubt tatsächlich, sich mit einer neuen Idee Ruhe verschaffen zu können: „Ich stelle mir den Park jetzt einfach bei Nacht vor, ja!“

Wer Ernie kennt, weiß, wie fundamental verkehrt Bert auch dieses Mal seinen Freund einschätzt. Die Eule mit den drei süßen Babyeulen, die mauzende Katze, ein Eichhörnchen, das laut Nüsse knackt, sind schon ziemlich laut, aber der Elefant, der aufwacht, weil im Affenkäfig gestaubsaugt wird, gibt Bert den Rest.

TV für bildungsferne Schichten

Seit vierzig Jahren dürfen wir deutschen Fernsehzuschauer Zeugen dieser wunderbar spannungsreichen Beziehung zwischen zwei untrennbaren Muppets, also Puppen, werden: Am 8. Januar 1973 strahlte der NDR die erste Folge der Sesamstraße aus. Es ist nicht zu viel behauptet, dass die damals schon prominent eingesetzten Charaktere Ernie und Bert bis heute das Herz, die Seele und die Qualitätsgaranten der Serie sind. Der anarchische Humor, der sich aus den unterschiedlichen Charakteren schlagen lässt, ist offenbar unerschöpflich.

Viel Zeit vor der Glotze

Die Sesame Street, so der Originaltitel, startete am 10. November 1969 im US-Fernsehen. In Deutschland wurde die Sendung am 8. Januar 1973 erstmals ausgestrahlt. Die Sesamstraße läuft heute in mehr als 140 Ländern.

Das Programm sollte sich an Kinder aus bildungsfernen Schichten richten, die viel Zeit allein vor dem Fernseher verbringen. Die Reihe wird von der gemeinnützigen US-Produktionsfirma Children's Television Workshop hergestellt.

Der pädagogische Nutzen dieser Zweierbeziehung drängt sich dem unvoreingenommenen Zuschauer nicht ohne Weiteres auf. Das ist insoweit erstaunlich, als die Sesame Street, das ab 1969 in den USA gesendete Original, dezidiert als televisionäres Vorschulprogramm für, wie man heute sagt, bildungsferne Schichten erdacht worden ist. Das war damals revolutionär, entsprechend hitzig war in Deutschland die Diskussion, die die Ausstrahlung der ersten synchronisierten Folgen begleitete – der Bayerische Rundfunk hat die Sendung sogar gänzlich verweigert. Als zu repetitiv, zu banal, als schlicht und zu amerikanisch wurde das heitere Bildungsprogramm gesehen.

Im Nachhinein muss man den heimatverbundenen weißen Kritikern natürlich recht geben: Die Autorin dieser Zeilen war 1971 zufällig wissenschaftlich begleitetes Testsehkind der Sesame Street/Sesamstraße und wurde dort unwiderruflich und für immer mit US-amerikanischer Pop-Kultur infiziert. Bis heute bevorzugt das ehemalige Testkind die rein amerikanischen Folgen, die erst ab 1978 durch deutsche Eigenproduktionen nach und nach germanisiert wurden. Lieber New Yorker „Slum“, wie damals in Unkenntnis gerne gelästert wurde, als Reihenhausidylle!

Die Welt besteht aus Ernies und Berts

Vor allem ist es aber das Verdienst der Puppen, die bis heute von dem in New York ansässigen Muppet Workshop lizenziert, hergestellt, gewartet und überwacht werden, die diese Vorliebe begründen. Welch ein Segen, dass der anfangs skeptische Jim Henson überzeugt werden konnte, seine Muppets in den Dienst der vorschulischen Erbauung zu stellen. Bewundernswert wie kongenial sich Aussehen und Charakter bedingen. Man denke an Kermit, Oskar aus der Mülltonne, Bibo, das Krümelmonster, Graf Zahl, und eben immer wieder Ernie und Bert. Der runde Kopf und der kurz vor den abstehenden Ohren in Lachfalten endende breite Mund von Ernie und der über seine breite Augenbraue Gefühle kommunizierende Bert sind in ihrer Einfachheit genial.

Der weltweite Erfolg der beiden ist darum einfach zu erklären: Letztlich lässt sich die gesamte Welt in Ernies und Berts aufteilen. Die Freude an dieser Erkenntnis ist selbst dann noch gegeben, wenn wir im Zuge des Erwachsenwerdens oder der Elternwerdung feststellen, dass wir selbst regelmäßig zur „Verbertisierung“ neigen. Natürlich ist die Rolle des spießigen Taubenliebhabers Bert undankbar und unerfreulich, aber wer sonst könnte Ernie die Bühne für sein unvergessliches „Chrrchrchrchr“-Lachen bieten?

Sind Ernie und Bert homosexuell?

Fragen, ob die beiden eventuell homosexuell seien, wie eingedenk des jahrzehntelangen Zusammenlebens naheliegend wäre, scheinen dagegen nachrangig. Eine Neigung zum Camp lässt sich aber auch angesichts der neueren Märchenparodiefolgen nicht leugnen. Wenngleich Bert stets unter blonden Prinzessinnen-Langhaarperücken oder in Zickleinkostümen zu leiden scheint – er tut es immer wieder.

Überhaupt ließ er sich in letzter Zeit öfter zu bert-untypischen Aktivitäten verleiten, gemeinsam mit Jan Delay etwa rappte er über den Bau einer Gartenhütte.

Erst seit 2006 dürfen auch in Deutschland Szenen mit Ernie und Bert gedreht werden. Für immer in unseren Herzen und Ohren klingen aber die Klassiker wie „Hätt’ ich dich heut' erwartet“ oder natürlich das „Quietscheentchenlied“.

Zur Homepage
comments powered by Disqus
Medien
Fotostrecken
Bambi 2014: Die Hin- und Weggucker

Ist sie frisch aus dem Dschungel entkommen? Nein, das soll wohl so. Das österreichische Model Larissa Marolt präsentiert - Mode. Mehr in unserer Fotostrecke: Die Hin- und Weggucker der Bambi-Verleihung.

Außerdem:
Fotostrecke: Die Bambi-Preisträger in Bildern
Fotostrecke: Prominente auf dem roten Teppich
Fotostrecke: Diese Preisträger standen schon fest

Filmtipps
TV-Kritik
Quiz
Tatort-Logo

Seit 40 Jahren gibt's fast jeden Sonntag im Fernsehen Mord und Totschlag. Mit dem Tatort beweist das öffentlich-rechtliche Fernsehen immer wieder seine Leistungsfähigkeit. Was wissen Sie über die Krimi-Reihe? Testen Sie's!

Videonachrichten Leute
Kino: Neustarts
Film

Die Filmwoche: Was läuft wann in welchem Kino? Alle Neustarts, alle Filme, alle Kinos, alle Zeiten.