Für hartgesottene Fußballfans ist die Sache eindeutig. Wer beim Bezahlsender Sky, der Anfang Juli seinen alten Namen Premiere abstreifen wird, in der kommenden Bundesliga-Saison am Ball sein will, muss tiefer in die Tasche greifen. 32,90 Euro kostet das monatliche Paket der Münchner für jene, die zuhause live Zugriff auf alle 612 Spiele der Ersten und Zweiten Fußball-Bundesliga haben wollen.
Bislang war das für 19,99 Euro ohne Zukauf weiterer Sendepakete möglich. Aber man dürfe nicht "Äpfel mit Birnen vergleichen", sagt Sky-Sprecher Torsten Fricke. Will meinen: Für den rund 60-prozentigen Aufschlag erhält der Kunde neben der Fußballware künftig das Basis-Paket Sky Welt (16,90 Euro) mit 20 Kanälen - von Doku-Station bis Kinderprogramm. Daraus errechneten die PR-Strategen des starken Mannes im Hintergrund, Rupert Murdoch, flugs einen Netto-Preis fürs Liga-Fernsehen von 16 Euro.
Ob man den Fußballfans den kräftigen Preisaufschlag mit derlei Rechenkünsten wird schmackhaft machen können, ist die Frage. Familien können mit dem "Kombi-Ticket", das neben Papis Bundesliga-Gelüsten auch die Interessen der anderen bedient, vermutlich gut leben. Für Singles,zumal für eingefleischte Fußballfans, ist die neue Preisstrategie eher happig. Sky-Chef Mark Williams wird wissen, was er tut -zumindest ist das aus Sicht des kränkelnden deutschen Pay-TV-Anbieters zu hoffen. Der häufte 2008 ein Minus von 270 Millionen Euro an und zahlt mit derzeit rund 2,4 Millionen Abonnenten nach Branchenschätzungen monatlich rund zehn Millionen Euro drauf. Der streng auf Rendite gebürstete Großaktionär Murdoch, der mehr als 30 Prozent der Anteile hält, ist nicht gerade für Duldsamkeit bekannt.
Williams, der vor dem Deutschland-Engagement Murdochs italienischen News-Corporation-Ableger Sky Italia profitabel machte, übte sich jüngst bei einem Pressegespräch in brutalstmöglichem Optimismus: Bis Ende 2010 wolle man schwarze Zahlen schreiben. Dafür wären drei bis 3,4 Millionen Abonnenten nötig. Mittelfristig hält der Australier gar eine Abdeckung von 20 Prozent der deutschen Haushalte für möglich. Das wären stolze 7,4 Millionen Abonnenten, was getrost als Wunschdenken bezeichnet werden darf.
Zumal Sky mit dem Anschluss von jetzt rund 20 Millionen deutscher Haushalte ans Breitband-Internet ein ernstzunehmender Konkurrent erwachsen ist: die Deutsche Telekom samt ihrem Bundesliga-Kooperationspartner Constantin Medien. 600000 Abonnenten machten Ende des ersten Quartals von der Möglichkeit Gebrauch, Fernsehprogramme über das IPTV-Angebot der Telekom zu beziehen, zum Jahresende sollen eine Million Kunden "T-Home Entertain" gebucht haben. Das sei "ein realistisches Ziel", sagt Telekom-Sprecher Marc Sausen. Und wie bei Sky ist die begehrte Fußballware das vielleicht wichtigste Lockmittel: "Natürlich ist der Fußball ein wichtiges Standbein unserer Strategie" bestätigt Sausen.
Eine Tochtergesellschaft der Constantin, als deren Teilhaber sich der alte Platzhirsch Leo Kirch auf leisen Sohlen zurück in die Arena der Bundesliga-Fernsehverwertung geschlichen hat, fabriziert zur neuen Spielzeit das Fußballformat "Liga total", mit allen Erst- und Zweitligaspielen, samt und sonders in High-Definition-Standard, einem namhaften Kommentatorenteam und Moderations-Allzweckwaffe Johannes Kerner.
Es wird niemanden wundern, dass auch die Telekom ihr Fußball-Abo, zu dem unter anderem ein frei zugängliches Archiv mit allen Spielen gehört, für konkurrenzlos billig hält. Hier liegt der günstigste Monatspreis bei 59,90 Euro - inklusive Telefon- und Internet-Flatrate. Die Telekom garniert ihr Bundesliga-Paket neben vielen Anwendungs-Gimmicks ebenfalls mit einem Strauß weiterer Programme: Auch da gibt es also kein abgespecktes Angebot für Fußball-Puristen.
Vom Spieltag-Splitting mit künftig fünf Anstoßzeiten könnten beide profitieren. Dabei haben die Telekom und der angeblich mit 20 Millionen Euro jährlich entlohnte Partner Constantin zwar (noch) nicht die Reichweite des Konkurrenten, aber dafür einen gewaltigen Wettbewerbsvorteil. Die Internet-Rechte am Bundesliga-Fußball kosten gerade mal 25 Millionen Euro jährlich: nur etwas mehr als ein Zehntel dessen, was Premiere-Nachfolger Sky für den Pay-TV-Zuschlag berappen muss. Und die Bonner können Fußball-Junkies dank der Handy-Rechte auch noch eine Art Rundum-Versorgung bieten.
Glaubt man Sky-Sprecher Torsten Fricke, ist den Münchnern vor der Zukunft gleichwohl nicht bange. Dass für viele Menschen wirtschaftlich harte Zeiten anbrechen, sieht man dort gar als Chance. "Die Erfahrungen in anderen Ländern zeigen, dass sich das aufs Pay TV praktisch gar nicht auswirkt", sagt Fricke.
Das Kalkül: Sinkt der Kontostand, zieht man sich vermehrt ins Private zurück. Glotzen statt Ausgehen - ein feuchter Traum für alle Fernsehschaffenden.
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.