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100. Sendung "Hart aber fair": Smart, aber quer

Auf der Jubiläums-Ausgabe der erfolgreichen Talkshow am Mittwoch liegt ein Schatten – der von Günther Jauch. Denn die ARD muss seinetwegen ihr Programm umstrukturieren

Künftig Konkurrenten im eigenen Sender: Plasberg (l) und Jauch.
Künftig Konkurrenten im eigenen Sender: Plasberg (l) und Jauch.
Foto: dpa

Stell Dir vor, das Erste lädt zur 100. Folge von „Hart, aber fair“ ein – und dem Mann, der diese Sendung zu Deutschlands erfolgreichstem Polittalk getrimmt hat, ist nicht zum Feiern zumute. „Ach“, sagt Frank Plasberg, wenn man ihn auf diese Ausgabe anspricht, „es wird Schnittchen geben“. Die ARD sei so nett gewesen, ihn an diesen Anlass zu erinnern. Er lächelt matt. Plasberg ist keiner, der sich darum reißt, über rote Teppiche zu flanieren.

Und vermutlich hätte er auch diesem Anlass keine besondere Bedeutung beigemessen, wenn die ARD nicht vor kurzem eine Bombe hätte platzen lassen: dass nämlich Günther Jauch nach dem blamablen Hickhack vor drei Jahren und seiner Absage nun doch ins Erste kommt. Ausgerechnet Jauch. Der Quiz-Onkel. Der Verbraucher-Versteher. Der Mann, der sein Gesicht für Bier- oder Betonhersteller vermieten kann, ohne zu riskieren, dass seine journalistische Glaubwürdigkeit in Frage gestellt wird. Den roten Teppich hat ihm die ARD ausgerollt und ihn mit einem begehrten Sendeplatz geködert. Am Sonntagabend nach dem „Tatort“, soll er sich bewähren. Als Polittalker.

Man hätte gerne Plasbergs Gesicht gesehen, als er von der Personalie erfuhr. Der Mann ist ehrgeizig, um nicht das Wort verbissen verwenden zu müssen. Daraus macht er gar keinen Hehl. Sein Einsatz hat sich fast immer ausgezahlt. 2001 hat er mit „Hart, aber Fair“ im WDR neue Maßstäbe im Polittalk gesetzt. Und wer erlebt, wie kampflustig er mit 53 Jahren immer noch in den Ring steigt, mag kaum glauben, dass er schon am Ziel seiner Träume angelangt ist. 2007 stand er kurz davor. Da wurde ein Nachfolger für Sabine Christiansen gesucht. Es schien auf Plasberg hinauszulaufen. Am Ende wurde es Anne Will. Plasberg wanderte zwar ins Erste, musste sich aber mit dem Mittwochabend begnügen. Er ist ehrlich genug, zuzugeben, dass ihn die Entscheidung gewurmt hat. „Damals war ich so auf dem Trip: Ich will es auch mal ein bisschen bequem haben im Leben – mit 24 Prozent Marktanteil als Vorlauf .“

Jetzt habe ihn die ARD mit der Personalie Jauch schon wieder düpiert, unken Kritiker. Doch Plasberg ist bemüht, diesen Eindruck zu zerstreuen. Keineswegs habe er die Nachricht als letzter erfahren, betont er. Es habe Telefonate am Morgen vor der Verkündigung gegeben. Und ja, er schätze den RTL-Kollegen. „Er ist mit Abstand der beliebteste Moderator, ohne beliebig zu sein“, sagt er, und es klingt beinahe feierlich. Es soll wohl nett wirken. Plasberg sitzt in Hab-Acht-Stellung in einem Sessel, flankiert von einem Mann, der sich als sein persönlicher Presseberater vorstellt. Man ahnt: Hier geht es nicht nur um „Hart, aber fair“ , hier geht es um Plasbergs Zukunft.

Wenn Günther Jauch kommt, sollen die Tagesthemen einheitlich um 22.15 Uhr beginnen. Ob Plasbergs Polittalk dann ins Nachtprogramm verlegt wird oder ob er auf einen attraktiveren Sendeplatz in der Primetime wandert, darüber ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Mit einem Sendeplatz um 22.45 Uhr, soviel immerhin lässt sich Plasberg entlocken, würde er sich wohl nicht abspeisen lassen. „Wenn man etwas von dieser Sendung haben will, muss man wach bleiben“, sagt er. „Das ist manchmal anstrengend.“ Sein Presseberater sagt: Dieser Sendeplatz stehe gar nicht zur Diskussion. Plasberg – smart, aber quer.

Es ist das Stichwort für Plasberg, um Zuversicht zu verbreiten. Er sei sicher, dass die Intendanten eine kluge Entscheidung treffen, schwurbelt er. 2007 habe das doch auch geklappt. Immerhin scheinen die Intendanten verstanden zu haben: Zuletzt hieß es, „Hat aber fair werde vor den “Tagesthemen laufen. Es wäre ein weiterer kleiner Sieg für Plasberg.

Autor:  Antje Hildebrandt
Datum:  24 | 8 | 2010
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