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Medien

04. Januar 2016

Sonderausgabe: „Charlie Hebdo“ provoziert weiter

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Der Titel der Sonderausgabe zum Jahrestag der Terroranschläge in Paris.  Foto: AFP

Ein Jahr nach dem Terroranschlag in Paris auf die französische Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ erscheint ein Sonderheft mit einer provokativen Titelseite.

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Die Meinungsfreiheit bleibt der Redaktion von „Charlie Hebdo“ so heilig wie ihr Antiklerikalismus und ihr deftiger Humor. Die Sondernummer zu den Terroranschlägen des 7. Januar 2015 – zwölf Menschen wurden erschossen – zeigt auf der Frontseite eine Karikatur Gottes: Er trägt blutverschmutzte Kleider und auf dem Rücken eine Kalaschnikow, darüber steht: „Ein Jahr danach – der Mörder läuft immer noch frei herum.“

Die Zeichnung stammt von Chefredakteur Laurent Sourisseau („Riss“), der bei den Anschlägen angeschossen worden war. Im Blatt greift er „die durch den Koran verblödeten Fanatiker“ und „die Frömmler anderer Religionen“ an. Die starken Worte täuschen nicht darüber hinweg, dass die mit 32 Seiten doppelt so umfangreiche Sonderausgabe keine Mohammed-Karikaturen enthält. Dafür gibt es bisher unveröffentlichte Werke der Terroropfer Charb, Wolinski oder Cabu, ferner Beiträge Prominenter wie Isabelle Adjani, Juliette Binoche, Taslima Nasreen, Russell Banks oder Ibrahim Maalouf. Sie antworten zumindest indirekt auf die frühere Kritik von Pen-Club-Schriftstellern wie Michael Ondaatje oder Peter Carey, die Unflätigkeit von „Charlie Hebdo“ könne nicht verteidigt werden. Am Montag kritisierten in Paris mehrere katholische und muslimische Würdenträger das Titelblatt mit Gott als Mörder.

Die neueste Ausgabe wird am Mittwoch mit einer Million Auflage erscheinen. Das ist viermal so viel wie Ende 2015. Vor den Anschlägen hatte sie kaum 50 000 betragen; die erste Ausgabe „danach“ wurde indessen weltweit 7,5 Millionen Mal verkauft.

Der Standort der Redaktion bleibt geheim

Finanziell geht es dem Blatt heute relativ gut. Die Einnahmen erzeugten redaktionsintern Streit, weshalb Insider vom „Gift der Millionen“ sprachen. Eine Faktion stellte sich im Sommer gegen die Anteilsbesitzer Riss und Eric Portheault. Seither wird mühsam eine breitere Kapitalbeteiligung angestrebt. Im September verließ der bekannte Zeichner Luz, einer der Schöpfer von Mohammed-Karikaturen, das Blatt. Aus dem gleichen Grund, geistige Erschöpfung, gibt nun auch der Notarzt Patrick Pelloux seine „Charlie“-Kolumne über den Krankenhausalltag auf.

In der neuesten Nummer beschreibt Riss erstmals auch detailliert den Angriff durch die Kouachi-Brüder. „Nach dem betäubenden Lärm von sechzig Schüssen binnen dreier Minuten breitete sich ein enormes Schweigen in der Redaktion aus. Ich hoffte, wenigstens Klagen oder Gestöhn zu hören. Aber kein Ton. Das Schweigen machte mir klar, dass sie tot waren.“

Der Standort der Charlie-Redaktion ist derzeit geheim – aus Furcht davor, den Mitarbeitern könnte das Gleiche geschehen wie ihren Vorgängern. Dass die Gefahr keineswegs gebannt ist, zeigt auch die Existenz des 2015 geschaffenen „Prix Charlie Hebdo“ durch das weltgrößte Comic-Festival Angoulême: Nach nur einem Jahr wird er wieder abgeschafft. Die offizielle Begründung lautet, man wolle nicht Preisträger zu Terrorzielen machen.

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