Ich glaube, wenn ich mich in dem Film wiedersehe, ekle ich mich vor mir selbst.“ Enthüllungsjournalist Günter Wallraff, der diesen Satz 1977 in die Kamera sprach, konnte nicht ahnen, wie viel Zeit bis zur Ausstrahlung seiner Dokumentation vergehen würde. Am Mittwoch sendete das NDR-Medienmagazin „Zapp“ einen Beitrag mit Ausschnitten aus Wallraffs Undercover-Reportage „Informationen aus dem Hinterland“ – ganze 33 Jahre nach der Entstehung des Films.
Dreieinhalb Monate hatte Wallraff 1977 in der Hannoveraner Redaktion der Bild-Zeitung recherchiert und dabei deren zweifelhafte Arbeitsweise kennengelernt. Das dazugehörige Buch „Der Aufmacher. Der Mann, der bei ,Bild‘ Hans Esser war“ wurde ein großer Erfolg, der dazugehörige Film jedoch nie im Fernsehen ausgestrahlt. Zwar war die Dokumentation im Vorfeld mit dem damaligen WDR-Fernsehdirektor Werner Höfer abgesprochen worden, doch als der Film sendefertig war, war mit Heinz-Werner Hübner ein neuer Fernsehdirektor verantwortlich, der die Ausstrahlung untersagen ließ, um rechtlichen Schritten des Springer-Verlages vorzubeugen.
In einem Interview mit dem Spiegel hatte sich Wallraff kürzlich über die „Selbstzensur“ des WDR beschwert, nachdem in einem aktuellen Porträtfilm über Wallraff die Szenen seiner Recherche bei der Bild kurzfristig rausgeschnitten waren worden. Als aber der von Wallraff daraufhin kontaktierte Springer-Vorstandsvorsitzende Mathias Döpfner schriftlich versicherte, dass „seitens der Axel Springer AG gegen den Film nie juristische Schritte unternommen oder auch nur angekündigt worden“ seien, dieser gar ein „ein historisches Dokument“ sei, teilte schließlich auch WDR-Intendantin Monika Piel mit, es gebe nun „keinen Grund mehr, dieses Dokument unter Verschluss zu halten“.
Film hat an Relevanz eingebüßt
Nun hat schon mal der NDR in Ausschnitten die brisanten Bilder gezeigt, die nicht zuletzt durch die Auswahl der Ausschnitte jedoch kaum brisant wirken. Im knapp vierminütigen „Zapp“-Beitrag sah und hörte man vor allem Günter Wallraff über seine Erlebnisse sprechen. Doch das, was Wallraff damals erlebt hat, konnte man in den vergangenen Jahren ausführlich nachlesen, Neues hatte man sich eher vom „Wie“ erhofft. Gerade einmal zehn Sekunden sieht man Wallraff in der Redaktion, die anwesenden Bild-Mitarbeiter mit Augenbalken unkenntlich gemacht. Die anderen Ausschnitte zeigen vor allem Wallraff selbst oder abgefilmte Artikel von ihm.
Bedauerlicherweise hat der Film aber vor allem durch das lange Liegenlassen in der Zwischenzeit an Relevanz eingebüßt. Im Jahr 2010, 33 Jahre nach Hans Esser, haben wir uns an Bild und ihre Machenschaften schlicht gewöhnt.
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.