Redaktion und Verlag der Süddeutschen Zeitung (SZ) müssen mit tiefgreifenden Einschnitten und wohl auch betriebsbedingten Kündigungen rechnen. Wie aus dem Verlagsumfeld zu erfahren ist, soll der Herausgeberrat des Blattes am Dienstag Sparmaßnahmen beschließen. Für das Wochenende danach ist eine Klausur der Führungskräfte am Starnberger See geplant. Grund für die Maßnahmen sind die Verluste, die die Süddeutsche Zeitung in diesem Jahr dem Vernehmen nach erstmals in ihrer Geschichte schreiben könnte. Von annähernd zehn Millionen Euro im schlimmsten Fall ist die Rede.
Mehrere Ursachen nennen Kenner des Süddeutschen Verlags. Zum einen sind im Zuge der Finanzkrise die Erlöse eingebrochen. Die Süddeutsche, mit 442.159 verkauften Exemplaren die führende überregionale Qualitätszeitung in Deutschland, wird 2009 erstmals höhere Vertriebs- als Anzeigenumsätze erwirtschaften. Der zweite Grund sind die hohen Mietpreise für den Anfang des Jahres bezogenen Neubau am Stadtrand Münchens. Bevor die früheren Gesellschafter des Süddeutschen Verlags 2008 ihre Anteile an die Südwestdeutsche Medienholding (SWMH) verkauft haben, wurde dieser Neubau veräußert. Nun muss der Verlag die Mieten zahlen und sitzt auf einem langfristigen Mietvertrag.
Hohe Kosten für Abfindungen
Eigentümerin des Verlags ist neben dem einzigen verbliebenen Altgesellschafter, Familie Friedmann (18,75 Prozent), die SWMH mit Richard Rebmann an der Spitze. Sie gehört zu etwa gleichen Teilen der Medien-Union (Familie Schaub) und einer Gruppe Württembergischer Zeitungsverleger. Um die Anteile am Süddeutschen Verlag auf 81,25 Prozent aufzustocken, ging die SWMH hohe Bankverbindlichkeiten ein. Mit den Kreditgebern ist zügige Rückzahlung vereinbart.
In einer ersten Sparrunde vor einem Jahr unterbreitete die SWMH den Mitarbeitern des Süddeutschen Verlags freiwillige Abfindungsangebote, die wider Erwarten von mehr als 70 Kollegen aus Redaktion und Verlag und damit deutlich besser angenommen wurden als geplant. Die hohen Kosten für die Abfindungen belasten die Bilanz, sollen jedoch 2008 schon verrechnet worden sein.
Um die Erlöseinbrüche aus dem laufenden Jahr einzudämmen, sind die Verantwortlichen aller Bereiche angehalten, bis Mitte Oktober Sparvorschläge zu unterbreiten. Bei einer Betriebsversammlung am 27. Oktober sollen die Mitarbeiter informiert werden. Von Richard Rebmann war bis zum Redaktionsschluss keine Aussage zu erhalten.
Fest steht, dass Primetime zum Jahresende eingestellt wird. Mit diesem DIN-A-4-Newsletter belieferte die SZ seit Anfang 2007 abends die Business-Class-Flieger der Lufthansa. Vier Mitarbeiter sind von der Einstellung betroffen, bestätigte ein an dem Vorgang Beteiligter.
Welches Ausmaß die Einsparungen für Verlag und Redaktion der Süddeutschen Zeitung wirklich haben werden, wie hoch der Anteil der Sach- und Personaleinsparungen ausfällt, vor allem aber, ob und auf welche Weise die Qualität des Blattes leiden wird, ist noch nicht bekannt und am Dienstag Sache des Herausgeberrats. Dort sitzen Vertreter aller Gesellschafter, der ehemalige SZ-Gesellschafter Christoph Schwingenstein, für die SWMH Eberhard Ebner und Thomas Schaub, den Vorsitz führt Johannes Friedmann. Das Gremium sieht seine Aufgaben darin, "die grundsätzliche inhaltliche Ausrichtung und das Erscheinungsbild der Süddeutschen Zeitung zu bestimmen" und "wichtige personelle Entscheidungen" zu fällen.
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