Am Montag schon ließ das ZDF in seinem Digitalkanal Neo die britische Agentenserie "Spooks" anlaufen. Glücklicherweise - und gleiche Hoffnungen gelten dem US-Import "30 Rock" - kommt nicht nur die Digitalgemeinde in den Genuss dieser BBC-Produktion: Sie wird jeweils dienstags im ZDF-Spätprogramm wiederholt.
"Spooks" führt einmal mehr vor Augen, wie rückständig das serielle Erzählen in Deutschland ausfällt. Im Vergleich zu einheimischen Produktionen wirkt "Spooks" formal ausgesprochen modern - ist aber sieben Jahre alt. Man muss also nachsehen, dass in einigen Episoden noch George Bush regiert. Und natürlich wirken die Ereignisse des 11. September 2001 erkennbar nach.
Doch wird hier kein fiktionaler Revanchismus betrieben. Der britische Inlandsgeheimdienst MI 5 bekommt es zu Beginn mit einer fanatischen US-amerikanischen Abtreibungsgegnerin zu tun. Irische Extremisten sind zu bekämpfen, auch ein serbischer Kriegsverbrecher, der den Tod seiner Söhne rächen will.
"Spooks" greift die große Weltpolitik auf, verhandelt aber auch das Aufkommen rechtsradikaler Parteien. Der Realitätsbezug ist deutlich, der Ansatz alles andere als trivial. Der MI 5 erscheint nicht als omnipotenter Reparaturdienst, dessen Eingreifen die Welt ins Lot bringt. Zwar sind die Operationen meist erfolgreich, gewisse Probleme aber haben Bestand.
Daraus machen die Autoren ebenso wenig ein Hehl wie daraus, dass die Geheimdienstarbeit personelle und ideelle Opfer kostet. So kommt kritisch zur Sprache, dass im Kampf gegen den Rechtsradikalismus demokratische Regeln unterlaufen werden. Der Zuschauer wird animiert, sich selbst die Frage zu stellen, wo die Grenzen liegen: Ein großer Unterschied etwa zu Trivialserien wie "CSI", die oft sträflich schlicht argumentieren - von deutschen Krimiserien gar nicht zu reden.
"Spooks - Im Visier des MI 5", ZDF, 23.30 Uhr.
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