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Medien

15. Februar 2013

Stefan Raab „Absolute Mehrheit“: „Ich freue mich über Gegenwind“

Immer gut informiert: TV-Moderator Stefan Raab.  Foto: dpa/Kaiser

Stefan Raab macht mit „Absolute Mehrheit“ auf Polit-Talk. Im Interview spricht er über die Schwierigkeit, junge Leute für Politik zu begeistern, die Kritik an seiner neuen Show und Peer Steinbrücks (vorläufige) Absage.

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Stefan Raab macht mit „Absolute Mehrheit“ auf Polit-Talk. Im Interview spricht er über die Schwierigkeit, junge Leute für Politik zu begeistern, die Kritik an seiner neuen Show und Peer Steinbrücks (vorläufige) Absage.

Am Sonntag läuft die zweite Ausgabe der Talkshow „Absolute Mehrheit“. Erfunden hat das Format Stefan Raab, der auch die Sendung moderiert. Ein Gespräch über die Schwierigkeit, junge Leute für Politik zu begeistern, Debatten auf Augenhöhe und die vielen Fragen, die ihm zum Thema Frauenquote einfallen.

Herr Raab, das hätten Sie sich auch nicht träumen lassen: mal von Edmund Stoiber empfohlen zu werden, oder?

Als ich davon erfahren habe, war ich positiv überrascht, dass Herr Stoiber so ein Visionär ist.

Er hat vorgeschlagen, Sie sollten in diesem Jahr das TV-Duell der Kanzlerkandidaten mitmoderieren, um mehr junge Zuschauer dafür zu interessieren. Nehmen Sie die Wahl an?

Wir haben das mit dem Sender ernsthaft diskutiert und finden es eine sehr reizvolle Idee. Ich bin mir mit ProSiebenSat.1 einig, dass wir dieses Experiment wagen wollen. Immerhin haben wir mit der Premiere von „Absolute Mehrheit“ eine Klientel erreicht, die für andere Talkshows seit Jahren verloren ist. Wenn Sie einen besseren Vorschlag haben, nehm’ ich den aber auch entgegen.

Stefan Raab

In seiner neuen ProSieben-Show „Absolute Mehrheit“, deren zweite Ausgabe am Sonntag um 22.50 Uhr live zu sehen war, debattieren Talk-Gäste mit dem Ziel, die absolute Mehrheit der Zuschauer hinter sich zu versammeln.

Diesmal waren Yvonne Ploetz von den Linken, Dorothee Bär (CSU), Katja Dörner von den Grünen und Linda Teuteberg von der FDP eingeladen.

Die FDP-Politikerin Linda Teuteberg hat die zweite Ausgabe von Stefan Raabs Polit-Talkshow „Absolute Mehrheit“ gewonnen. Die 31-jährige Teuteberg, Mitglied im FDP-Bundesvorstand, erhielt die meisten Zuschauerstimmen. Allerdings waren es deutlich weniger als 50 Prozent, so dass sie die absolute Mehrheit verfehlte.

Vielleicht hat SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück einen. Der will Sie nicht als Moderator und sagt, Politik sei keine Unterhaltungsshow.

Ich will aus dem TV-Duell auch gar keine Unterhaltungsshow machen, sondern nur für ProSiebenSat.1 am journalistischen Katzentisch Platz nehmen und Fragen beisteuern. Politik ist übrigens auch kein Wunschkonzert. Ich glaube nicht, dass sich die Sender in ihre journalistische Unabhängigkeit hineinreden lassen und Kanzler oder Herausforderer bisher die Moderatoren des TV-Duells bestimmen durften.

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Sie meinen es wirklich ernst?

Ich bin mir der Verantwortung bewusst und glaube, dieser Sache intellektuell gewachsen zu sein. Vielleicht hat Herr Steinbrück sich mit meinem politjournalistischen Schaffen bisher noch nicht richtig auseinandergesetzt.

Woher kommt Ihr Wille, sich im Polittalk auszuprobieren? Ihre bisherigen Shows haben nicht gerade vor politischer Informiertheit gesprüht.

Das hätte ja auch nicht in die Wok-WM gepasst. Ich bin aber durchaus ein politisch interessierter Mensch und hab bei ProSieben vor acht und vor vier Jahren schon die „TV total Bundestagswahl“ moderiert. Für dieses Jahr planen wir das übrigens auch wieder. Sie tun ja gerade so, als sei ich politischer Newcomer! Günther Jauch hingegen ist erst seit 2011 dabei.

Warum interessieren sich Ihrer Meinung nach so wenige junge Menschen für Politik?

Es ist nun mal so, dass viele lieber den Spielfilm mit Angelina Jolie sehen als die Talkrunde mit Peter Altmaier. „Absolute Mehrheit“ läuft aber in einem Umfeld, in dem sich von vornherein ein junges Publikum aufhält. Deshalb haben wir eine gute Chance, dass es sich unsere Sendung ansieht. Mein Wunsch wäre es deshalb auch, das TV-Duell bei ProSieben auszustrahlen.

Das Interesse für Politik ist da, nur das Umfeld ist das falsche?

Ich glaube, dass junge Zuschauer die üblichen Polittalks für überschaubar unterhaltsam halten. In den USA stellt sich der Herausforderer fürs Präsidentenamt auch mal in einer Late-Night-Show. Das fängt bei uns aber erst langsam an. Bei Claudia Roth würde es mich allerdings nicht wundern, wenn sie demnächst bei „Let’s Dance“ dabei wäre.

NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft ist lieber zur „heute show“ gegangen als zu Ihnen.

Wir haben Sie bisher meines Wissens gar nicht eingeladen. Aber ich hätte nichts dagegen! Mir liegt es übrigens fern, die Politik zu entertainisieren. Die Würde des Amtes muss gewahrt bleiben.

Genau das haben Sie doch bei „Absolute Mehrheit“ anfangs gemacht: entertainisiert.

Aber mit Ansage und auch nur für einen relativ kurzen Zeitraum. Dann waren wir ziemlich schnell zurück beim Ernst des Lebens.

"Rösler kokettiert mit seiner Herkunft"

Sie wollen ernst genommen werden, reißen aber den platten rassistischen Witz, dass Philipp Rösler beim Zusehen vielleicht die Stäbchen aus der Hand fallen?

Das war kein rassistischer Witz, sondern die Aufnahme und Weiterführung von Röslers Populismus, der doch selbst mit seiner Herkunft kokettiert. Mehr nicht.

Nach der ersten Sendung schrieb die Wochenzeitung Die Zeit von einem „schwer erträglichen Experiment“, die FAZ fand es „geschmacklos überrumpelnd“, die Welt „pseudofrech“. Ärgert Sie das?

Ich freue mich über Gegenwind. Das ist wie beim Aufpumpen eines Fahrradreifens. Wenn Sie keinen Widerstand spüren, kriegen Sie den Reifen nicht voll. Und wenn ich auf Widerstand stoße, weiß ich, dass die Idee offensichtlich nicht schlecht war. Wichtig ist, ob die Sendung jemand gesehen hat. Das ist für mich die Messlatte, ob etwas gut oder schlecht war.

Schlecht war, dass es Ihnen offensichtlich nicht so sehr auf eine Diskussion ankam, weil Sie die ständig für die Zuschauerwertung unterbrochen haben

Da bin ich völlig anderer Meinung. Die Gäste haben verschiedene Standpunkte vorgetragen, und zu manchen Themen ist nach 15 Minuten einfach alles gesagt. Aber wenn es Sie beruhigt: Wir wollen künftig keine Zwischenstände mehr abfragen, um den Diskussionsfluss nicht so oft zu unterbrechen. Und wenn sich ein Thema gut entwickelt, entscheide ich spontan, dass dafür ein anderes vielleicht wegfällt.

Hat sich Bundestagspräsident Norbert Lammert, der die Sendung vorher „Unfug“ fand, noch mal gemeldet

Nein. Das heißt wohl, er fand’s gut.

Wie werden die Themen für die Sendung ausgewählt? Wäre der Papst-Rücktritt ein Thema?

Um den Papst-Rücktritt kann ich mich nicht auch noch kümmern, das muss die katholische Kirche schon alleine hinkriegen. Bei „Absolute Mehrheit“ geht es darum, was unsere Zuschauer interessiert. Diesmal diskutieren wir die Frauenquote, Mietpreisexplosionen und die Frage, ob es überhaupt noch interessant ist, sich in der Politik zu engagieren, wenn man ständig Gefahr läuft, in den nächsten Skandal verwickelt zu werden, weil man sich an der Bar daneben benommen oder seinen Doktortitel erschummelt hat.

"Ich bin immer gut informiert"

Sie kokettieren damit, sich nicht auf Ihre Sendungen vorzubereiten, nur bei „Absolute Mehrheit“ hängen Sie sich rein. Warum?

Das kommt Ihnen nur so vor. Ich bin immer, auch in Straßenform, sehr gut informiert. Zu einem Thema wie der Frauenquote hab ich genug Fragen im Kopf, die ich jederzeit stellen könnte.

Hat Herr Kubicki Ihnen eigentlich erzählt, was er mit dem Geld angestellt hätte, wenn er über die 50 Prozent gekommen wäre

Nein. Die Gäste haben vorher gefragt, ob sie noch sagen dürfen, was sie mit dem Geld vorhaben, wenn sie gewinnen. Ich würde die Sendung aber vorher abmoderieren. Wer sich als Gutmensch belobigen lassen will, kann das am Tag danach selbst bekannt geben.

Das Gespräch führte Peer Schader.

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