kalaydo.de Anzeigen

Stellenabbau bei der WAZ: Die Axt im Lande

Der Essener WAZ-Konzern will radikal an Lokalredaktionen und Journalisten sparen. Von Annika Joeres

Ein Zeitungsimperium von europäischer Dimension: Die WAZ-Gruppe will in ihrem Stammland radikal sparen.
Ein Zeitungsimperium von europäischer Dimension: Die WAZ-Gruppe will in ihrem Stammland radikal sparen.
Foto: ddp

Nun ist der größte geplante Stellenabbau einer deutschen Zeitungsgruppe schwarz auf weiß zu haben: Das Sparkonzept der Unternehmensberatung Schickler für den Essener WAZ-Konzern steht jetzt öffentlich im Internet. Die vier regionalen Blätter Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ), Neue Rhein/Ruhrzeitung, Westfälische Rundschau und Westfalenpost sollen knapp jeden dritten Mitarbeiter einsparen: 275 von 900 Schreibern und Bürokräften sollen gehen. So sollen 30 Millionen Euro gespart werden, um einen zweistelligen Millionen-Verlust 2009 abzuwenden.

Schon seit Wochen häufen sich Hiobsbotschaften für die einst so starken Titel. Lange Zeit galt das WAZ-Modell, vier auch politisch unterschiedliche Zeitungen unter einem Dach fortbestehen zu lassen, als Vorbild für den deutschen Zeitungsmarkt. Diese Unabhängigkeit wird nun geopfert. Künftig sollen die Redaktionen bunt gemischt oder ganz wegrationalisiert werden: Eine Mantelredaktion in Essen soll mit Ausnahme der Westfalenpost - die kurzerhand zur Heimatzeitung erklärt wurde - alle drei Blätter beliefern.

Wo es zwei Lokalredaktionen gibt, soll laut Schickler nur noch eine weiterbestehen und die bisherige Konkurrenz bestücken. So könnten dann Leser der Westfälischen Rundschau in Lünen die ersten vier Seiten aus Essen lesen und ihre Lokalseiten von den vormaligen Konkurrenz-Schreibern der WAZ geliefert bekommen. "Hier soll eine Presselandschaft auf den Kopf gestellt werden", klagen die Mediengewerkschaften DJU und DJV über die "WAZ-Axt".

Zwar sagte WAZ-Geschäftsführer Bodo Hombach neulich auf der Betriebsversammlung in einem Essener Kino immer wieder, die Eigenständigkeit bleibe erhalten, jeder Chefredakteur habe das letzte Wort über die ersten vier Seiten. Mit insgesamt 68 einzusparenden Stellen in den Hauptredaktionen dürfte das aber schwierig werden.

Nun haben die Betriebsräte bis Ende Januar Zeit, Schicklers Vorgaben abzumildern. "Unumstößlich ist die Summe, die eingespart werden muss", sagt WAZ-Sprecher Paul Binder und beteuert: "Jede Lokalredaktion erhält ein maßgeschneidertes Konzept."

Redaktion mit wenig Einfluss

Dass die Redaktionsvertreter dabei nur geringen Einfluss haben dürften, wurde auf der rund vierstündigen Betriebsversammlung klar. WAZ-Chefredakteur Ulrich Reitz saß ebenso auf dem Podium wie die Betriebsräte und Hombach als Geschäftsführer des europaweiten Zeitungsimperiums. Zu Streit oder harschen Vorwürfen an die Spar-Chefs kam es nicht. Hombach empörte sich gar, dass Betriebsräte und Gewerkschaften geschäftsschädigend von "WAZ-Axt" sprachen. Und landete am selben Tag noch einen Personal-Coup: Malte Hinz löste Chefredakteurin Kathrin Lenzer von der Westfälischen Rundschau ab. Hinz ist Betriebsrat und Vorsitzender der Deutschen Journalisten Union - also als Gewerkschafter in die Chefetage eingekauft worden.

Unter den Mitarbeitern wachsen Groll und Angst vor der Zukunft. Plötzlich werde er gefragt, berichtet ein WAZ-Mitarbeiter, wie alt er eigentlich sei und ob er Kinder habe - denn die machten eine Kündigung für die WAZ noch teurer, also unwahrscheinlicher. Dazu wachse das Pensum für die, die bleiben: "Ein Mann, eine Seite heißt es künftig bei uns", sagt er.

Ohnehin dürfen die Mitarbeiter im Schickler-Gutachten nun nachlesen, welche Lokal-Redaktionen zu teuer seien und geschlossen werden sollen. Diese von den Schreibern "Todesliste" genannte Aufführung sieht vor, einige Städte komplett der Konkurrenz zu überlassen, wie Düsseldorf der Rheinischen Post. Dann würde für fast ganz Nordrhein-Westfalen gelten: "Eine Stadt, eine Zeitung."

Autor:  ANNIKA JOERES
Datum:  13 | 12 | 2008
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
World Press Photo
Das beste Pressefoto 2012: Eine jemenitische Frau hält einen verwundeten Verwandten in ihren Armen.

Beeindruckende Aufnahmen: FR-online.de präsentiert interaktiv die Pressefotos des Jahres.

TV-Kritik
Sieger: Der zehnjährige Marco gewinnt das Finale von DSDS Kids. Moderator Daniel Assmann (l.) und DSDS-Kandidat Thomas Pegram freuen sich.
DSDS Kids: Das Finale 
Indianer-Squaw in Türkis: Für Joan Franka und die Niederlande hat es nicht gereicht.
ESC 2012 Halbfinale 
Höhepunkt des 1. ESC-Halbfinales: der Auftritt der Buranowski Babuschki.
Eurovision Song Contest in Baku 
Jogger an der Außenalster in Hamburg.
TV-Kritik "Der adidas Check" 

Video

Quiz
Dezember 2006.

Thomas Gottschalk hat sich bei "Wetten, dass..." verabschiedet. Er bewegt die TV-Nation. Testen Sie Ihr Wissen.

Quiz
Tatort-Logo

Seit 40 Jahren gibt's fast jeden Sonntag im Fernsehen Mord und Totschlag. Mit dem Tatort beweist das öffentlich-rechtliche Fernsehen immer wieder seine Leistungsfähigkeit. Was wissen Sie über die Krimi-Reihe? Testen Sie's!

Fotostrecke
Meeresbewohner: Leuchtend grüne Quallen gleiten durch ein Aquarium.

Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.

Quiz
Der zurückgetretene Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg holt seine Entlassungspapiere im Schloss Bellevue ab (03.03.2011).

Guttenberg hatte einen guten Grund. Aber weshalb sind Horst Köhler oder Richard Nixon abgetreten?

Quiz
Wissens-Test.

Politik, Sport, Wirtschaft - wie gut sind Sie informiert? Machen Sie den Test mit dem unterhaltsamen Tagesquiz.

Film

Die Filmwoche: Was läuft wann in welchem Kino? Alle Neustarts, alle Filme, alle Kinos, alle Zeiten.

Meistgeklickt
Sieger: Der zehnjährige Marco gewinnt das Finale von DSDS Kids. Moderator Daniel Assmann (l.) und DSDS-Kandidat Thomas Pegram freuen sich.
DSDS Kids: Das Finale 
Das DFB-Bundesgericht mit dem Vorsitzenden Goetz Eilers hat entschieden: Das Relegationsspiel zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC wird nicht wiederholt.
Kein Wiederholungsspiel zwischen Düsseldorf und Berlin 
 Mely Kiyak
Kolumne zum neuen Umweltminister