Aktuell: Trauer um Claudia Michels | Pegida | Flucht und Zuwanderung | Fußball-News | Eintracht Frankfurt

Medien

11. Dezember 2012

Suhrkamp: Unter Feinden

 Von Dirk Pilz
Ulla Unseld-Berkéwicz.Foto: dpa

Nur ein Wunder kann die überzeugten Feinde Ulla Unseld-Berkéwicz und Hans Barlach noch versöhnen. Wunder aber sind in Verlagsfragen selten geworden.

Drucken per Mail

Am Montagnachmittag, als das Berliner Landgericht beschied, dass Ulla Unseld-Berkéwicz als Geschäftsführerin des Suhrkamp Verlages abberufen werden müsse, lag in der Post ein kleines Büchlein. Es war die „Jahresgabe“ des Suhrkamp Verlages, eine Aufmerksamkeit für mit Büchern befasste Journalisten. „Mit guten Wünschen zum Fest und für das Jahr 2013“ grüßten die Mitarbeiter der Pressestelle in der beigelegten Klappkarte; und alle haben sie handschriftlich unterzeichnet. Vielen Dank!

Es ist eine Erzählung von Amos Oz, die von den Nöten und Schönheiten des Lebens in einem Kibbuz handelt,  von einem Sohn, der im Dienst der israelischen Armee stirbt, von einer Tochter, die arabisch lernt und ihren Vater erstaunt. Sie heißt „Unter Freunden“. Im März 2013 wird sie im  neuen Buch von Oz zu finden sein.  Und  2013 wird man auch wissen, ob das Urteil Bestand hat und Unseld-Berkéwicz tatsächlich als Geschäftsführerin abtreten muss.

Nur ein Wunder kann die Feinde noch versöhnen

Aber wie auch immer die Gerichte in diesem und in einer Reihe weiterer Streitfälle zwischen Unseld-Berkéwicz, ihren Mitgesellschaftern Thomas Sparr und Jonathan Landgrebe auf der einen Seite, und dem mit 39 Prozent am Verlag beteiligten Hans Barlach entscheiden mögen, unter Freunden wird sich hier nichts mehr regeln lassen. Nur ein Wunder kann  die überzeugten Feinde Unseld-Berkéwicz und Barlach noch versöhnen. Wunder aber sind in Verlagsfragen selten geworden.

An Freundschaftsfragen hat sich auch der jüngste, jetzt entschiedene Streit entzündet.  Gestritten wurde um „Anmietung, Ausstattung und Nutzung einer Berliner Immobilie durch den Verlag“. Es ging um die Privatvilla von Unseld-Berkéwicz in Berlin-Nikolassee, deren Räume sie offenbar rechtswidrig an ihren eigenen Verlag vermietet hat. Für monatlich 6 600 Euro hatte Unseld-Berkéwicz den größten Teil ihrer Villa  an den Verlag vermietet; jetzt muss eine  Entschädigung von 282.486 Euro gezahlt werden.

Dabei hatte Unseld-Berkéwicz es sich so  schön gedacht: Sie lud Dichter und Denker in ihre  hohen, edlen Räume. Erst kürzlich kam Peter Sloterdijk , um in der großfürstlich ausgestatteten Villa aus seinen Tagbüchern vorzulesen; im Frühjahr war der erste Band von „Zeilen und Tage“ erschienen, seine Notizen aus den Jahren 2008 bis 2011, ein sehr unterhaltsames und lehrreiches Buch. Nun las er aus dem Folgeband, und viele der Suhrkamp-Autoren von Durs Grünbein bis Rainald Goetz kamen nach Nikolassee geeilt.

Ein literarisches Familientreffen, ein freundschaftliches Beisammensein. Solche Zusammenkünfte wollten an die alten, legendären Suhrkamp-Zeiten anknüpfen, als der vormalige Verlagschef und Berkéwicz-Gatte Siegfried Unseld, damals noch in Frankfurt, die Größen des Literaturbetriebs regelmäßig um sich versammelte. Auch diese Idee droht zu zerbrechen, mit dem gesamten Verlag. Aus der Pressestelle war am Montag zu hören, man sei „im Augenblick schockiert“. Man kann also nur hoffen, dass 2013 dennoch irgendwie gut wird.

Zur Homepage
comments powered by Disqus
Medien
Talkshow-Kritiken auf einen Blick
Filmtipps
TV-Kritik
Quiz
Tatort-Logo

Seit 40 Jahren gibt's fast jeden Sonntag im Fernsehen Mord und Totschlag. Mit dem Tatort beweist das öffentlich-rechtliche Fernsehen immer wieder seine Leistungsfähigkeit. Was wissen Sie über die Krimi-Reihe? Testen Sie's!

Videonachrichten Leute
Kino: Neustarts
Film

Die Filmwoche: Was läuft wann in welchem Kino? Alle Neustarts, alle Filme, alle Kinos, alle Zeiten.