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Superillu: Blüht doch alles ganz wunderbar

Freunde, es ist an der Zeit, Helmut Kohl Abbitte zu leisten. Die Landschaften im Osten: Sie blühen längst! Eine Sonder-Superillu, finanziert von einer neoliberalen Initiative, schwärmt von den FNB. Von Jörg Schindler

Eine Sonderausgabe der Superillu schwärmt vom Osten.
Eine Sonderausgabe der Superillu schwärmt vom Osten.
Foto: Bauer Media

Freunde, es ist an der Zeit, Helmut Kohl Abbitte zu leisten. Die Landschaften im Osten: Sie blühen längst! Lauter glückliche Menschen leben dort in einer Art Wellness-Paradies. Ostdeutschland ist schön, seine Landschaften typisch, seine Machwerke weltberühmt. Nur hat es leider noch keiner bemerkt. Bis auf die Superillu.

Die wöchentliche Ost-Postille des Hubert Burda Media Konzerns hat ihren Lesern - und das sind immerhin an die drei Millionen - dieser Tage 48 Seiten Frohsinn aufgetischt. Der Anlass: 20 Jahre Mauerfall. Wer das bunte Heftchen liest, denkt: Donnerwetter, die Ossis! Sind "weltweit Spitze" in der Bildung. Haben "in der Einheit ihr Glück gefunden". Und kommen neuerdings "sonnengebräunt vom Urlaub in der Türkei" zurück, gerne auch mal ins herrliche Hoyerswerda. Entschuldigung, aber das konnte ja keiner ahnen. Die Superillu aber hat die Kraft. Und den Mut, wie Chefredakteur Jochen Wolff sich lobt, jetzt endlich mal "ehrliche Bilanz zu ziehen".

Zur Ehrlichkeit freilich gehört auch zu erwähnen, dass die Illustrierte ihre Ost-Hymne nicht ganz aus eigener Kraft gewuppt hat. Da stand dann doch die "Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft" wohlwollend zur Seite. Immerhin: Auf der honigkuchenheiteren Titelseite der Sonderpublikation wird das im Kleingedruckten sogar erwähnt. Nur wer genau sich dahinter verbirgt, verrät das sonst sehr redselige Heftchen nicht wirklich. Wir holen das an dieser Stelle gerne nach.

Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft vertritt nämlich, gelinde gesagt, etwas einseitige Interessen. Die im Jahr 2000 gegründete Organisation wird vom Arbeitgeberverband Gesamtmetall und weiteren Wirtschaftsverbänden mit Millionenaufwand gepäppelt, auf dass sie die frohe Botschaft des Neoliberalismus unters Volk bringe. Grob gesagt, geht es ihr darum, den Staat von lästigen Aufgaben wie etwa Bankenregulierung zu entbinden, Steuern für "Leistungsträger" zu senken und Arbeitslosen die Hängematte unterm Hintern wegzuziehen.

Selbstlos stellte die Initiative dafür notleidenden Medien immer wieder Print- und Fernsehbeiträge zur Verfügung, platzierte ihre "Reform"-Ideen sogar in unschuldigen Daily Soaps (was später leider aufflog) und schaffte es so nach und nach, "einen neoliberalen Mainstream in den Medien durchzusetzen", wie der Medienwissenschaftler Siegfried Weischenberg schon früh beklagte. Am Rande sei erwähnt, dass der Freundeskreis der Initiative sich eher aus CDU- und FDP-Politikern rekrutiert.

So gesehen ist es vielleicht kein Wunder, dass das Jubel-Journal der Superillu alles in allem etwas sozialismuskritisch geraten ist. Von Ostalgie, sonst durchaus eine Paradedisziplin des Blattes, keine Spur. Statt dessen: DDR-Bashing pur und ein Loblied auf die Einheit ("Neue Chancen, neues Lebensgefühl"). Gestützt wird das Ganze unter anderem durch eine streng wissenschaftliche Studie des Instituts für Wirtschaftsforschung. Zufall oder nicht: Das ist die Heimstatt des neoliberalen Gurus Hans-Werner Sinn.

Es gibt Menschen, die argwöhnen nun, Zeitpunkt und Art der Publikation könnten womöglich etwas mit dem Wahlkampf zu tun haben. Aber die haben eben keine Ahnung, findet Superillu-Chefredakteur Wolff. Das Ganze sei "selbstverständlich" journalistisch ausgewogen, sagte Wolff am Donnerstag der FR. Seine Blatt verschweige ja sonst nie die Probleme im Osten. "Jetzt haben wir uns halt mal die Freiheit genommen, eine Art Weißbuch der Erfolge zu produzieren." Man müsse den Menschen ja auch mal Mut machen, findet Bayern-Import Wolff, und ob das nun vor oder nach dem 27. September geschehe, sei wurscht.

Andere sehen das anders. Linken-Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch hält das Heft für "eine Verarschung all jener, die die deutsche Einheit differenzierter betrachten". Im Grunde ähnele das ganze Magazin "einer Ausgabe des damaligen Neuen Deutschland nach einem Messerundgang Erich Honeckers". Aber vielleicht ist das jetzt schon wieder viel zu miesepetrig.

Autor:  Jörg Schindler
Datum:  27 | 8 | 2009
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