Im Streit um Zusatzverdienste von TV-Moderatoren des öffentlich-rechtlichen Fernsehens meldet sich Michael Antwerpes zu Wort. "Ich bin nicht käuflich", sagt der Sportchef des Südwestrundfunks (SWR). Er sei noch von keinem Kunden gefragt worden, ob man eventuell eine Gegenleistung bekomme. Der 46-jährige Journalist wird in einer Reihe mit TV-Moderatoren genannt, die für stattliche Summen von Wirtschaft oder Staat mal einen Galaabend, mal eine Präsentation oder einen Talk moderieren.
Namentlich "Mr. Tagesthemen" Tom Buhrow geriet in die Kritik. Das NDR-Magazin Zapp belegte, dass ihm 20 000 Euro für einen halbstündigen Vortrag bei der Deutschen Bank über die Wahlen in den USA vertraglich zugesichert waren. Auch andere Moderatoren der öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF gerieten ins Zwielicht, weil das Magazin "Marktpreise" der Künstleragenturen veröffentlichte - etwa 14 000 Euro für heute-Sprecherin Petra Gerster oder 20 000 Euro für heute journal-Moderator Claus Kleber.
"Weit von der Realität entfernt"
SWR-Sportchef Michael Antwerpes soll bei einer Künstleragentur mit 8 000 Euro pro Auftritt gelistet sein. Das sei "weit von der Realität entfernt", sagte er der FR. 8000 Euro habe er "nie erhalten, ich erhalte selten die Hälfte". Meist lägen die Honorare weit darunter. So habe er im Januar für das Staatsministerium Baden-Württemberg die "Hinterzartener Sportgespräche" für 1000 Euro moderiert - genau für 1190 Euro inklusive Mehrwertsteuer. In den ersten sechs Monaten 2009 habe er drei Nebenverdienste angezeigt - und alle genehmigt bekommen. "Ich bin problembewusst", beteuert Antwerpes - obwohl er sich offensichtlich bei der Regierung verdingt hat.
Er verstehe zwar, so Antwerpes,dass die Nebeneinkünfte von TV-Moderatoren ein "interessantes Thema" seien, in Teilen sehe er jedenfalls eine "Neiddebatte". Man müsse erst einmal einen Fall finden, bei dem Einflussnahme nachgewiesen werden könnte. "Falls Tom Buhrow Herrn Ackermann nach einem Auftritt bei der Deutschen Bank kuschelweich befragen sollte, hätte er doch ein Glaubwürdigkeitsproblem." Das gelte auch für ihn. Gleich nach Aufflammen der Diskussion schrieb er eine Mail an den SWR-Intendanten und derzeitigen ARD-Vorsitzenden Peter Boudgoust, in dem er konkrete Einkünfte auflistet und anbietet, dies auch künftig gegenüber den Gremien zu tun. Antwerpes will festgestellt wissen, dass er für solche Auftritte freie Tage nehme; das sei "doch kein vom SWR bezahlter Urlaub". Der SWR-Moderator kann sich so etwas wie eine "Ehrenerklärung" für Mitarbeiter des Öffentlich-rechtlichen Fernsehens vorstellen, aber auch eine Obergrenze für solche Einkünfte, etwa in Höhe von 20 Prozent des Jahreseinkommens. Überlegungen, einen Teil des Geldes zurückzuzahlen oder in einen Fonds einzuspeisen, hält Antwerpes für "schwierig"; rechtlich, sagt er, sei ja "alles ganz sauber".
Grundrecht der Berufsfreiheit
Auch SWR-Intendant Boudgoust betont die juristische Lage. Das Grundrecht der Berufsfreiheit gelte auch für Fernsehmoderatoren, soweit dienstliche Interessen nicht tangiert würden. Nicht alles, was zum Skandal gemacht werde, sei auch einer. Dennoch sieht der SWR-Intendant Handlungsbedarf. Man habe durch die Pflicht zur Genehmigung von Nebentätigkeiten "strenge Regeln". Boudgoust will aber dennoch in den ARD-Gremien über eine "eventuelle Nachjustierung" sprechen. "Die Höhe des Honorars kann bei der Beurteilung natürlich ein relevanter Aspekt sein."
Im SWR-Rundfunkrat verlauten schon erste Stimmen, die eine straffe Regelung fordern. Die TV-Moderatoren seien "Magneten auf dem Bildschirm", meint etwa Beamtenbundschef Volker Stich. Wenn journalistische Tätigkeit verknüpft werde mit lukrativen Nebenjobs sei dies "nicht nur grenzwertig, da ist eine Grenze überschritten".
Auch Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger, medienpolitischer Sprecher der Bundes-CDU, regte in einem Brief an Boudgoust und den ZDF-Intendanten Markus Schächter eine "stärkere Reglementierung" und "restriktive Genehmigungspraxis" durch die Sender an. Für den Politiker geht es auch um die "Meidung des Scheins".
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