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Medien

09. Januar 2013

Tagesschau: In der Spur

 Von Daniel Bouhs
Linda Zervakis  Foto: ndr

Nach Judith Rakers baut die ARD nun Linda Zervakis von einer „Tagesschau“-Sprecherin zum Star auf

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Nach Judith Rakers baut die ARD nun Linda Zervakis von einer „Tagesschau“-Sprecherin zum Star auf

So richtig los mit dem Trubel ging es für Linda Zervakis im Frühjahr vor zwei Jahren. Damals schickte sie die ARD in die Generalprobe für ihr Nachrichten-Flaggschiff, die 20-Uhr-Ausgabe der „Tagesschau“. Seitdem liest Zervakis immer wieder die Meldungen der „Tagesthemen“ vor. „Große Stücke“ halten sie auf die Neue, verlautete dann auch aus der Chefredaktion, was nichts anderes heißt als: Stellt sich Zervakis länger gut an, dann darf die gebürtige Hamburgerin mit griechischen Wurzeln auf die Hauptausgabe hoffen. „Ich arbeite seit vielen Jahren für diesen Traum“, sagt Zervakis Anfang 2013. Jetzt sei es doch „ganz selbstverständlich, dass nicht nur Busfahrer und Fußballer, sondern auch Nachrichtensprecher einen Migrationshintergrund haben“. Doch vorher muss sie noch eine andere Prüfung bestehen: die Prominenz, die mit einer festen Rolle in den ARD-Nachrichten zwangsläufig einherzugehen scheint.

Nach Judith Rakers baut der Senderverbund Zervakis derzeit jedenfalls zum Vorzeigegesicht auf. Die nächste Etappe auf diesem Weg steht bereits Donnerstag auf dem Programm. Dann tritt Zervakis im Ersten (20.15 Uhr) beim „Star-Biathlon“ an. Es ist nicht die erste Unterhaltungssendung, bei der die Journalistin mitspielt, die doch eigentlich erst damit begonnen hat, bei den Nachrichten Karriere zu machen. Auch beim „Quiz der Deutschen“ und ebenso im „Star-Quiz“ hielt sie längst fleißig ihren Kopf hin.

„Schon Dagmar Berghoff und Wilhelm Wieben hatten Showauftritte“, sagt „Tagesschau“-Chefredakteur Kai Gniffke zum anhaltenden Glitzer-Engagement seiner Leute. Wer die „Tagesschau“ spreche, der sei schon allein deshalb prominent. Eine Notwendigkeit, Moderatoren „vorsätzlich aufzubauen“, gebe es überhaupt nicht, betont Gniffke. Einen Unterschied zwischen Karrierebeginn und Karriereende macht allerdings auch er nicht. Jan Hofer zum Beispiel war schon Hauptnachrichtensprecher, bevor er – vornehmlich in den Dritten Programmen – ein Jazzsendung und später Talkshows moderierte. Umgekehrt wird anderen Nachwuchssprecherinnen wie beispielsweise Astrid Vits nicht annähernd so viel Aufmerksamkeit zuteil wie Linda Zervakis.

Nicht einmal ein halbes Jahr, nachdem die ARD Zervakis auf die Warteposition für das Nachrichten-Flaggschiff gesetzt wurde, bejubelte die Promiagentur SMK einen ganzen „Talkshowmarathon“. Bei dieser „Deutschlandreise“, wie die Agentur das nannte, war Zervakis quer durch die ARD-Anstalten präsent – bevor sie in die Babypause verschwand. Die wurde passenderweise ebenso in der Öffentlichkeit ein Thema wie die Frage, wie die junge Familie seitdem ihr Leben organisiert, damit Zervakis „nicht in Vergessenheit“ gerate, wie sie selbst mahnte. Für sie ist es notwendig, irgendwie im Gespräch zu bleiben, denn auch das gehört zum System: Die „Tagesschau“ stellt ihre Sprecher nicht fest an. Auch Zervakis, früher Werbetexterin und seit 2001 beim NDR, arbeitet freiberuflich.

Die Berliner Agentur SKM, die außer Zervakis aufstrebende Fernsehmacher wie Sarah Kuttner und Klaas Heufer-Umlauf betreut, ist es auch, die Anfragen und Interviewwünsche beantwortet. Einem Gespräch mit der „Tagesschau“-Sprecherin“ erteilt sie eine Absage. Immerhin kommen Antworten schriftlich – nach Verhandlungen. Zervakis beteuert darin einerseits, gerne dabei helfen zu wollen, die „Tagesschau“ neuen Zielgruppen bekannt zu machen. Andererseits wolle sie aber auch nicht alles mitmachen: „Sie werden mich weder beim ‚Turmspringen‘ noch beim ‚Perfekten Promi Dinner‘ sehen.“ Die beiden Sendungen laufen allerdings auch im Privatfernsehen. Und zumindest zwischen Stefan Raabs Wassersprung-Show auf ProSieben und dem „Star-Biathlon“ lassen sich Parallelen finden. Eine konsequente Abgrenzung ist das nicht.

Es stellt sich die Frage, ob es der Sache dient, sich der journalistischen Rolle zum Trotz zunehmend im Show-Geschäft zu tummeln. Auf die Frage, wo sie sich künftig verortet sieht, ob in der Information oder doch in der Unterhaltung, sagt Zervakis: „In erster Linie bin ich Sprecherin für Deutschlands erfolgreichste Nachrichtensendung und darauf bin ich auch stolz.“ Tatsächlich steht sie der „Tagesschau“ gut zu Gesicht – und umgekehrt. Sie sei eine „ausgezeichnete Sprecherin“, sagt Chefredakteur Gniffke. Ob und wann sie die Hauptausgabe lesen dürfe, sei „derzeit nicht“ absehbar.

Ihre Kollegin Rakers ist unterdessen schon eine Etappe weiter: Kurz vor Weihnachten präsentierte sie ihre erste eigene Show. Doch die Zaubersendung „Einfach magisch“ floppte: Gerade einmal gut zwei Millionen Zuschauer konnte sie zur besten Sendezeit für sich begeistern. Man darf Linda Zervakis auch deshalb wünschen, nicht zu tief ins Unterhaltungsfach einzutauchen.

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