Medien

14. Juni 2010

Tageszeitung Le Monde: Sarkozy will über die Welt bestimmen

 Von Axel Veiel
Die defizitäre französische Traditionszeitung Le Monde will mit Internet-Abos Geld verdienen. Foto: afp

Der französische Präsident greift in den Verkauf der Le Monde ein. Zwei Unternehmen wollen investieren. Nicolas Sarkozy macht deutlich, welches auf gar keinen Fall den Zuschlag bekommen sollte. Von Axel Veiel

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Es geht um die Welt, um Le Monde, Frankreichs renommierteste Tageszeitung. Und es geht darum, wem die mit einer Auflage von 288.000 Exemplaren nach Le Figaro und der Sportgazette L'Équipe drittgrößte Tageszeitung gehören soll. Einen Machtmenschen wie Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy lässt so etwas nicht kalt. Zumal er sich, wie Anrufe des Präsidenten in der Chefredaktion bestätigen, in dem Blatt nicht immer so wiederfindet, wie er das gerne hätte.

Zwei Konsortien haben bisher angeboten, in die tiefrote Zahlen schreibende Zeitung zu investieren. Und Sarkozy hat deutlich gemacht, welches seiner Meinung nach auf gar keinen Fall den Zuschlag bekommen sollte: nämlich das Trio aus dem Internet- und Mobilfunkunternehmer Xavier Niel, dem Kunstmäzenen Pierre Bergé, einst als Lebensgefährte des Modeschöpfers Yves Saint Laurent ins Rampenlicht getreten, und dem Investmentbanker Matthieu Pigasse, Chef des Kreditinstituts Lazard Frères.

Der Staatschef hat Éric Fottorino zu sich zitiert, den Direktor der unter Verlusten, Auflagenschwund und Altschulden leidenden Zeitung, und hat ihm erläutert, wieso die Dreierbande nicht tragbar sei. Niel sei "der Mann von der Peepshow", soll Sarkozy in Anspielung auf dessen erste unternehmerische Schritte im Telefonsex- und Peepshow-Geschäft gesagt haben.

Den Staatschef dürfte an dem Trio Niel-Bergé-Pigasse noch weitaus mehr stören als nur frühe fragwürdige Geschäfte eines der Mitglieder. Anstoß nehmen könnte Sarkozy etwa daran, dass sich Bergé und Pigasse offen zur sozialistischen Opposition bekennen und Bergé die Genossen auch noch großzügig sponsert. Niel wiederum mag dem Hausherrn des Elysée-Palasts nicht genehm sein, weil er sein Geld in regierungskritische Websites steckt.

Wenn zutrifft, was das Konkurrenzblatt Libération schreibt, dann ist Sarkozy die Vorstellung, die drei könnten die Kontrolle über Le Monde übernehmen, so unangenehm, dass er Fottorino gar mit dem Entzug staatlicher Unterstützung für die Modernisierung der Zeitungsdruckerei gedroht hat.

Sollte sich der Präsident durchsetzen, würde der zweite Bieter das Rennen machen: Claude Perdriel, Verleger des Magazins Nouvel Observateur, unterstützt von France Télécom. Das linksliberale Magazin mag zwar auch nicht ganz nach dem Geschmack des Élysée sein, France Télécom ist es dafür aber umso mehr. Der Staat hält an Frankreichs größter Telefongesellschaft 26 Prozent, France-Télécom-Chef Stéphane Richard gilt als Vertrauter des Staatspräsidenten.

Der Verlag von Le Monde spielt erst einmal auf Zeit. Die Frist zur Abgabe von Angeboten, die am Freitag hätte auslaufen sollen, wurde bis zum 24. Juni verlängert. Eine Kapitalerhöhung ist unumgänglich. Die Schulden der Zeitung belaufen sich auf fast 100 Millionen Euro. Ohne Finanzspritzen droht am 10. Juli die Zahlungsunfähigkeit.

Die Redaktion, die Le Monde bisher zusammen mit Verlagsmitarbeitern und einer Lesergesellschaft kontrolliert, hat sich weitgehend in ihr Schicksal gefügt. Sie ist bereit, die Macht mit einem Investor zu teilen. Aber dass es ein Geldgeber von Sarkozys Gnaden sein soll, das geht so manchem Redakteur doch zu weit. Fottorino versucht die Wogen zu glätten. Der Zeitungsdirektor erinnert daran, dass die Staatsmacht schon immer "ein Auge auf Le Monde geworfen", habe. In der Tat hat schon der sozialistische Präsident Francois Mitterrand den ihm zugetanen Chef der Großbank PNB einst gebeten, dem Blatt keine Kredite mehr zu geben.

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