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Medien

07. Januar 2011

Talente-Verschleiß: Der Nächste bitte!

 Von Peer Schader
Die neue Jury von "Deutschland sucht den Superstar", Sänger Patrick Nuo, Sängerin Fernanda Brandao und Musikproduzent Dieter Bohlen, steht am 19.10.2010 in Köln im Studio in Köln. Foto: dpa

RTL sucht wieder einen Superstar, Chancen auf nachhaltigen Erfolg hat der Sieger aber kaum.

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Ein neuer Star wird kommen, dröhnt die Stimme im Trailer zur neuen „Deutschland sucht den Superstar“-Staffel, bevor die Kamera aus dem Weltall auf die Erde zu den Kandidaten hinabfährt, die darauf warten, von Dieter Bohlen zerpflückt zu werden. Aber diese Ankündigung ist genauso geflunkert wie das vermeintliche Versprechen im Titel der Sendung: Als „Superstar“ hat bisher noch kein Kandidat die erfolgreiche RTL-Show verlassen. Und trotzdem haben sich Senderangaben zufolge wieder 35 000 Menschen für die achte Staffel beworben, die heute Abend mit den Castings startet. Ja, sind die denn alle des Wahnsinns?

Es sind gar nicht immer Totalflops, die daraus entstehen. Mit seiner Single „Don’t believe“ belegte „DSDS“-Vorjahressieger Mehrzad Marashi auf Anhieb den ersten Platz in den deutschen Charts, in denen er sich immerhin 17 Wochen halten konnte. Für einen langfristigen Erfolg hat es hingegen nicht gereicht. Eine Live-Tour musste abgesagt werden, weil nicht genug Karten verkauft wurden. Neue Projekte sind im Terminkalender auf Marashis Website nicht in Sicht.

Sobald die Scheinwerfer aus sind, ist es für die meisten schwer, sich zu behaupten. Vor allem, wenn sie sich nicht mit „DSDS“-Übervater Dieter Bohlen arrangieren wollen. Das Spiel ist immer das gleiche: Einige Monate nach dem Ende einer Staffel berichtet die Bild-Zeitung über den Bruch des Gewinners mit Bohlen, oder darüber, dass der Pop-Titan den Sieger fallen gelassen habe, um sich neuen Projekten zuzuwenden. Einzige Ausnahme ist Mark Medlock, der sich Jahr für Jahr von seinem ehemaligen Mentor einen trashigen Sommerhit schreiben lässt.

Das Album des diesjährigen „DSDS“-Siegers wird erstmals nicht mehr bei Sony Music erscheinen, sondern beim Konkurrenten Universal – weil Show-Erfinder Simon Fuller es so will und mit der Vermarktung der Gewinner vom bisherigen Partner unzufrieden war. Ob Dieter Bohlen, der bei Sony unter Vertrag steht, dann als Hit-Lieferant noch zum Zuge kommt, ist fraglich – auch wenn RTL auf Anfrage erklärt, Bohlen könne „wie alle anderen Produzenten Songs für den Siegertitel einreichen“.

Dabei sind die Schwierigkeiten für die vom Publikum gewählten Superstars gar nicht mal nur bohlenbedingt. Auch Gewinner anderer Castigshows haben es schwer – zum Beispiel die „Popstars“ von ProSieben. Die im Dezember frisch gekürte Mädchenband LaVive ist nach Weihnachten mit ihrem Titel „No Time for Sleeping“ in die Charts eingestiegen, immerhin auf Platz 13. Ähnlich ging es den Vorjahressiegern Some & Any – allerdings hielten sie sich gerade mal eine Woche.

Dass Jahr für Jahr eine neue Gruppe gefunden wird, die langfristigen Erfolg haben kann, ist illusorisch, das wissen auch die Macher. Dass sie ihrem Publikum – und letztlich auch den Kandidaten – das Gegenteil vorgaukeln, ist Voraussetzung für den ganzen Zirkus. Zu den Ausnahmen gehören die No Angels, die vor zehn Jahren aus „Popstars“ hervorgingen – und Monrose, die 2006 aufgebaut wurden und erst vor wenigen Wochen ihre Trennung bekanntgaben.

Das Problem an den Casting-Stars ist, dass zu viele Leute an ihnen mitverdienen wollen: der Sender, die Produktionsfirma, das Plattenlabel, das Management. Im schlimmsten Falle ergibt sich daraus ein furchtbares Durcheinander. Für die Sender ist das gar nicht mal schlimm: Das große Geschäft wird selten mit CD-Verkäufen gemacht, sondern schon vorher mit den Werbezeiten in der Show.

Dennoch wird gerne neidvoll ins Ausland geblickt, zum Beispiel nach Großbritannien, wo die Castingshow „X-Factor“ tatsächlich einen Star vorweisen kann, der zu Weltruhm gelangt ist: Sängerin Leona Lewis. Dabei ist es gar nicht mal so, dass es hierzulande keine Talente zu entdecken gäbe. Im Gegenteil: Als Edita Abdieski Ende November das deutsche „X-Factor“ bei Vox gewann, war es ein hochverdienter Sieg der 26-Jährigen. Die Verkäufe ihrer ersten Single „I've Come to Life“ enttäuschten indes.

Der Nachteil für die „X-Factor“-Gewinnerin ist, dass sie mit Ende der Sendung auch aus der Aufmerksamkeit der Zuschauer herausrückt, selbst wenn Vox sich mit regelmäßigen Berichten in seinem Klatschmagazin „Prominent“ dagegenstemmt. Es wäre Abdieski zu wünschen, dass sie Zeit bekommt, sich als Künstlerin zu entwickeln. Der schnelle Erfolg, den die Castingshows ihren Teilnehmern versprechen, die Transformation vom Nobody zur umjubelten Berühmtheit ist nämlich bloß eine Illusion – wenn auch eine, der Jahr für Jahr immer wieder viele Tausende Bewerber erliegen, wenn sie vor Dieter Bohlen und dessen Kollegen treten.

Deutschland sucht den Superstar, 20.15 Uhr, RTL

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