Wenn in einem Krimi ein Polizist auf Streife anfängt, einen Witz zu erzählen, kann man fast sicher sein, dass er ihn nicht beenden wird. Auch in diesem "Tatort" erfährt der Zuschauer also nicht, was denn nun der kleine Junge zum Tiger sagt - stattdessen zoomt die Kamera zum Ufer mit Leiche.
Der Tote hat auch Boote gebaut, aber mit dem Fluss hat dieser Ludwigshafen-Tatort eher wenig zu tun. Er führt ins Motorsport-Milieu, wo reiche Rennstallbesitzer Sätze sagen wie: "Wir brauchen Siegertypen in unserer Zeit.". Der Ermordete hat als Ingenieur für einen Rennstall gearbeitet und vor einem Jahr seine Frau, eine Rennfahrerin, bei einem Unfall verloren. Der Sohn gibt einer Kollegin seiner Mutter die Schuld an dem Crash. Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) und Mario Kopper (Andreas Hoppe) müssen sich also auch die alten Unterlagen wieder kommen lassen. Alles hat prompt irgendwie mit allem zu tun. Und mit Ehrgeiz und Eifersucht sowieso.
Tatort: Tod auf dem Rhein, Sonntag, 20.15 Uhr, ARD
Das Buch von Horst Freund birgt so gut wie keine Überraschungen und kaum eine frische Dialogzeile. Dabei hat es eine starke Hauptfigur: Den jungen Mann, konzentriert und intensiv gespielt von Jeremias Koschorz, der zuerst seine Mutter und dann den Vater verliert. Aber als er ausflippt und auf die Rennbahn läuft, muss Ulrike Folkerts in der Regie von Patrick Winczewski fragen: "Warum macht er so was?" In Zeiten, da Angehörigen und Opfern fast selbstverständlich ein Psychologe oder Notfallseelsorger ins Haus geschickt wird, kümmern sich die Fernsehkommissare diesmal befremdlich wenig. Stattdessen greifen Regisseur und Autor am Anfang und Ende dieses SWR-"Tatorts" auf einen Song der Toten Hosen zurück: Steh auf, wenn du am Boden bist. Das wird den jungen Mann bestimmt trösten.
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Genau die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.