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Textdiebe: Gegen die Kopier-Mentalität

In einer beispiellosen Aktion mahnt die Nachrichtenagentur AFP Internetseitenbetreiber ab, die Texte klauen. Besonders Serviceportale haben über Jahre hinweg Hunderte Texte geklaut, aber für Inhalte nicht bezahlt.Von Daniel Bouhs

Nachrichten in die Welt zu setzen, macht Arbeit, und die muss bezahlt werden.
Nachrichten in die Welt zu setzen, macht Arbeit, und die muss bezahlt werden.
Foto: afp

Die Agentur Agence France Presse (AFP) ist ein weltweit agierender Nachrichten-Lieferant. Sie betreibt Büros in 165 Ländern, aus denen knapp 2000 Mitarbeiter Neuigkeiten verbreiten. Ihre Texte werden mitunter sogar von Menschen kopiert, die dafür gar nicht zahlen. Doch dieser weit verbreiteten "Copy-Paste"-Mentalität sieht AFP jetzt nicht mehr tatenlos zu: Ihr deutscher Ableger, der gut die Hälfte aller hiesigen Zeitungen beliefert, hat gerade in einer beispiellosen Aktion damit begonnen, Seitenbetreiber abzumahnen und Geld nachzufordern.

Ziel sind Betreiber deutscher Internetseiten, die Meldungen ohne Lizenz veröffentlichen, also irgendwo her nehmen und auf ihre Seite stellen. Wie der Vertriebschef von AFP-Deutschland, Timo Peters, der Frankfurter Rundschau sagte, erhalten dieser Tage "Tausende" von ihnen Briefe von Kanzleien, die im Auftrag der Agentur arbeiten.

Die Empfänger sollen per Unterlassungserklärung bestätigen, dass sie kein AFP-Material mehr verbreiten. Das war für sie indes einfach zu bekommen: Viele Kunden der AFP stellen die Texte ganz legal ins Netz. So erhält mitunter auch Post, wer sich gar nicht bewusst bei AFP bediente sondern bei einem Nachrichtenportal, das Agenturmeldungen übernimmt.

AFP-Vertriebschef Peters sagt, er beobachte seit vielen Jahren, "dass unser Material nicht nur von unseren Kunden im Netz veröffentlicht wird sondern auch von anderen - zum Teil sogar kommerziell." Bisher war es so, dass Medienhäuser, die unter dem selben Problem leiden, nur per Zufall auf Textdiebe stießen. Mit neuen Techniken sei jetzt aber "erstmals eine systematische Suche" möglich.

AFP arbeitet mit der Hamburger Firma Textguard zusammen, die Verstöße des Urheberrechts aufspürt. Textguard hat zwar erst einen Teil des AFP-Bestandes mit dem Netz abgeglichen. Doch obwohl ein Treffer erst dann ein Treffer ist, wenn der größte Teil einer Meldung kopiert wurde und damit das Zitatrecht überschreitet, lieferte Textguard eine "immense" Zahl von Verstößen, wie Peters berichtet. Konkret bewege sich die Trefferzahl in einem "niedrigen fünfstelligen Bereich". Besonders krasse Textdiebe hätten über Jahre hinweg Hunderte Texte geklaut, Serviceportale etwa, die zwar mit Werbung Geld verdienen, aber für Inhalte nicht bezahlen. Auf sie warten Rechnungen über mehrere Zehntausend Euro.

Sogar Verlage flogen auf, die AFP für einzelne Produkte bezahlen, das Material aber auch anderweitig nutzen. "Mehrfach" ist AFP zudem auf Leute gestoßen, die sich als Schriftsteller oder Journalisten ausgeben, statt eigener Texte aber Agenturmaterial unter eigenem Namen verbreiten.

"Wir legen aber nicht bei allen Verletzungen gleich eine Rechnung bei", sagt Peters. Er betont: "Wir haben es nicht auf Blogger, Lehrer und Professoren abgesehen." Jeder bekomme aber zumindest ein Schreiben, in dem AFP die Rechtslage erklärt und auffordert, den Diebstahl zu stoppen. AFP will ein Bewusstsein dafür schaffen, was das Urheberrecht ist und dass "unser Content einen Wert hat, der bezahlt werden muss".

Mehrere Verlage und Agenturen, darunter auch Agentur-Marktführer dpa, haben ebenfalls begonnen, Textdiebe zu ahnden. Massenmailings wie bei AFP stehen hier aber noch aus. Die Aktion der Franzosen ist damit nur ein Anfang. AFP spricht selbst von einem "fortlaufenden Prozess".

Autor:  DANIEL BOUHS
Datum:  28 | 5 | 2009
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