kalaydo.de Anzeigen

Thüringer Allgemeine: Vorzeitiger Abgang

Der Thüringer Allgemeinen droht nach dem Rauswurf des Chefredakteurs ein Umbruch. Von Ulrike Simon


Foto: dpa

Am vergangenen Donnerstag hat die WAZ-Gruppe mit der Mitteilung überrascht, der 59-jährige Lochthofen werde künftig eine Aufgabe im Konzern übernehmen, die "seinen Kenntnissen und Erfahrungen entspricht". An seiner Stelle würde der drei Jahre ältere Raue die Chefredaktion der Thüringer Allgemeinen übernehmen.

Mit ihm solle der "umfassende Erneuerungsprozess" der Zeitungsgruppe (Thüringer Allgemeine, Ostthüringer Zeitung, Thüringische Landeszeitung) vorangetrieben werden. Konkrete Aussagen, wie dieser Prozess aussehen solle, gibt es nicht. Aus der Geschäftsführung bekam die Redaktion zu hören, es seien Umstrukturierungen, jedoch kein Stellenabbau geplant.

Sergej Lochthofen
Sergej Lochthofen
Foto: dpa

Dennoch interpretieren die Mitarbeiter die aktuellen Vorgänge so, dass die Abberufung des autark agierenden Lochthofen ähnlich wie bei den Zeitungen der WAZ-Gruppe in Nordrhein-Westfalen der Beginn eines massiven Stellenabbaus und das Ende der eigenständigen Zeitungsproduktion bedeute.

Auch die Leser reagierten entsprechend. Viele protestierten, der westdeutsche Konzern würde die nach der Wende einzige hörbare Stimme des Ostens zum Verstummen bringen. Die Zeitungsgruppe Thüringen gilt als profitabel. Sie habe jahrelang "Transferleistungen von Ost nach West" geleistet, wie es ein Mitarbeiter formuliert, der die Bilanzen kennt. Lochthofen war 1990 von der Redaktion als Chefredakteur gewählt worden. Die heutige Thüringer Allgemeine war die erste SED-Bezirkszeitung, die sich für unabhängig erklärt hatte.

Als geschäftsschädigend verstanden wurde Lochthofens öffentliche Stellungnahme, kurz nachdem er von seiner Absetzung erfahren hatte. Die Entscheidung der WAZ-Gruppe, auch seine Stellvertreterin und Ehefrau Antje-Maria Lochthofen abzulösen, bezeichnete er als Sippenhaft; den Vorgang verglich er mit der Stalin-Zeit. "Wir weisen die in der Sache falschen und in ihrer offenbar beabsichtigten Wirkung außerordentlich verlagsschädigenden Vergleiche mit der nationalsozialistischen und stalinistischen Gewaltherrschaft in aller Form zurück", heißt es in einem Schreiben an die Mitarbeiter der Thüringer Allgemeinen.

Von dem kurzfristigen Wechsel sei Antje-Maria Lochthofen nicht betroffen. Mit ihr würde über eine Perspektive bei der Zeitung gesprochen, sagte Schrotthofer. In einem Radiointerview räumte er ein, dass die Tatsache, dass Locht-hofens Ehefrau unter dessen Nachfolger Raue hätte arbeiten müssen, eine sehr heikle Konstellation wäre.

Für 12 Uhr am Mittwoch wurde eine Mitarbeiterversammlung anberaumt. Dort wollte sich auch der neue Chefredakteur Raue vorstellen, der am Vormittag bereits zum Dienst erschien. Vor einigen Tagen hatten die Mitarbeiter der Thüringer Allgemeinen gefordert, die Ablösung von Lochthofen und seiner Frau zurückzunehmen.

Sie warnten vor dem "Eingriff in die journalistische Unabhängigkeit der Redaktion", die im Redaktionsstatut vom April 1990 formuliert sei. Tatsächlich existiert vom Redaktionsstatut nach Informationen der Frankfurter Rundschau lediglich ein Entwurf. Angeblich soll die WAZ beim Kauf der Thüringer Allgemeinen erklärt haben, das Statut zu akzeptieren. Zu einer Unterschrift soll es aber nie gekommen sein.

Vieles aus dieser Zeit ist eingeschlafen. Das gilt auch für den einst gewählten Redaktionsrat, der nun, nach Lochthofens Abberufung, wiederbelebt wird. Am kommenden Dienstag, nach einer Betriebsversammlung, soll er gewählt werden."

Autor:  Ulrike Simon
Datum:  2 | 12 | 2009
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
World Press Photo 2011
Das Bild des Jahres: Die 18-jährige Afghanin Bibi Aisha   war auf der Flucht vor ihrem gewalttätigen Ehemann, als die Taliban sie aufspürten.  Der Urteilsspruch: Verstümmelung. Aishas Mann schnitt ihr Nase und Ohren ab, während dessen Bruder sie festhielt. Das Porträt brachte der US-Fotografin Jodi Bieber den World Press Photo Award 2011 ein.

Die Präsentation des besten Pressefotos des Jahres ist immer ein Anlass, genauer hinzuschauen: FR-online.de erklärt mit Hilfe von interaktiven Imagemaps die Hintergründe zu drei ausgewählten Gewinnerbildern.

FR-Fernsehkritik
Ornella de Santis (links) hat es ins Finale von
„Unser Star für Baku“ 
Moderator Günther Jauch.
Günther Jauch 
Ivy Quainoo ist die neue Stimme Deutschlands.
Voice of Germany 

Video

Quiz
Dezember 2006.

Thomas Gottschalk hat sich bei "Wetten, dass..." verabschiedet. Er bewegt die TV-Nation. Testen Sie Ihr Wissen.

Quiz
Tatort-Logo

Seit 40 Jahren gibt's fast jeden Sonntag im Fernsehen Mord und Totschlag. Mit dem Tatort beweist das öffentlich-rechtliche Fernsehen immer wieder seine Leistungsfähigkeit. Was wissen Sie über die Krimi-Reihe? Testen Sie's!

Fotostrecke
Zum Anbeißen: Der Zoo Hannover sorgt beim Füttern für die saisonal passende Deko. Das Erdmännchen hat offenbar seinen Spaß dran.

Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Genau die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.

Quiz
Der zurückgetretene Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg holt seine Entlassungspapiere im Schloss Bellevue ab (03.03.2011).

Guttenberg hatte einen guten Grund. Aber weshalb sind Horst Köhler oder Richard Nixon abgetreten?

Quiz
Wissens-Test.

Politik, Sport, Wirtschaft - wie gut sind Sie informiert? Machen Sie den Test mit dem unterhaltsamen Tagesquiz.

Film

Die Filmwoche: Was läuft wann in welchem Kino? Alle Neustarts, alle Filme, alle Kinos, alle Zeiten.

Meistgeklickt
Verrauchte Sicht für Frankfurts Keeper Oka Nikolov.
Eintracht gegen Fortuna 
Diskussionen: Bamba Anderson redet auf Schiedsrichter-Assistent Jan Hendrik Salver ein.
Fußball-Kolumne Ballhorn (IV) 
Ornella de Santis (links) hat es ins Finale von
„Unser Star für Baku“ 
Karlsruhe urteilt: Die derzeitige Bezahlung von Uni-Professoren ist nicht rechtens.
Urteil zu Professorenbesoldung